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Der Israelit · 1898-04-18 · Heft 29-30 (18.4.1898) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 29-30 (18.4.1898)
Date
1898-04-18
Page
– (sequence 25)
Language
German
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»j^«^^»M.M,«.^WWMWWWWPW XXXVm.Jahrgang Dritte Seil, m M 29 & 30 des „Israeli?. Leitender Artikel. Frau Johanna Mschitz üe Heves geb. Fischer 1827-1898. Im Heiligthume der werkthätigen Menschenliebe herrscht Trauer, denn die geweihte Priesterin, welche, wie es in dem vorwöchentlichen Abschnitte des Gottesbuches heißt — „ein beständiges Feuer auf dem Altar unterhalten und es nie verlöschen ließ", ist leider ihres Amtes enthoben worden und hat nun die langersehnte Ruhe gefunden. Frau v. Bischitz, welche nach dem unerforschlichen Willen Gottes eine gar lange Leidenszeit durchzumachen hatte, wünschte selbst ihre Erlösung herbei und am Morgen ihres Todestages — es war die? am 28. März 1^98 — als bereits die Fittige de- Todesengels sie berührten, winkte sie ihren Arzt zu sich, ergriff verklärt lächelnd deffen Hand nnd hauchte mit den Worten: „Bitte, laffen Sie mich endlich reisen!" ihre edle Seele aus! . . . Nun sie ihre Reise nach den himmlischen Gefilden angetreten, blicken wir schmerzerfüllt der theuren Todten nach und klagen trauernd ob des gewaltigen Verlustes, den die Haupt- und Residenzstadt Budapest und mit ihr ganz Ungarn, den die Pester israel. Religionsgemeinde und mit ihr das ungarische Israel, sowie die Humanitätsvereine des ganzen Landes ohne Unterschied des Bekenntniffes durch das tieferschtttternde Ableben der unvergeßlichen Frau David Bischitz de Heves, erlitten. Die imposanten, wahrhaft staunenswerthen Großthaten der allgemeinen Nächstenliebe, welche Frau v. Bischitz ein Menschenalter hindurch mit Liebe und Lust, in nie ermüdendem und nie erkaltendem Eifer vollbrachte, gehören der Geschichte des Humanismus an, auf deffen vielen und vollen Blattseiten kein Name glänzender erstrahlt, als jener der Frau Johanna v. Bischitz! Ein weiser Rabbi wurde einst befragt, ob er wohl im Stande wäre, zu sagen, welcher Staubgeborene der Ewigkeit angehört? Und der Rabbi gab zur Antwort, daß er das ganz genau anzugeben vermag. Man betrachte nicht — so meinte der kluge und verständige Mann, ob die Ohren des Verstorbenen nach rechts oder ob sie nach links gerichtet waren, sondern man verfolge den Weg, den er im Leben eingeschlagen und man wird sodann mit vollkommener Sicherheit sagen können, ob er der Ewigkeit angehört »der nicht. — Die Verblichene hat während ihres langen, schönen Erdenwallens ihre Hand den Armen geöffnet, ihren Arm dem Dürftigen gereicht, ihren Mund mit Weisheit stets geöffnet und hatte sie doch nur milde Lehren auf ihrer Zunge. Wohl sind viel der edlen Frauen, die sich wacker beweisen, aber sie überragte sie alle! Darum lebet sie ob der Frucht ihrer Hände, so wie sie öffentlich rübmen ihre Werke. Frau v. Bischitz war vor Allem ein Weib in der idealsten Bedeutung des Wortes und in erster Reihe war sie Mutter! Und die Zahl ihrer Kinder war eine ungewöhnlich große. Sie nahm sich mit mütterlicher Liebe der armen, verlassenen Waisenkinder an, denen sie eine hingebende, aufopferungsvolle Mutter gewesen und die nun zum zweiten Male verwaist wurden. Sie war eine Gründerin des Pester isr. Frauenoereines, dem sie nahezu vier Dezennien als mustergiltige Präsidentin Vorstand. Sie hat diesen eminent humanitären Verein, welcher unter den größten und geachtetsten Wohlthätigkeits-Vereinen des Landes rangirt, zur vollsten Blüthe gebracht und dieser große Verein hat als kräftiger Stamm bereits zwei überaus starke, lebenskräftige Zweige angesetzt. Es sind dies das über alles Lob erhabene Mädchenwaisenhaus und das den illustren Namen des unvergeßlichen Philantropen Baron Moritz Hirsch deGereuth tragende Asyl für Halbwaisen. Rechnen wir noch hinzu die das ganze Jahr hindurch offenstehende und segensreich wirkende israelitische Volksküche, in welcher täglich 800 bis 1000 Personen, die der ärmsten Volksklaffe angehören, mit schmackhafter, ritueller Kost versehen werden, so erhalten wir ein grandioses Bild von dem bewunderungswürdigen Wirken dieser jüdischen Frau. Aber das ist noch nicht Alles. Sie war eine starke Säule der Wohlthätigkeitsaktion unserer Großgemeinde. Sie war die Seele des Baron Hirsch' Wohlthätigkeits-Bureau, deffen Präsidentin sie gewesen. Sie war Mitglied des Centralausschuffes des „Rothen Kreuz-Vereins", des patriotischsten Vereins Ungarn», deffen Protektorin unsere heißgeliebte Königin ist. Sie war Ehrenpräsidentin des Armenkinderverein-, Präsidentin des Volksküchenvereins im hauptstädtischen V. Bezirke, Vicepräsidentin des Maria-Dorothea- Vereines. Sie war endlich Ehrenpräsidentin, Ehren- und Ausschußmitglied vieler, wohl über hundert Humanitätsvereine der Haupt- und Residenzstadt, sowie vieler Städte Ungarns. Darunter gibt es viele christliche Vereine und Vereinigungen, in deren Verwaltung Frau v. Bischitz Sitz und Stimme hatte. Sie, das Judenweib, dominirte auch da, wo sie nicht unter ihren Glaubensgenossen sich befand, durch ihren

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