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Der Israelit · 1898-04-18 · Heft 29-30 (18.4.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 29-30 (18.4.1898)
Date
1898-04-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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557 reichen anonymen Beiträge, die jährlich in die sozialistische Parteikasse fließen, von jüdischen Financiers herstammen— Worüber soll man sich da mehr wundern, über die Bornirtheit und politische Naivität, die die „Landeszeitung" bei ihren Lesern voraussetzt oder über die Schamlosigkeit, mit der sie solch haarsträubenden Unsinn in die Welt schleudert? Man wird sich allerdings zu wundern aufhören, wenn inan bedenkt, daß, wie nur allzubekannt, die „Laudeszeitung" nicht gar wählerisch in ihren politischen Kampfesmitteln ist. Und gar hier, wo sich so schöne Gelegenheit bot, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, zugleich der Sozialdemokratie und dem Judenthum eins zu versetzen, glaubt das edle „liberale" Blatt, vor keinem so blödsinnigen Mittel zurückschrecken zu dürfen. Auch dieser Fall ist „außerordentlich bezeichnend" für die Kampfesweise unserer Gegner. R. Darmstadt. Herr Cantor O p p e n h e i IN e r dahier feierte am 24. März sein 40jähriges Dienstjubiläum als Cantor und Religionslehrer der isr. Gemeinde und wurden dem allseitig beliebten und gewiffenhaften Jubilar aus diesem Anlaß zahlreiche Ehrungen zu Theil. Der Großherzog verlieh demselben die silberne Medaille des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen. Im Namen des Vorstandes der Gemeinde gratulirten die Herren Ludwig Trier und Rabbiner Dr. Selo er. Die früheren Schüler überreichten eine kunstvoll ausgeführte Adresse mit werthvollem Inhalte. Herr Lehrer Elias überreichte namens des isr. Lehrervereins Hessens einen kostbaren silbernen Pokal mit Widmung; das Gleiche thaten die jetzigen Schüler. Der Mozartverein übersandte eine große Anzahl Flaschen Jubiläumsweines und der Musikverein gratulirte in einem äußerst anerkennenden Schreiben. Von allen Seiten trafen Gratulationsschreiben und Depeschen, sowie Geschenke aller Art ein. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange in körperlicher und geistiger Frische seines Amtes zu walten. A. Breslau, 11. April. (Industrieschule für israelitische Mädchen.) Wenn eine Anstalt, wie die Industrieschule, die in Folge ihrer in eigenthümlichenVerhältniffen begründeten Organisation und der unzureichenden Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, trotzdem auch den gesteigerten Ansprüchen genügt, die in neuerer Zeit an die Leistungen der Volksschule gestellt werden, so wird man darin ein ehrenvolles Zeugniß erkennen dürfen für die Gewisienhaftigkeit und die Pflichttreue, mit der die an ihr wirkenden Lehrkräfte ihre Aufgabe zu erfüllen bestrebt sind. Mit dem 1. April d. I. scheidet aus dem Lehrerkollegium Fräulein Krakauer nach 21jähriger ausgezeichneter Thätigkeit. An Stelle des am 15. Juni v. I. nach 36jähriger Lehrthätigkeit ausgeschiedenen Lehrers Simon Gradenwitz ist Fräulein Ella Baron von hier in das Lehrerkollegium eingetreten; in die durch das Ausscheiden des Fräulein Krakauer erledigte Stelle ist Fräulein L. Mugdan von hier gewählt worden. Am 1. April wurde das neue Schuljahr mit 158 Schülerinnen eröffnet. Hiervon kamen auf die 1. Klasse 32 Schülerinnen, die 2. Klasse 51, die 3. Klasse 46, die 4. Klasse 29. Im Wintersemester erhöhte sich die Frequenz auf 163 Schülerinnen. Proben weiblicher Handarbeiten, welche von den Schülerinnen aller vier Klassen unter Leitung der Lehrerin, Fräulein Amalie Peiser, angefertigt worden sind, wurden am Dienstag den 39. März d. I., von Mittags 12 bis Nachmittags 5 Uhr im kleinen Saale des Cafe Restaurant, Carlsstraße 37, ausgestellt, um den Mitgliedern des Vereins der Industrieschule für israelitische Mädchen und den Freunden dieser Schule die Gelegenheit zur Beurtheilung der Leistungen in^diesen Fächern zu gewähren. Hamburg, im April. Im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 29. v. M. Herr Dr. Alfred Feilchenfeld einen Vortrag über das Thema: „Aus den Memoiren einer Hamburger Jüdin im Zeitalter des großen Kurfürsten." Er besprach die von Professor D. Kaufmann 1896 herausgegebenen Memoiren der Glücke! Hameln, die in jüdischdeutscher Sprache und Schrift abgefaßt in einer Handschrift der Merzbacher'schen Bibliothek in München und in einer andern, jetzt in Frankfurt a. M. befindlichen Handschrift erhalten sind. (Aus der letzteren hat bereits Tendlau in den Jahrgängen 1861 und 65 des „Israelit" einiges Interessante mitgetheilt.) Der Redner gab eine ausführliche Charakteristik der Verfasserin dieser Denkwürdigkeiten und hob hervor, daß Glücke! Hameln ihre anspruchlosen Blätter nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt, sondern nur zu Nutz und Frommen ihrer Kinder ihre Erlebnisse zusammengestellt habe. Sie bietet aber in ihrem Buche eine reiche Fülle thatsächlichen Materials und gewährt namentlich einen interessanten Einblick in das soziale Leben der Juden, von dem wir sonst so spärliche Kunde haben. Insbesondere erhalten wir über manche sonst unbekannte Vorgänge in ihrer Vaterstadt Hamburg, in der die Verfasserin mehr als 50 Jahre ihres Lebens zugebracht hat, werthvolle Aufschlüsse. Außer Hamburg und der Heimath ihres ersten Gatten, der sie ihren Familiennamen Hameln verdankt, erwähnt Glücket noch viele andere jüdischen Gemeinden in und außerhalb des damaligen Deutschland (besonders Metz, Cleve, Amsterdam, Kopenhagen, Posen, Hannover, Frankfurt a. M. re.), zu denen sie infolge ihrer weitverzweigten Verwandtschaft Beziehungen

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