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Der Israelit · 1898-04-18 · Heft 29-30 (18.4.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 29-30 (18.4.1898)
Date
1898-04-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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allen Einwohnern der Stadt, ohne Rücksicht auf ihre Konfession, zur Verfügung stehen. Z. Krakau, 15. April. Im Städtchen KlaSno fanden am 3. d. Judenexzesse statt. 300 Menschen bewarfen die Häuser der Juden mit Steinen, zertrümmerten zahllose Fensterscheiben und mißhandelten mehrere Personen. Es war blos ein Gensdarm anwesend, der natürlich vor der Menge weichen mußte, welche die Verhaftung der Schuldigen vereitelte. Frankreich. L. Pari-. Die Verhaftung des antisemitischen Hetzers von Algier Max R 6 g i - ist trotz der dringenden Vorstellungen des Abg. Samary und de« Präsidenten de« Generalraths Gros von dem Justizminifter, an den der Staatsanwalt von Algier sich telegraphisch gewandt hatte, aufrecht erhallen worden. Der Generalgouverneur von Algerien, Herr Lvpine, seinerseits läßt sich seinerseits durch keinerlei Drohungen der Freunde Rögis' einschüchtern und geht mit aller Energie gegen die Ruhestörer vor. Jeder Versuch, Straßenunruhen hervorzurufen, wiro von der Gendarmerie und den Truppen sofort unterdrückt und die Manifestanten kommen nach und nach zur Einsicht, daß die schönen Zeiten der Plünderungen jüdischer Läden vorüber sind. In Ermangelung des Führers Max Mgi» wurde dessen Bruder Lauis Mgiaus Constantine nach Algier berufen und eine nach viertausend Köpfen zählende Menge war zu dem Bahnhofe gezogen, um den Gast würdig zu empfangen. Alle auf den Bahnhof mündenden Straßen waren durch Soldaten abgesperrt, und als der Zug eintraf, erfuhr die Menge, daß Louis Mgts schon auf dem Bahnhofe von Agha ausgestiegen war. Nun wollten die Manifestanten dahin ziehen, allein sie konnten Louis MgiS nicht antreffen und wurden dann von der Gendarmerie zerstreut. Em kleiner Haufe lief vor das Gefängniß, um Hochrufe auf Max Mgis auszustvßen, wobei einige Schreier verhaftet wurden. Der ropalistische Abg. de Beauregard hat seine Absicht bekundet, die Regierung «egen der Verhaftung Max Mgi»' zur Rede zu stellen, weil er darin ein Manöver de» Ministerium« erblickt sich der lästigen Kandidatur Drumont'S in Algier zu entledigen. Herr de Beauregard hat in sich den Beruf des Hüters der individuellen Freiheit entdeckt. Im Einvernehmen mit der Regierung wurde die Interpellation in der heutigen Kammerfitzung auf den 2. April vertagt. Paris, 15. April. Wie au« Algier gemeldet wird, sprach die Strafkammer Max RögiS von der Anklage einer öffentlichen Gewaltthat frei, weil der Thatbestand nicht genügend beweisbar sei. Im Gerichtssaal bereiteten die Antisemiten, an deren Spitze Drumont stand, Mgis eine lebhafte Ovation. > Personalien. -fr Mainz, 15. April. Ein großer Leichenzug bewegte sich am Dienstag, 12. d. M., nach dem jüdischen Friedhof, um der am zweiten Tage Chol hamaued verschiedenen Frau Henriette Koch, geb. Vogel, das letzte Geleite zu geben. Dieselbe, die Gattin deS ihr bereits vor einigen Jahren vorangegangenen Herrn Jacob Koch in Homburg v. d. H, war erst vor wenigen Monaten hierher nach Mainz übergesiedelt, um den Abend ihres Lebens mit ihren Geschwistern, Neffen und Nichten, sowie sonstigen zahlreichen Familiengliedern zu verleben. Kindersegen war ihr leider versagt. Ganz unerwartet ereilte sie der Tod in gerade vollendetem 61. Lebensjahre. Außer Hunderten hiesiger Gemeindemitglieder waren zahlreiche Leidtragende aus Frankfurt a. M., aus Mannheim, aus Kreuznach herbeigeeilt, sich an der m? der edlen Frau zu bitheiligen. Auch aus ihrem früheren Wohnort waren Herr Rabbiner Dr. Hotteksowie vom Gemcindevorstande Herr Braunschweig erschiene,', dem langjährigen Gliede ihrer Kchillo den letzten Tribut der Verehrung zu zollen. Der Rabbiner, Herr Dr. Bondi ’"J mußte es sich leider des ü"’ halber versagen, ein 1SO7I zu halten. Die Wohlthaten, welche die Entschlummerte Verwandten und Fremden, Reichen und Armen stets mit liebevollem Herzen, mit stets offenen Händen erwiesen hat, werden indeß in späten Zeiten noch unvergessen bleiben! n"2!Jjn. Oevenvurg. nDD D"nn. Herr Oberrabbiner Elieser Alt y"j in Kobersdorf ist in der ersten ->1O-Nacht, nachdem er noch mn und DSD gegessen, plötzlich im 76. Lebensjahre gestorben. Einen großen Verlust hat das ganze Juden« ° thum erlitten; er war weltberühmt, seine ,TP bezeugte dieses. Ich werde Ihnen Ausführliches in einem weiteren Bericht mittheilen. Abraham Kornfein. Millw«ukee, 19. März. In ihrer Wohnung Nr. 566 Millwaukeestraße, ist gestern Abend gegen 8 Uhr, Frau Rosa Mock, eine hochgeachtete, alte Ansiedlerin dieser Stadt, im Alter von 67 Jahren gestorben. Die Entschlafene war in Altbreisach t Baden) geboren, eine Tochter deS Waiscnrichters Abraham Wurmser, und kam mit ihrem Gatten, dem bekannten Leihstallbesitzer, Herrn Benjamin Mock, bereits im Jahre 1855 nach Amerika, bezw. nach Miüwaukee. Sie gehörte dem Wittwen- und Waisenverein, sowie mehreren andern wohlthätigen Vereinen an, und zeichnete sich durch ihr stilles häusliche- Wesen aus. Die Verstorbene wird von ihrem tiefgebeugten Gatten und sechs erwachsenen Kindern betrauert. Sie hinterläßt außerdem noch zwei jüngere Brüder, von denen einer Leopold Wurmser in Wien, der andere Jakob Wurmser in Mannheim wohnt. > Vermischtes. •fr R Worm» Herr Hauptmann d.L.a.D, Joseph Gernsheim dahier steht seit 25 Jahren an der Spitze des hiesigen Kriegervereins. Aus diesem Anlasse wurden ihm dieser Tage von dem Hassia-Präsidenten eine gestiftete Ehrentafel überreicht. — Da- Großh. Ministerium des Innern hat in den jüngsten Wochen verfügt, das die Rabbinate in Hessen den Titel „Großherzogliches Rabbinat" zu führen berechtigt sind. Mülhausen (Elsaß). Wegen zu geringer Betheiligung sah sich Herr Dr. Wolf, Scminardircktor in Colmar, veranlaßt, die seither jeden Mittwoch Abend in der Gewerbeschule dahier ertheilten Stunden im Uebersetzen und Erlernen von Q’?nn und tfQin aufzugeben. Die hiesige jüdische Bevölkerung ist leider, mit wenigen Ausnahmen, für religiöse Dinge nicht zu haben.

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