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Der Israelit · 1898-04-18 · Heft 29-30 (18.4.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 29-30 (18.4.1898)
Date
1898-04-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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541 Herr B irkenstein wünscht, daß den außerordentlichen Mitgliedern auch etwa« geboten werde. Herr Löb erwiedert, wir seien kein Universalverein, der alle Schäden innerhalb de« Judenthums zu heilen beabsichtige, wir müßten uns auf das Nöthigste beschränken und das fiele un« schon schwer genug. Herr Schneidermeister W e i ß h a u p t beschwert sich darüber, daß man lieber zum nichtjüdischen Handwerker gehe, statt zum jüdischen. Herr Hamburger drückt den Gründern de« Vereins seine volle Sympathie aus und fordert die Anwesenden auf, denselben kräftig zu unterstützen. Herr Marcu« Hirsch, ein Enkel von Rabbiner Hirsch b'D, fordert vie Anwesenden auf, dem provisorischen Au«schuß, der aus lauter tüchtigen, thalkräftigen, für da« Juventhum begeisterten Männern bestehe, ihren Dank durch Erheben von den Sitzen Au»druck zu verleihen, wa« geschieht. Herr LouisFeist erwiedert, daß das Comitö erst dann einen Dank erheischen könne, wenn die Segnungen des Vereins der gesummten deutschen, strenggläubigen Judenheit zu Gute kommen. Da» sei aber dann auch die schönste Belohnung, die man sich wünschen könne. Mit der Aufforderung an die Anwesenden mit dem Comitö gemeinsam an der Erreichung des hohen Ziel« zu wirken und zu streben, schloß diese denkwürdige Versammlung, die unter göttlichem Beistände ein Markstein bilden wird in der Geschichte der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands. Die erste ordentliche Hauptversammlung wird Sonntag, 1. Mai, Abend» 7 Uhr, im Hotel Neuhof stattfinden. nnd Eorrefpondenzen Deutschland. Mainz, 17. April. Heute erhalten wir von Karlsruhe die Nachricht, daß von der dortigen Gemeindeverwaltung vorgesehen ist, am nächsten Mittwoch, den 20. d. M., die meaty die Gebeine der ersten Karlsruher Rabbiner n zu exhumiren und auf dem mittleren Karlsruher Gemeindefriedhof auf's Neue zu begraben. Die heiligen Gräber des Rabbi Nathan Uri Kahn b'piLi aus Metz (gest. 5510), des Rabbi Nathanael Weil b'piD, des weltberühmten Verfasser« des p">p auf den zu D'iwi -wo -no (gest. am ersten Neumondstage des Jjar 5529), des Rabbi Tiah Weil V-piitt (gest. am 17. Tischri 5566) sollen also geöffnet werden. Wem kommen nicht die Thränen des Kummers und der Verzweiflung, wenn er dieses lesen wird? W«S man solange fürchtete, es ist in greifbare Nähe gerückt. Die Karlsruher Gemeinde hat es nicht erreichen können, ihren altehrwürdigen Friedhof, welcher so kostbare, hochheilige Schätze birgt, zu bewahren. Der Gedanke, daß diese Gräber aufgelaffen werden sollen, hat so viel Erschütterndes, daß wir uns immer noch nicht entschließen können, die Hoffnung ganz fahren zu laffen. Vielleicht tritt td2 im letzten Augenblicke noch Rettung ein. Am kommenden Mittwoch, zwei Tage vor der Jahrzeit des Korban Nathanael, müssen, wie es scheint, die Karlsruher Gemeindemitglieder an das tieftraurigeWerk gehen, diese großen Männer, zum zweiten Male zu bestatten, auf deren Weilen und Wirken in Karlsruhe sie mit Recht stets stolz sein können. Um 5 Uhr Nachmittag« soll da« traurige Werk beginnen. Wir glauben, daß es nur dieser Mitrheilung bedarf, um Thorakenner zu veranlassen, um diese Stunde de» Ascheri mit dem Commentar Korbav Nathanael zu lernen. Viele werden e« auch zu ermöglichen suchen, um diese Zeit in Karlsruhe zu sein, um der Wiederbestattung beizuwohnen. „Der alte Friedhof aber, auf dem u. A. Rabbi Nathanael und Tiah Weil ihre Ruhestätte gefunden, blieb in seiner altehrwürdigen Gestalt bis zum heutigen Tage erhalten und wird hoffentlich noch künftigen Jahrhunderten Kunde geben von dem edlen Fürstensinne und von der hochherzigen Pietät eines Großherzogs Karl Friedrich und seiner allerhöchsten Nachfolger aus dem Zähringer Geschlecht". Diese Worte finden sich S. 18 der vorzüglichen Biographie des Rabbi Nathanael Weil ^'pun, von Herrn Rabbiner Löwenstein ''j. Vor wenigen Monaten erschien diese vortreffliche Schrift. Sollten jetzt schon diese herrlichen Worte Lügen gestraft werden? Wir können es nicht glauben. Karlsruher Glaubensgenossen, suchet in letzter Stunde noch dar Ohr eures gnädigen Fürsten, euerer gütigen Behörde zu gewinnen! K. Berlin, 15. April. Wegen Gotteslästerung, bezw. Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft (§ 166 Strafgesetzbuch), ist auf eine Anzeige des Zentral- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hin gegen den Verleger des hier erscheinenden „Antisemitischen General-Anzeiger", Karl S e d l a tz e k, und den verantwortlichen Redakteur dieses Blattes, den früheren antisemitischen Verlagsbuchhändler G. A. De Wald, seiten« der Staatsanwaltschaft am Landgericht I die Voruntersuchung eingeleitet worden. In dem Blatte der Angeschuldigten fand sich letzthin folgende „Warnung" an die Christen Berlins: Aufgepaßt! Das Osterfest naht! Die Juden brauche« Christenblut! Durch diese Notiz fühlten sich mehrere Mitglieder des Zentralvereins in ihren religiösen Gefühlen verletzt und beantragten deßhalb bet der Staatsanwaltschaft die strafrechtliche Verfolgung der Herausgeber des „Antisemitischen General-Anzeiger". Frankfurt a. M. Die Emladungsschrift zu der Samstag den 2. und Sonntag den 3. April 18V8 stattgefundenen öffentlichen Prüfung der israelitischen Religionsschule zu Frankfurt a. M., welcher die an

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