Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 72 (12.9.1898)
- Date
- 1898-09-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448925--46736-2496116- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1346 Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen Deutschland. LR. Berlin, 7. Sept. Unter zahlreicher Beiheiligung hervorragender Kreise sand heute die Beerdigung des Herrn Dr. Samuel Apolant auf dem jüdischen Friedhöfe in Weißensee statt. Die an Form und Inhalt gleich vollendete Gedächtnißrede hielt Herr Rabbiner Dr. Weiße. Dieselbe machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Nach ihm ergriff Herr Dr. Adler, der Direetor der Mädchenschule, an welcher Dr. Apolant 40 Jahre thätig gewesen, das Wort. Im Namen der 2ten Religionsschule widmete dann Herr Auerbach dem Verstorbenen einige Worte des Dankes. Mit Dr. Apolant geht ein Stück Berliner Geschichte zu Grunde. Er ruhe in Frieden. Breslau, 6. Sept. Wir werden um Ausnahme der folgenden Erklärung ersucht: „Soeben erhalte ich die neueste Nummer des „Jüdischen Volksblattes" zugesandt, welche sich in einem längeren Artikel mit meiner Person beschäftigt. Ich ersuche Sie höflich^, der Thalsache gemäß zu erklären, daß ich dem „Rr." Unterzeichneten, aus Breslau datirten Artikel in Jdrer gesch. Zeitung, welcher sich mit dem Redakteur des „Jüd. Volksbl." befaßt, vollständig fern steh e." Mit vorzüglicher Hochachtung I S m a r Freund. Mit dieser Erklärung sällt die neue Barrikade, die der „hochverehrte und hochgeschätzte" Herr Dr., (so nennt er sich selbst in seiner neuesten Nummer), gegen den „Israelit" mühsam aus Schimpfereien aufgebaut hat, wieder mal krachend in sich selbst zusammen. Eine Reihe weiterer Zuschriften aus Breslau, die alle uns ihre Entrüstung über das ungualifizir bare Benehmen des Herrn Dr. ausdrücken u. die mit einigen Scheinwerfern das Dunkel des Jüd. Volksblattes und seines Faiseurs grell beleuchten, haben wir einstweilen unserem geheimen Dossier einverleibt. Red. d. Jsr. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Krakau. Die hier erscheinende hebräische Zeitschrift „Hamagid" bringt unter der lleberschrift „Musterbild für Viele" eine Angelegenheit zur Sprache, welche die jetzt herrschenden Recht szustände in Oesterreich drastisch charakterisirt. „Daß es unter den Juden viele Männer giebt, welche durch Muth unb Stärke sich im Kriege rühmlich hervorgethan, beweist zur Genüge die Kriegsstatistik der letzten fünfzig Jahre, seit welchen auch Juden in den europäischen Heeren Aufnahme fanden. Daß der Jude aber auch Kampfesmuth besitzt, sein politisches Recht in einem Lande, in welchem die Gleichberechtigung nur ein todter Gesetzesparagraph ist, zu fordern nicht zurückschreckt, ist eine Seltenheit. Hingegen erleben wir täglich, daß viele unserer Brüder nicht den Muth haben im Nothfalle den Rechtsweg zu betreten und auf jeder gesetzlich möglichen Weise ihr Interesse zu wahren und resignirt die ihnen widerfahrene Unbill hinnehmen. Eine Ausnahme unter Tausenden bildet Götzl Kleinberger, als Tischler in Krakau seit denn Jahre 1862 seßhaft. Zu jener Zeit war das Handwerk in Oesterreich vollständig freigegeben und jeder, der ein Handwerk erlernt, konnte ungehindert eine Werkstätte errichten. Seit dem Jahre 188.‘J ist es aber anders geworden; denn neue Bestimmungen über Handwerkerwesen wurden zur Gesetzeskraft erhoben. Demnach mußte jedes Handwerk zu einer Innung sich vereinigen. Selbe müsse darüber wachen, daß nur solche Handwerker, die einen Befähigungsnachweis erbringen können nach bezahlter Mitgliedschaftsgebühr Aufnahme in der Innung finden. Und nur derjenige, der einer Innung angehört, kann öffentliche Arbeiten übernehmen und dgl. Mehreres. Nun dachten die Krakauer Tischler darüber nach, wie sie die jüd. Meister ausschließen könnten. Da griffen sie zu einem mittelalterlichen Kunststückchen. Sie erklärten ihre Vereinigung als eine eonfessionelle (kath.) somit war den Juden der Eintritt verwehrt unv gewannen sie hierdurch über die jüd. Meister die Oberhand. Alle jüdischen Tischler Krakaus legten die Hand vor den Mund und trugen geduldig ihr Loos. Nur der erwähnte Kleinberger ermannte sich und legte bei der städtischen Behörde Beschwerde ein. Letztere befahl dem Vorstand der Innung den Juden Aufnahme zu gewähren. Diesem Aufträge sowie dem des Ministeriums und der Statthalterei wurde wenig Gehör geschenkt und die Stadtbehörde unterließ es mit Gewalt darauf zu bestehen. Kleinberger wandte sich rnehrmals an den Statthalter und das Ministerium, und dies war alles mit großen Unkosten verbunden — resultatlos. Zuletzt überreichte er durch Vermittlung des R.-Abg. Dr. Kronawetter ein Bittgesuch beim Handelsminister. Daraufhin befahl dieser der Statthalterei, daß selbe die Krakauer Stadtbehörde bewege, die Tlschlerrimung durch Gewaltmaßregel zur Aufnahme des Kleinberger zu zwingen. Als aber die Stadtbehörde den Widerstand der Innung wahrnahm, schlug sie dem Statthalter vor, eine besondere jüdische Innung zu gründen. Diesen Vorschlag wies aber das Ministeriuin zurück, da eine Innung gar keinen konfessionellen Charakter habe, somit kein Jude ausgeschlossen werden kann. Vinn gäbe es für die Innung kein Ausweg, aber der Magistrat will lieber einen Erlaß des Handelsministeriums außer Acht affen, als es mit den Katholiken zu verderben. Bewundern müssen wir nur erwähnten Kleinberger, wie