Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 72 (12.9.1898)
- Date
- 1898-09-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448925--46737-2496117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
OCR text
er auf sein gutes Recht besteht und nicht wankt, eS zu fordern; er ist ein Musterbild für Viele. Das Wiener Korr.-Bureau meldet: Graf Wladimir Jwanowitsch Kapnist hat um eine Konzession für den Bau und Betrieb einer Eisenbahn in Kleinasien mit einer staatlichen Garantie von sechs Proe. nach-- gesucht. Die Bahn soll von Tripolis am Mittelmeere nach El Kirweit am pers. Golf gehen mit einer Zweiglinie von Nedsches über Kerbela, Museja b. Bagdad nach Ehamikin an der persischen Grenze. Ferner ersucht der Konzessionswerber um das Vorzugsrecht für nachfolgende Linien.- 1. von Höms nach Aleppo; 2. von Mejadin über Ed Deir nach Norden; 3. von Alerandreth oder Swedich nach Aleppo oder Beredschick; 4. von Bagdad über Mosnl nach Diabek; 5. von Kut el Amara am Tigris bis nach Schal el Hai am Euphrat. Einige dieser Linien sind in einem Separatabdruck der Menorah von Dr. Bodenheimer zur Colonisation Palästinas vorgeschlagen, wie ja dieser Vorschlag noch heute in seinen Grundzügen als Grundlage für die zu errichtende Colonialbank gilt. Uersonakien. Rödelheim, Anfangs August. Von dem schweren Verluste des Heimgangs einer wackeren, jüdischen Frau, welche nicht nur innerhalb unserer Gemeinde, sondern auch weit über deren Grenzen hinaus zur innigsten Theilnahine aufruft, habe ich zu berichten. Am 21. Juli (2N '2) verstarb dahier nach kurzer aber schwerer Krankheit im Alter von nur 27 Jahren nach ^/zjährigrr, glücklicher Ehe, Frau 7 Hekla Hammel, geb. Kaß, die sich im Leben treu bewährt hat altz b'N nt£/N. „Sic waltete mit Fleiß im Hause lind frühe schafften ihre Hände. Ihren Mund öffnete sie »nt Neberlegung und Liebe sprach von ihren Lippen." Mit tiefer Innigkeit hatte sie den Frauenberuf erfaßt wie er in Wahrheit sein soll, als ein Aufgeben und Vergessen der eigenen Persönlichkeit, um ganz nrit und für den Gatten zu sein und zu leben und daher so die Hochachtung nnv Verehrung aller derjenigen nrit hinüber nahm in die Ewigkeit, die edle Sinnesart und Grundsatzfestigkeit, selbstlose Hingebrrng und ernste Pflichterfüllung inr Dienste derselben zu ehren wissen. In erhebender Weise bekundete sich auch, welch' hohe Achtung und tiefe Anhänglichkeit die Verstorbene bei den übrigen Mitbürgern sich errungen hatte. 2118 die Schreckcuslnndc sich verbreitete, daß die ernste schwere Scheidcstunde für sie herannahc, da war cs mir ein Gefühl der herzlichsten, innigsten Thcilnahmc von der alle, alle sich bedroht fühlten. In schweigsamer Nacht rvcinten und beteten jüdische und christliche Frauen für die Schwerkranke. Und nach altem jüdischen Brauche versammelten sich die Gemeindemitglirder im Gotteshause, unr in Bitt- und Dankgebeten den alle Beiten Ueberdauernden, Emiglcbenden, um Rath und Hilfe anzurufen, still im Herzen noch die Hoffnung hegend, daß Er in Seiner großnr Gnade die fromme Miischwestcr am Leben erhalten möchte. Aber in Seiner unerforschlichcn Weisheit hatte Er es anders beschlossen: Und als der Tag sich neigte, da ging ein edler Menschengcrst, eine fromme Fraucnscelc aus der Nacht des Erdenlebens in die Heimath des ewigen Lichtes. — Am ]nn 'p n:w yiy wurde ihre irdische Hülle zur letzten Ruhestätte geleitet. Obwohl es nur zwei Stunden vor Sabbat-Eingang, waren trotz der Kürze der Zeit, dennoch zahlreiche Theilnehmer eingetroffen, um der Verstorbenen die letzte Ebrenhuldigung zu erweisen. Aus dem Friedhofe gab Herr Eantor Zinkes, vom Schmerze der Trauer selbst tief ergriffen, den Trauergefühlen würdigen Ausdruck, indem er zunächst hervorhob, daß es zwar am Sabbat-Rüsttage nicht gestattet ist, eine Leichenrede zu halten, aber angesichts der schwer geprüften Familie, sage er mit den Propheten: „ich vernehme eine Stimme in meinem Innern", welche mir zuruft: „Sprich!" Tröste und beruhige die niedergcbeugten Gemülher, beschwichtige die vom tiefsten Schmerze erregten Herzen. Der Redner schilderte alsdann die Verewigte als das Ideal einer jüdischen Frau, ihre Tugenden, Wohlthätigkeit und Frömmigkeit und darum wird sie als Vorbild in treuem Gedenken Aller fortleben. Am Tage zur Sabbatruhe ist sie eingegangen zum ewigen Lichte, zum ewigen Frieden, rnttf 1712V Dl’ wie sie im Leben mit dem Lichte ihrer Sabbatkerzen den Seelenfrieden und die Herzensfreudigkeit ihrer Häuslichkeit entzündet, s o wird i h r auch im Jenseits leuchten, daS ewige, himmlische Sabbatlicht der göttlichen Wohnung. — Hch. Hl. WalSrode. Ter jüngst verstorbene Herr Josef Moses hier, hat es verdient, auch an dieser Stelle ehrend erwähnt zu werden. Ein Leichenbegängniß, wie man es selten in unserem Städtchen sieht, konnte man am Montag Nachmittag bemerken. Aus der großen Zahl der Betheiligten aller (Konfessionen (hier herrscht großer Antisemitismus), konnte mau wieder einmal so recht sehen, daß der rechtliche, redliche und ehrliche Mann sich die Achtung aller Menschen (auch der Antisemiten), erwerben kann. Und eine solche Stellung nahm Herr Moses ein, nicht nur im Handel und Wandel, sondern auch in seiner Eigenschaft alS Glied der ganzen menfchl. Gesellschaft. Alle Bestrebungen der Gesammtheit hat er mit seiner vollen Kraft gerne unterstützt. In den vielen Vereiueu, denen er angehörte, war er ein stets gerne gesehenes Mitglied, besonders werden ihn verschiedene Wohlthätigkeitsvereine vermissen. Betrauern werden ihn viele, denen er oft Beistand geleistet hat. In unserer Gemeinde selbst war er viele Jahre als Vorsteher thätcg und während dieser .Ieit hat er durch seine Energie, festen Willen und klare Umsicht eine segensreiche Thätigkeil entivickelt- Er war vor allem bestrebt, den religiöfeu Sinn der Gemeinde durch verschiedene Anordnungen und Veranstaltungen und vor allem durch sein edles Beispiel zu fördern und zu pflegen. vermischtes. Berlin. (I s r a e l i t i s ch e r T a n b st n m m e n v e rc t it >. Seit 2 Jahren besteht hier ein Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland. Die?stele, welche sich derselbe gesetzt hat, gipfeln in der moralischen und siktlichen Hebung der israelitischen Taubstummen. Ter Verein, welcher sich in der kurzen Zeit seines Bestehens die Sympathien weiter Kreise erworben hat, beabsichtigt ein Heim für altersschwache und erwerbsunfähige Taubstummen zu gründen. Auch Hörende können dem Vereine mit einem beliebig zu bestimmenden Beitpage als Mitglieder beitreten. Wohlthätige Freunde und Muster', wölche anläßlich der bevorstehenden hohen Festtage füL die Ziele des Vereins eine spende machen wollen, werden ersucht, dieselbe an unseren Schatzmeister Herrn Louis B ehrend, Berlin, Passauerstr- 37a gelangen zu lassen. Auskünfte über den Verein ertheilt der Vorsitzende Herr Willy O p p e nheimer, Berlin, Gontardftr- 5.