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Der Israelit · 1898-09-12 · Heft 72 (12.9.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 72 (12.9.1898)
Date
1898-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1342 mit einem Hammer geschlagen, das ganze Gebäude erschüttert, so daß es in seinen Frundvesten erbebt. Deßhalb müssen wir jede Berührung dieses Grundsteines verhindern. Und so wie ich, sollen wir Jedermann's persönliche Freiheit, sowie diejenige seines Gedanken» achten, so wird nichts das Band lösen, das uns vereint. Der Einzelne möge nach seiner Weise beten; aber der Zionismus darf nichts unternehmen, wodurch auch nur die geringste Bestimmung des orthodoren Judenthums übertreten würde Deshalb bringe ich folgende Resolution in Vorschlag: „Der Zionismus bezweckt nicht allein die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes; er gründet sich deshalb auf moderner Kultur und beharrt in der Vervollkommnung." (Lauter Beifall.) Aus Ihrer Zustimmung erkenne ich, daß ich nichts mehr hinzuzusügen brauche; es bedarf keiner ferneren Beleuchtung, wenn alles klar ist. (Wiederholter Applaus). Dem Ende der Rede, die überreich an Kraft und Beredsamkeit war, folgte eine Scene des freudigsten Enthusiasmus. Zahlreiche Delegirte beglückwünschten Herrn Dr. Gaster und reichten ihm die Hand. Einige umarmten ihn sogar und riefen dem „ehrwürdigen Herrn" zu, der zweifelsohne neues Leben den Vorgängen einflößte. Ein sofortiger Beschluß bestimmte den Separatabdruck der Rede. Andere Sprecher folgten. Dr. G.'s Resolution wurde angenommen. Vermischte-.. *4 Arafat!. In Kowalowy überfielen vier Niemergehilsen das Wirtbshaus eines Juden und raubten und vernichteten die Einrichtung und die Getränke. Die Thüter wurden verhaftet. Feuilleton. verkauft. — Eine Erzählung aus Ungarn. 8) Von Samuel B. Rosner. „Ra, aber ein bischen schämen dürfen Sie sich doch. Ein Mann und so verzagt." Rüben zuckte die Achseln und sprach mit einem schweren Seufzer: „Ich kann nichts dafür." „Run aber zur Sache," sprach der Arzt zu Dina gewandt, während sein Gesicht einen tiefen Ernst annahm. „Wann bekam das Kind den Anfall?" „Heute Nacht gegen zehn Uhr." „Und Sie rufen mich erst jetzt? Doch, das thut nichts. Haben Sie bei dem Kinde schon etwas angewendet?" „Wir machten ihm einige kalte Compressen, auch bekam es einigemal lauwarmen Lindenblüthenthee und ebensolche Milch zu trinken." „Vortrefflich — ich hätte auch nichts anderes thun können. Doch nun, Frau Friedberg, lassen Sie rascheftens eine Wärterin holen — die Hebamme L. versteht sich am Besten darauf — und dem Kinde, hier, sehen Sie," er war an das Bett getreten, hob das Kinn des noch immer schlafenden Kindes in die Höhe und bezeichnte genau zwei Punkte am Halse, „auf jeder Seite je einen Blutegel geben. So." Rüben war's, als ob er sein Todesurtheil vernommen hatte. Die Wärterin war bald zur Stelle, aber das Kind wehrte sich wild gegen das Ansetzen der Blutegel und das ganze Haus war erfüllt von seinem unheimlichen Geschrei. Als keine List fruchten wollte, trat der Arzt ungeduldig werdend selbst hinzu, setzte sich auf den Rand des Bettes und hielt das Kind mit kräftigem Griffe fest. „Ein radikales Vorgehen ist bei den Kindern das Beste," sprach er, während die Hebamme nun dem noch immer verzweifelt schreienden Kinde die Blutegel ansetzte. „Durch die langen Unterhandlungen verliert man viel Zeit und erreicht doch nichts." Er erhob sich und überließ seinen Platz der Wärterin, die nun das Kind festhielt. „Sehen Sie," sprach der Arzt, während er sich zum Weggehen anschickte, „ein Neuerer würde lieber die Nase in heißen Brei stecken, als einem Kinde in solchem Falle Blutegel geben. Ich lasse mich aber nicht irre machen und wenn der Himmel einstürzen sollte. Bei mir hat es sich fast immer noch bewährt." Er setzte sich nochmals und verschrieb eine Chlorkali-Lösung als Gurgelwaffer. „Dieses lassen Sie anfertigen, damit soll das Kind von Stunde zu Stunde gurgeln. Daneben geben Sie demselben recht oft lauwarmen Thee oder Milch zu trinken. Wenn die Blutegel abgefallen, lassen Sie das Blut noch eine Weile sickern, sodann kommen Eiskompressen, welche jede halbe Stunde erneuert werden. Diese müssen aber mit der größten Präzisität gemacht werden, die kleinste Fahrlässigkeit kann tödtlich sein. Allstündlich ein paar Eisstückchen schlucken. Das befolgen Sie genau und im Uebrigen hoffen wir das Beste." Sie standen schon draußen vor dem Hause, als Rüben die Hand des Arztes erfaßte.

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