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Der Israelit · 1898-09-12 · Heft 72 (12.9.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 72 (12.9.1898)
Date
1898-09-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1339 dieses Lebens und erhebt über die Niedrigkeiten der Gesinnung. Doch noch ist der Sieg über den Verführer kein vollständiger zu nennen. Denn jetzt kommt der Kampf ums Dasein, der Kampf ums tägliche Brod. Und da stürmen Wasserfluthen, wild brausende Wogen dem Manne entgegen. Da beginnt der wahre heiße Kampf zwischen dem göttlichen Gesetze und dem MaterialiSmus. Und leider gar viele vermögen nicht der Fluth zu widerstehen. Sie vergesien, daß nur Gott allein es ist, der uns zu helfen vermag, und setzen sich kühn hinweg über seine Gesetze. Sie entweihen den heiligen Sabbat und die Festtage und werden zu Sklaven ihrer eigenen Triebe, und versagt gar ihre irdische Kraft und trifft sie Unheil, dann gerathen sie in Verzweiflung und zerfallen mit sich und der Welt. — Der Mann Gottes aber, wenn die wilde Brandung selbst sein Lebensschiff zu zerschellen droht, der Sohn Abraham's, er wendet sich in seiner Noth zum Herrn und ruft apbn ure*n hilf mir, o Gott, denn es droht das Waffer meinem L<ben. Und er findet Halt und Zuversicht, treu hält er sich an Gottes Satzungen und verliert das Steuer nicht aus seinen Händen. Den sicheren Port erreicht er und wird gerettet. 721 rrv" wbvn ova „Es war am dritten Tage, da Hub Abraham feine Augen auf und sah den Ort von ferne." Die Zahl „drei" ist hier bedeutungsvoll. Am dritten Tage nach der Vorbereitung seines Volkes, im dritten Monate gab der Allmächtige ihm die heilige Thora. -pa*? rvnji ijep’ 'v'^L'n cro c’ö-o irrr „Er wird uns genesen lasten nach zweien Tagen, am dritten Tage wird er uns aufftehen heißen, und mir leben vor dir, 0 Gott," sagt der Prophet Hoschea. Nachdem wir in den zwei vergangenen Lebensabschnitten, der Jugend und dem Mannesalter, dem Versucher getrotzt haben, nachdem wir seinen Berückungen widerstanden, dürfen wir in der Zeit des Alters, wenn der Abend des Lebens herannaht, und ein neuer Morgen ewigen Heiles uns winkt, die Augen erheben und dann sehen wir p:mc cpcn ns denjenigen, der abw bi? wpa, „der Inhalt alles Daseins" genannt wird, die göttliche Gnade von ferne. — Im Midrasch heißt cs zu dieser Stelle „und Abraham schaute den Ort von fernAbraham sprach zu Jizchak: Siehst du, was ich sehe, da sprach dieser: Ich st he einen herrlichen Berg und eine Wolke lagert auf ihm. Da sprach jener zu den Knaben seiner Begleitung: Schauet ihr denn nichts? Wir sehen nur Wüsteneien und öde Felsen, gaben diese zur Antwort. Da sagte Abraham: Bleibt hier bei dem Esel, d. h. Ihr seid wie dieses Thier so blöde. Wie der Esel nicht sieht, so sehet auch ihr nicht. (Bleibet darum haften am Irdischen soll das heißen, denn ihr erkennet nicht den Ewigen, der sich in allem offenbart), ich aber und mein Sobn, wir wollen wandeln na -iy, (bis Gott uns der Verheißung würdigt.) Und schließlich verheißt Gott mit demselben Worte pra nvr na. „So soll dein Same sein." Der tiefe Inhalt dieser Mtdrasch-Slelle ist wohl klar. Wunder umgeben uns von allen Seiten; wunderbar hilft und rettet Gott uns Tag für Tag und vernichtet die Pläne unserer Feinde. Jene Gottlosen unseres Volkes aber haben kein Auge für das Hohe und Erhobene, verlieren all ihren Halt. Während der Fromme getrost in das Land der Verheißung blickt und auf eine beffere Zukunft hofft, schauen die Bösen nur Einöden und Wüsteneien. Mit Schaudern denken sie im Alter an ihr Ende. Das Leben, welches sie durchkostet, liegt hinter ihnen. Alles ist wüste, kein grünender Hoffnungsbaum guter Werke ist ihnen daraus erwachsen, und leer sind sie ausgegangen in allen ihren Hoffnungen. Ihre Nachkommen sahen sie sich abmühen um ein Truggebilde, um irdisches Glück, wie sie cs einstens gethan, und ein trübes, trostleeres Ende wird auch den Kindern einstens bevorstehen und ein Ziel ohne Freude. Die Gruft liegt vor ihnen. Dort, wähnen sie, vergehe ihr Körper in ein Nichts, öde und wüst schauen sie alles vor sich und hinter sich. Aber der Fromme, er sieht grüne Berge der Hoffnung und schöne Lande des Trostes. Steht er doch wandeln seine Kinder in Gottes Wegen, und weiß er doch, daß der Allgütige ihn lohnen wird in einem beffirn Jenseits. Er ist gewiß, daß der schöne Moraen für ihn Hereinbrechen wird, der auch seinen Nachkommen einst am Ende ihrer Tage leuchtet in goldigem Roth. Erkenntniß des Herrn ist sein Gewinn. So möge denn auch, wenn an dem kommenden Rosch-haschonoh-Feste jene große, ruhmwürdige Begebenheit der Akedah zur Verlesung gelangt, heilige Andacht in den Herzen aller unserer Glaubensgenossen geweckt werden und Verständniß für die Forderungen, welche die heilige Thora an uns richtet. Möge aber auch ganz Jisroel nach derselben handeln, und ein Jahr des Glückes und des Wohlergehens wird für uns herannahen!

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