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Der Israelit · 1898-04-05 · Heft 27-28 (5.4.1898) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 27-28 (5.4.1898)
Date
1898-04-05
Page
– (sequence 19)
Language
German
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525 M.GHWWWMMWMM Denn schon erhebt sich der vierte Stand, der die Ausgleichung der sozialen Gegensätze auf seine Fahne geschrieben, er regt gewaltig seine Schwingen und und bereitet sich zu großen Thaten vor, seine Heerschaaren bedrohen die Zinnen und Burgen der bevorzugten und privilegirten Klassen, und wenn schließlich auch dieser Riese sein Ziel verfehlen sollte und die ersehnte Freiheit am Ende nicht bringen würde, so ist doch mit Sicherheit zu erwarten, daß die soziale Bewegung das Gleichheitsprinzip auf eine breitere Grundlage stellen, das allgemeine Rechtsbewußtsein um ein Bedeutendes heben wird, wodurch die wahre Cultur, die Gemüths- und Herzenscultur sich erweitern und vergrößern wird, und mit der allgemeinen Besserung dsr Menschheitsverhältniffe, mit der Steigerung der allgemeinen Wohlfahrt, wird auch das Wohl und das Heil Israels sich erhöhen; ein Mizrajim, wie wir es im Mittelalter gesehen, werden wir nie Wiedersehen. Eine dritte Partei schlägt vor nerta [nay mpya: den Kampf mit unseren Feinden aufzunehmen. Man kann unser Jahrhundert mit Recht das Jahrhundert der Staatenbildungen nennen, denn gar viele Staaten entstanden in den letzten Dezennien, und Völker, die, wenn auch nicht ethnologisch, so doch politisch, längst als verloren galten, gewannen wieder Selbstständigkeit und errangen sich nach langem Kamps die nationale Freiheit. Während das vorige Jahrhundert von Idealen des Kosmopolitismus erfüllt war, erwachte in unserem Jahrhundert überall das Prinzip des Nationalismus in einer nie gekannten Stärke. Ja, man kann sagen, daß der Nationalismus in der heutigen konkreten Gestalt ein Produkt der Neuzeit ist. ein Volksstamm blieb bei der Auferstehung der Nationalitäten zurück und verzichtete, wie es schien, endgiltig auf eine Wiederaufrichtung: der jüdisch-israelitische Stamm. Wohlan! Wir wollen mit gleichen Waffen kämpfen, sprechen sie, Eurem nationalen Dünkel wollen wir die jüdische Nationalität entgegenstellen, Ihr seid stolz auf Eure Geschichte, Eure Ahnen, wir weisen auf unsere ruhmreiche Vergangenheit, auf die Großthateu unser Ahnen mit mehr Recht hin, als Ihr. Während Eure Väter gleich wilden Horden in den Wäldern hausten und mit den Raubthieren ihre Höhlen theilten, war unsere Nation schon ein hochentwickeltes Kulturvolk, das ein geordnetes Staatswesen hatte, dessen Verfaffung Ihr noch heute als eine göttliche bewundern muffet, hatten unsere Vorfahren ein Moralgesetz vor 3000 Jahren schon, welches heute die Grundlage aller menschlichen Gesittung bildet. Wir wollen also unsere jüdische Nationalität mit Stolz und Selbstbewußtsein hervorkehren. Aber auch Eurer Macht wollen wir die unsrige entgegenstellen. Verstehet Ihr es die Faust zu schwingen, den Degen zu führen, auch darin sind wir Euch keineswegs unter. In unseren Adern rollt das Heldenblut der Josuas, der, Gideons, Davids, der Mackabäer. Und was die Muskel und das Pulver nicht fertig bringt, das bringt^die heute allmächtige Waffe des Geldes fertig. Wir kaufen einen Staat. Und habet Ihr die Macht des Staates, so erringen wir die Macht Zions und stellen Euch einen mächtigen Judenstaat entgegen. So spricht heute die Partei der Zionisten. Diesen wieder entgegnet unser weisester Rathgcber Moses aaS n: „Gott allein ist es, der für Euch kämpfen wird." Seid nicht übereilt, seid nicht übereifrig in Eurer Sehnsucht nach Zion. Verfallen wir nicht in die Fehler unserer Gegner, überheben wir uns nicht in unserem nationalen Chauvinismus, stützen wir uns nicht auf die materielle Gewalt. Ob die zionistische Bewegung berechtigt ist, ist hier nicht der Platz auseinanderzusetzen, aber wir sehen, welche uuüberwindliche Hindernisse dieselbe heute schon, wo sozusagen nur die Rede davon ist, begegnet; was für Geschrei würde sich erst erheben, welche gewaltigen Mächte würden sich erst entgegenstemmen, wenn es hieße, dieses „Project" zu realisiren. Ueberdies aber wollen die altgläubigen Juden in ihrer großen Mehrheit von der Gründung eines Judenstaates nichts wiffen. Sie sprechen mit Moses: Gott wird schon für uns streiten, das Haus, das Gott nicht erbauet, vergebens mühen sich die Bauleute es aufzurichten. Nicht die Macht, nicht die materielle Kraft, führt die Welt zum Sieg, sondern der Geist, der es beseelt. Nach dem Midrasch hat Gott Israel beschworen, die Erlösung nicht mit Gewalt zu beschleunigen, sondern diese dem Erlöser Israels zu überlaffen. Die vierte Gruppe ruft gleich unfern Voreltern beim Schilfmeer p:» muH „wir wollen gegen Mizrajim ein Geschrei erheben." Rufen wir die civilisirten Staaten Europas an, veranstalten wir Pcoteftmeetings gegen die barbarischen Bedränger Israels, gründen wir Abwehrblätter, appelliren wir an die ritterliche Nation Frankreichs, an die Toleranz Englands, an das Wohlwollen der Unionftaaten Amerikas, vielleicht gewähren diese mächtigen Reiche uns Hilfe und Beistand! Doch auch diese Hoffnung ist eine trügerische ppnnn enxi. Der Prozeß Zola hat uns von diesem Optimismus gründlich geheilt, keine Macht Europas wird auch nur die zahmste diplomatische Protestnote unseretwegen an irgend einen Staat richten, der uns unmenschlich bedrückt. Uns hilft keiner als nur Gott, und der ist die beste Stütze. Alle diese Rathschläge vereitelt Gott, nur Sein Rathschluß hat ewigen Bestand. Darum theilen wir uns nicht in Parteien, seien wir lieber einig, Seinen Rathschluß, Sein Gesetz, Sein Gebot, Sein heilig Wort zu beobachten, das ist das Mittel gegen unsere Feinde, unser Heil und unsere Wohlfahrt zu begründen, das lehrt uns unser Lehrer

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