Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1898)
- Date
- 1898-04-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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517 für das bewundernswerthe Geschick, mit welchem unser Autor es versteht, im Talmud und in den historischen Quellen vorkommende Gelehrte und Orte gleichen Namens auseinander zu halten. Bei den Gelehrtennamen gelangt er hier zu überraschenden und doch unbestreitbaren Resultaten, indem er scharf beobachtet, welche Gelehrte zugleich in der Diskussion genannt werden, und in welcher Weise sie genannt werden, ob als Schüler, College« oder Lehrer des Trägers des fraglichen Namens. So wird, wie wir schon gesehen haben, scharf zwischen Rabina I und Rabina II unterschieden. So erfahren wir, daß R. Acha, welcher mit Rabina so häufig im Talmud genannt wird, R. Acha, der Sohn des Raba ist, und daß sein College Rabina, Rabina der Aeltere ist. R. Acha und Rabina lernen wir als Zeitgenoffen des Rab Aschi und erste Mitarbeiter dcffelben bei der Redaction des Talmud kennen. Rab Acha I und Rabina I starben beide vor Rab Aschi. R. Acha b. Raba war von 4170 (410) bis zu seinem Tode 4178 (4i8) Schulhaupt in Pumbedita. Rabina I starb 4181 (421). Rab Aschi'S Todesjahr ist 418v (426). Die Stelle Bezah 6 a '-an xd\xi xn’xm xrs-i *>ex wird aus Rabina II bezogen und aus der Thatsache heraus, daß am Ende seines Lebens in Sura die Verfolgungen stattfanden, höchst geistreich erklärt. In Bezug aus Mar b. Rab Aschi wird aus den sehr bekannten Stellen Chulin 87 und 88 gezeigt, daß er schon bei Lebzeiten seines Vaters gesetzliche Entscheidungen fällen konnte, aus Ketubot 9, daß er schon beim Leben seines Vaters verheirathet war. 24 Jahre nach seinem Vater wurde er Schuloberhaupt in Sura, 41 Jahre nach R. Aschi starb er. R. Acha von Diphta und Mar b. Mremor sind seine Altersgenoffen. Ueberzeugend wird auch die Amemor- und Mremor-Frage gelöst. Amemor I lebte in Nehardea und starb lange vor R. Aschi, der sein Schüler war. Mar b. Amemor berichtet dem R. Aschi über die Traditionen seines Vaters Amemor. Mremor ist jüngerer ZeitgenoffeundderNachfolgerR.Aschi's, bis 4191 (431). Amemor II. (ben Mar Jenuka) ist Tochtersohn der Frau des R. Aschi, wurde im Ador des Todesjahres Rabina II., hingerichtet. Alles, was im Dorot Harischonim berichtet wird, ist durch zahlreiche Beweise aus dem Talmud und den geschichtlichen Berichten erhärtet. Zahlreiche Stellen im Talmud erscheinen uns in einem neuen Lichte, die Namen der Tradenten, an welchen wir oft achtlos vorübergingen, werden lebendig und erhalten unser Interesse. Das Sendschreiben des R. Scherira berichtet, wie bekannt, in gedrängter Kürze über Geschehnisse vieler Jahrhunderte. Die knappe Darstellungsweise macht es Vielen unverständlich. Dem Verfasser des Dorot Harischonim wird es aber zum sicher leitenden Ariadnefaden durch das Labyrinth, als welches die Namen der Tradenten im Talmud den meisten Forschern erscheinen. Sehr geistreich ist auch die Erklärung des dunklen km Kjprot in Taanit 26 a bei der Erzählung von dem Manne, der sich wie ein Nichtjude kleidete, um die feindlichen Beschlüsse zu erfahren und sie den Weisen mittheilen zu können, der, wie in Taanit weiter berichtet wird, durch seine Maßregeln die Ehre gefangener jüdischer Bräute und Frauen zu retten wußte. Das Wort xjpm wird in unserem Buche mit Zendik, Scheinanhänger des Fanatikers Mazdek, erklärt. Dieser wollte die Zendreligion in einem entsetzlichen Communismus der Vermögen und Weiber aufleben lassen, und brachte mit Unterstützung des Königs Kobad, durch sein wahnwitziges Unternehmen das persische Reich in große Verwirrung und viele Juden dortselbst in schreckliche Roth und Gefahr. Im Kap. 14 des Dorot Harischonim werden uns durch das Auseinanderhalten von Babel (Land) und Babel (Stadt) zahlreiche Talmudstellen erklärt. Besonders wichtig wird uns aber diese Unterscheidung dadurch, daß sie mit dazu dient, die unsinnige Behauptung, als hätten die späteren Amoraim, die Saboraim und die Gaonen bis auf Saadia den Jeruschalmi nicht gekannt, in ihr nichts zurückzuweisen. Davon und von den sonstigen staunenswerthen, prächtigen Forschungen Halevy'S in Bezug auf den Jeruschalmi ein anderes Mal. Zetturrg-rrachrichterr und (korrespondenzen Frankreich. Paris, 28. März. Man schreibt uns: (Das israelitischeKrankenhaus in Straßburg.) Ein armer, kranker Jude, der drei Wochen lang im isr. Krankenhause zu Straßburg an schwerer Lungenentzündung darniederlag, wird mit einem vom Spitalsarzteertheilten Gesundheitsatteste als vollkommen geheilt entlaffen. Tags darauf meldet der Kranke sich wieder zur Aufnahme, versehen mit einem Atteste eines gut renommirten Arzte», welches bezeugte, daß der Mann krank sei, wird jedoch ohne Weitere« abgewiesen.Einige Tage später stirbt der Mann im Bürgerspitale. Anstatt nun einer solchen Mufterverwaltung, die im Geiste ihrer Stifter, Mitglieder und Gtnner zu handeln vorgibt, einen schönen nfür diese heldenmüthige Leistung der Nächstenliebe und Wohlthätigkeit zuzurufen, erdreistet man sich, seiner tiefen inner« Entrüstung — der Stolz der Stammes der v'Lni D’jen*) — in einer etwas unsanften Weise Ausdruck zu geben, so daß ein zartfühlendes Gemüth eines löblichen Verwaltungsrathes sich verletzt fühlt. Wie? Eines armen fremden Juden wegen, der nicht einmal selbst klagen kann, einem hohen VerwaltungSrathe die Leviten zu lesen? Droht da nicht dem Frieden nach innen und der Erhaltung