Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1898)
- Date
- 1898-04-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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512 höchste Kleinod, den wahren, ungeheucheltcn Glauben zu geben, als eine fürsorgende Gattin, welche durch ihre aufrichtige Liebe zu ihrem Gatten, dem Gatten das gewesen, was nur eine?'n nt£W sein kann und sein soll. Etchstetten i. B., 1. April Am letzten Dienstag Mittag verschied in Kenzingen in B. Frau Babettc Epstein Wwe., geb. Drcyfuß im Alter von nicht ganz 87 Jahren. Sanft und milde, wie ihr Leben, war auch der Hingang der Verewigten. Nachdem sie bis wenige Stunden vor ihrem Ableben noch bei vollem Bewußtsein gewesen, schlief die Verewigte in den Armen ihres ältesten Sohnes ein. Sie war eine 7'N ntw im wahren Sinne des Wortes. Eine wackere glaubensstarke Frau, der im Kampfe des Gebens auch Stürme nicht erspart geblieben, war sie eine unermüdliche Wohlthäterin der Armen und Bedrückten, und liebte es vor Allem, ihre Wohlthaten im Stillen zu üben. Sic war ein Muster von Selbstlosigkeit, eine liebevolle Mutter und Freundin von unerschütterlichem Gottvertrauen beseelt. Am Donnerstag, den 31. März, 10 Uhr morgens fand die Ueberführuvg der Hingeschiedenen von Kenzingen nach Eichstetten statt, wo sie an der ^>eite ihres ihr vor 15 Jahren im Tode vorausgegangenen Gatten p"t bestattet wurde. Im Trauerhause in Kenzingen hatten sich die Kinder, Enkel und nächsten Anverwandten versammelt. Herr Salornon Siegel aus Slraßburg i. E, dessen Tochter mit einem Lwhne der Verewigten verbeirathet, widmete der verewigten Freundin vor der Uebcrführung noch wehmuthsvolle Worte des Abschiedes und Nachrufes. Mit herzlichen, rührenden Worten schilderte er die Verstorbene, die sich würdig unseren j/idn mnDM anreihte. Die Beisetzung in Eichstctten fand mittags 3 Uhr statt. Sowohl da. wie in Kenzingen hatten sich dem großen Zuge viele Nichtjudeu angeschlossen, worunter sich beide Male der Bürgermeister jedes betreffenden Ortes befand, ein Zeichen, welcher Achtung die Dahingeschiedene sich erfreut hatte. Am offenen Grabe sprach Herr Bezirksrabbiner Dr. Lewin aus Freiburg i. B. In geistvoller Rede schilderte derselbe das Leben der Verewigten, wie cs, trotz des unscheinbaren Rahmens, doch durch seine harmonische Abgeschlossenheit Bewunderung wecken müsse und zur Nachahmung ansporne. Das Andenken der Heimgegangenen wird als ein Musterbild einer echt jüdischen Frau in dem Gedächtnisse Aller, die ihr im Leben nahestanden, fortleben. Sie war eine seltene Frau, möge ihr die Erde leicht sein. M E in 8. Stempelt, 3. März. Schweres Leid ist über die hiesige Gemeinde hereingeb,ochen. Der überall beliebte und verehrte Herr Wilhelm Gotthein ist im Alter von 52 Jahren am 18. v. M. plötzlich am Herzschlage verschieden. Wenn auch der Eintritt dieses Todesfalles seine Freunde nicht unvorbereitet traf, indem der Verblichene seit 8 Jahren sehr leidend war, so wirkte doch die Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden dieses braven Mannes erschütternd und ergreifend. Der Verblichene war langjähriges Vorstandsmitglied der Gemeinde und füllte sein Amt als na« ff’N voll und ganz aus. Aber nicht nur die Gemeinde, sondern ein jedes Mitglied verliert an ihm einen Freund und Berather, und darum empfindet ein Jeder den unersetzlichen Verlust des Dahingeschiedenen. Dies bekundete sich auch bei seiner Beerdigung. Fast die ganze Gemeinde, sowie viele andersgläubige angesehene Bürger erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre. Am Grabe sprach unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Münz und gab dem Schmerze beredten Ausdruck. Möge der Allmächtige der tief gebeugten Gattin und beiden trauernden Söhnen den lindernden Balsam des Trostes ins wunde Herz legen- Seinen Freunden wird der edle Character des Verblichenen stets einleuchtendes Vorbild bleiben. Mltt-elluWu saus den jüd. Amenoerrluru und für dieselben. (Sümmtliche jüd. Wanderbettelvereine nnd Staffen für Durchreisende sind gebeten, nnS Mittheilnngen über Erfahrungen, die sie auf dem Gebiete ihrer THLtigkeit machen, zukommen zu lasten.) Aions, 60. März. Orthodoxe jüdische Gemeinden, welche gewillt sind, einen Cultusbeamten zu engagiren, warne ich dringend, im Interesse der Aufrechthaltung der Ehre und des Ansehens unserer strenggläubigen Gemeinden und aus Furcht vor einer Entweihung unser p-rrn, etwaige Bewerbungen eines aus Rußland stammenden Cultusbeamten, welcher sich Cantor und Rabbiner Moritz Lew in sohn nennt, zu berücksichtigen. Dieser Herr hat sich kein Gewissen daraus gemacht, am emp rav eine Reise von Wormditt O.-Pr. nach Posen per Bahn zurückzulegen. Wie der Gemeinde-Vcrsteher Max Möllmann und der Lehrer Katz in Booek auf Anfrage bestätigen werden, ist der M. Lewinsohn ein gewohnheitsmäßiger Trinker, und trotzdem übt er die nL'nrr» aus. Herr Rabb. B l o ch in Jaroczyn ist ebenfalls imstande, Auskunft suchenden Gemeinden über den Mann ausführlich berichten zu können. H. Goldberg, Lehrer. Bei der Redaktion neu ringegangene Sucher Jahresbericht der Realschule der Israel. Religio n sg e sc lisch a f t in Frankfurt a. M. 1898. Vom Direktor Dr. Mendel Hirsch. Voraus geht: Aus dem Balladenjahre 1797. Von Oberlehrer Dr. Jonas Bondi. Frankfurt a. M. vermischtes. Berlin. Unter dem Namen „Spar- und Hilfsverein der Beamten der jüdischen Gemeinde zu Berlin" ist ein Verein begründet worden, der in erster Reihe den Zweck hat — wie cs im Statut heißt —, „feinen Mitgliedern durch Ansammlung und Verzinsung von Beträgen ein gewisses Kapital zu sichern". Die Kapitalfonds sollen nach Ermessen des Vorstandes zur Gewährung zinsfreier Darlehen an Mitglieder verwende! werden. Den Vorstand bildet zur Zeit Generalsekretär A. Budwig als Vorsitzender und Kassirer Nosenberg als Rendant. Prag, den 27. März. Bei der gestrigen Soiröe des Statthalters Grasen Coudenhove, bei welcher der höchste Adel und die Spitzen der höchsten Landesbehörden erschienen, waren u. A. auch geladen: Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Präses des Hondelsgremiums Forschheimer, Landesschulrath Juwald, Groß-Industrielle Ritter von Kubinzky, Obmann der böhmischen Landesjudenschaft Dr Lichtenstern, Präses der Jsr. Eultus-Gemeinde, Dr. Rosenbacher, Obmann der Unfalls-Versicherungsanstalt Dr. Pribram. London. Nach authentischen Berichten wird in Kürze in London eine Confcrcnz der Chefs aller jüdischen Handels- Vereinigungen stattfinden, um eine bessere Beobachtung des Sabbats zu bewirken. Oberrabbiner Dr. Adler wird einen Pastoral-Brief über diese Sache erlassen.