Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1898)
- Date
- 1898-04-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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511 Frankreich. T. Paris, 3. April. Der Kaffationshof hat das Urtheil ^gegen Zola aufgehoben, ohne Zola vor ein anderes; Schwurgericht zu verweisen. Die Aufhebung erfolgte, weil nicht das Esterhazy-Kriegsgericht, das allein zur Anstellung der Klage berechtigt war, sondern derlKriegsminister geklagt hat. Dieser Punkt bildet die erste Beschwerde der Berufung: da der Kaffationshof ihre Berechtigung anerkannte, brauchte er sich mit den übrigen gar nicht zu befassen, und darum ist auch das Urtheil so kurz ausgefallen. Natürlich, wenn dem Kläger die Legitimation zur Klage abgesprochen wird, ist der ganze Prozeß hinfällig. Zola kommt vor kein anderes Schwurgericht und Zola ist von Schuld und Strafe frei. Es müßte denn sein, daß jetzt das Esterhazy-Kriegsgericht veranlaßt würde, zu klagen. Man darf begierig sein, ob dies geschieht. Wahrscheinlich ist es gerade nicht, denn das Urtheil der ganzen gebildeten Welt über den Prozeß ist gewiß auch zu den Ohren der Minister gekommen und wird sie davor warnen, die Sache von Neuem anzufangen. Eine Niederlage der Regierung ist der Spruch des Kassationshofes auf alle Fälle, und man sieht jetzt, daß die Regierung bei der Berathung der Frage, ob und in welcher Weise Zola wegen seines Anklagebriefes verklagt werden solle, gerade die höchste richterliche Autorität, den Kaffationshof, außer Acht gelassen hat, sonst würden ihr die Mitglieder desselben schon reinen Wein eingeschenkt haben. Vielleicht hat sie auch richterliche Autoritäten zu Rathe gezogen, aber die Politik war mächtiger und hat die Justiz bei Seite geschoben. Die Regierung hat jetzt die Folgen davon zu tragen und die Minister mögen es unter sich ausmachen, wen die meiste Schuld für die erlittene Niederlage trifft. In allen Kreisen aber, wo man es mit dem Rechte und auch mit Frankreich gut meint, wird man sich über den Spruch des Kassationshofes f-euen, denn er beweist, was man in der letzten Zeit einigermaßen bezweifeln konnte: daß es noch Richter in Frankreich gibt! Paris, 2. April. (Kammer.) Nach mehr als zweistündiger Debatte kündigt der Kammerpräsident zwei Interpellationen der Deputirten Habert unb Chiche an. Beide fragen an, was die Regierung über die Folgen der Kassation der Verurteilung Zolas denke. Diese allgemeine Fassung der Anfrage war das Resultat einer Besprechung der Interpellanten mit dem Kriegsminister. Mölme wünscht sofortige Besprechung. Die Kammer beschließt die Dringlichkeit. Habert, der die Interpellation begründet, sagt, das Volk verstehe nicht den Widerspruch, daß ein Verurtheilter straflos bleibe. Meline, die Interpellation beantwortend, sagt, die Regierung glaubte, entsprechend den Gesetzen zu handeln, als sie den Kriegsminister ermächtigte, Zola zu verklagen, sie beuge sich aberDvorEdem?;Urtheil des Kassationshofs, weit sie nicht ^beabsichtigte, die gerichtliche Autorität vor dem Lande zu diskreditiren. Das besorgten die SozialistenAund der Anschlag der Rede Vivianis sei deßhalb heilsam, weil das Volk daraus erkenne, daß die Sozialisten die Bannerträger der sozialen Demolirung sind (stürmische Unterbrechung links). Zur Fragestellung zurückkehrend, bemerkt Mölinc, die Regierung wende das Mittel an, das der Kaffationshof angerathen habe, und überlasse es dem Kriegsgericht, die nöthigen Schritte zu thun. Die Rede Mölmes schließt mit der Forderung eines Vertrauensvotums. Die Kammer nimmt die einfache Tagesordnung mit 333 gegen 174 Stimmen an. Spanien.? Madrid.^ Emilio Castelar, der Veteran der spanischen Republikaner, hat über die letzten Exzesse der Antisemiten:.in1Frankreich-das - folgende. Urtheil gefällt: „Ich dachte, daß der Antisemitismus eine Krankheit des Orients sei, der Moskowiter, Kroaten, Rumänen, der Wiener, unmöglich in diesem Lande, wo unaufhörlich das Blut sich färbt und oxydirt durch den Sauerstoff der Freiheit. Ich verstehe, daß die Wiener uno.Petersburger Paris imitiren, wie können die Griechen chen Römern nachäffen?" „Willsman^die Monumente von Paris zerstören, die Constitution zerreißen, das Recht aus den Herzen der Franzosen reißen, um alles dies zu ersetzen ^durch ungeheuren Prozessionen von Geißlern, die bei Kerzenlicht in den geweihten Räumen sich bewegen, wo ehemals die Constituante .und der,Convents tagten, Prozessionen im Mönchshabit den Rosenkranz im Gürtel rc.,Z'bereit^Männer zumZ Scheiterhaufen!zu führen, die.das phrygische Barrel tragen oder sich weigern . das Schweinesteisch zu Hessen. Nein,-und aber nein: Niemals kann die Welt in diesen Zustand der Barbarei zurückfallen! > Personalien. Oberdorf bei Bopfiingen. Eine §?’n nrN im wahren Sinne des Wortes wurde heute unter großer Betheiligung zu Grabe getragen. Es war dies Frau Mathilde Falk von hier, die nur ein Alter von 56 Jahren erreichte. Durch ihre Menschenfreundlichkeit verstand sie, sich^bei Israeliten und Christen einen guten Namen zu erwerben und 'zu, erhalten. - Herr Rabinatsverwcser Dr. Kroner widmete der Verblichenen einen wohlverdienten Nachruf und schilderte sie als wahre p'L ro als eine Frau, welche noch den ächten jüdischen.Geist für die. heilige Religion hegte und pflegte, als eine aufopfernde Mutter, die es verstand, durch ihr Entbehren und^Entsagen, -durch ihre Gewissenhaftigkeit in Ausübung der heiligen Gebote ihren Kindern das