Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1898)
- Date
- 1898-04-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448884--45764-2496075- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
509 M. gefordert, wovon 1500 für Gehaltserhöhungen bestimmt »rnd. Für Unterstützung durchreisender Glaubensgenossen werden 11,100 M. verlangt. Es wird der Wunsch ausgesprochen, dieselben gleich bi» an die nächste Grenze zu befördern, wobei mitgetheilt wird, daß die Anzahl der aus Amerika Zurückkehrender größer ist, als die der Auswanderer. Für Peßachbeköftigung der Gefangenen werden 1200 M. bewilligt. lieber das Reichenheiw'sche Waisenhaus referirt Herr M o r i tz R e u f e l d. Er bittet um eine Mehrbewilligung für das Institut und ergeht sich in überschwänglichen Lobeserhebungen über die religiöse Erziehung der Kinder. Seine Rede entlockt den Repräsentanten ein ironisches Lächeln. Nnis n’en parlons plus! Herr Professor L ew in beantragt das gleiche Gehalt für die Lehrer in den Waisenhäusern, wie für die Lehrer in den Gemeindeschulen. Der Antrag wird der geheimen Sitzung überwiesen. Herr Professor Bagin s ky klagt über die schlechte Zubereitung der Speisen im jüdischen Krankenhause und bittet unterstützt von Herrn Professor Lewin, um Gehaltserhöhung der Assistenzärzte. — Dem Reservefonds werden 7000 M. und 1000 M. für Mohelim, welche die Gemeinde ernennt, bewilligt. Es soll auch die Errichtung einer Gemeindebiblothek in Scene gesetzt werden, wofür Herr Juftizrath Ti kt in um einen bestimmten Antrag bittet. Schließlich wünschte Herr Julius Oppenheim die Frage über die Gehaltserhöhung der Rabbiner in öffentlicher Sitzung zu discutiren. Selbstverständlich mußte die Erfüllung seines Wunsches versagt bleiben. P. Königsberg, 1. April. Der Israelitische Verein .für Krankenpflege und Beerdigung hat im vergangenen Geschäftsjahre wiederum eine erfreuliche Vergrößerung seiner Geschenke und Sammlungen gegen das Vorjahr konstatiren können. Trotzdem war nach dem Jahresberichte infolge größerer Ausgaben ein Defizit zu verzeichnen. Die Herren DDr. Eliassow, Samuelsohn und A. Wollenberg hatten sich auch im verflossenen Jahre der Behandlung der Kranken de» Vereins gewidmet. Durch den Tod verlor der Verein 11 Mitglieder. Er zählt zur Zeit derer 461. An Einnahmen hatte der Verein in Summa 13,922,12 M. einschließlich eines Baarbeftandes von 3521,69 M. zu verzeichnen. Die Ausgaben stellten sich auf 12,842,56 M. Das Vereinsvermögen besteht zur Zeit aus 92,379,56 M. Der Vorstand besteht aus den Herren Hermann Wolfheim, Adolf Löwenstein, Naumann Landsberger, N. Landsberger, Max Arendt, Wolff Löwenstein und Joseph Schwarz. c< 1.April. (Zweite Kammer.) Ein Antrag Köhler-Langsdorf bezweckt die Aufhebung des bekannten Erlasses, durch den die Regierung ihren Beamten Vorschriften über ihr Verhalten politischen Parteien gegenüber gemacht hat. Es sollten namentlich Auswüchse antisemitischer Richtung dadurch beschnitten werden. Staatsministcr Finger erklärt, die Regierung sei nicht gewillt, den Erlaß zurückzuziehen. Der Antisemitismus bestehe noch, wenn er sich auch nicht mehr so wild äußere. Die Regierung nehme für sich in Anspruch zu bestimmen, wie sie sich ihren Beamten gegenüber verhalten wolle. Abgeordneter Ulrich (Soz.) erkennt der Regierung nicht diese Berechtigung zu, soweit es sich um eine Beeinträchtigung der politischen Freiheiten und Rechte handelt. Abg. Jöckel (ntl.): Die Regierung habe Recht gethan, zur Wahrung des öffentlichen Friedens den Erlaß auszugeben. Der Ausschuß beantragt, an die Negierung das Ersuchen zu richten, sich künftighin jedes Einflusses auf die Parteirichtung ihrer Beamten zu enthalten. Dieser Antrag wird angenommen. Würzvurg, Ende März. Zu dem Artikel von hier in Nr. 22 d. Bl., den Vortrag des Herrn D r. F i n k e l aus Breslau über die Bodenkultur im Judenthum betreffend, kann ergänzend hinzugefügt werden, daß der Erfolg deffelben anscheinend ein sehr erfreulicher, indem die von dem Comitö, welches sich in Folge des Vortrages bildete, in Umlauf gesetzte Liste eine lebhafte Betheiligung an Zeichnungen zu jährlichen Beiträgen für „Die Erziehungs- Anstalt in Ahlem behufs praktischer Anleitung zur Bodenkultur" bereits aufweist. Herr Dr. Finkel kann demnach mit dem Eindruck seiner Rede und dem Erfolg seiner Mission am hiesigen Platze zufrieden sein. Es ist auch kein Zweifel, daß die genannte Anstalt, die sich eines ausgezeichneten Rufes erfreut, es verdient, in ihren humanen, dem Juventhum zur Ehre gereichenden Bestrebungen unterstützt zu werden, und wir wünschen ihr aufrichtig das beste Gedeihen und Aufblühen. Uebrigens sollte sich die Agitation zur Weckung und Pflege des Sinnes und des Interesses für die Bodenkultur unter unfern Glaubensgenoffen nicht auf eine einzige Anstalt beschränken, vielmehr sollte allgemein in öffentlichen Vorträgen und in Schulen, durch Anregungen und Unterstützungen darauf hingewirkt werden, daß sich unsere Jugend wieder mehr dem Berufe unserer Landmirthschafl zuwende und sich dadurch nicht nur eine gesicherte, wenn auch bescheidene Existenz gründe, sondern auch dem so unberechtigten Vorwurfs, daß das Judenthum diesem Berufe abgeneigt, thatsächlich begegne und beweise, daß wir unserem angestammten agrikulturfreundlichen Charakter treu geblieben. Hat ja auch der verehrte Redner auf diesen Punkt kräftig hingewiesen und ihn zur Tagesfrage gemacht; nur glaubte er in der Schule zu Ahlem den ersten Anfang zur Lösung derselben und so zu sagen den Cvncentrirpunkt der Bestrebung zu finden. Da nun der Eingangs erwähnte Artikel Herrn