Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 27-28 (5.4.1898)
- Date
- 1898-04-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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508 innig unter uns Menschen wieder aufschlagen wird, daß morgen, heute schon sein Tempel wieder neu erstehen wird, wenn wir nur dessen würdig sind. Als Elijahu gefragt wurde, wann der Messias erscheine, antwortete er: „Heute." „Heute?" lautete die verwunderte Gegenfrage . . „Ja, heute, wenn Ihr auf seine Stimme hört." Nichts möchten wir misten von diesem Tempelbaulied, nicht den hebräischen Text, nicht die alterthümliche Uebersetzung und gewiß auch nicht die zuversichtliche, hoffnungsfreudige Melodie, die zugleich an ein Siegeslied und einen Hymnus erinnert. Der hebr. Text will auch hier durch seine alphabetische Anordnung unsere Ohnmacht ausdrücken, mit menschlichen Lauten die Allmacht Gottes zu schildern. Auch wenn uns der ganze Wortschatz der Sprache zu Gebot stehen würde, wir könnten Gottes Lob nicht genügend besingen. Da nehmen wir denn zweiundzwanzig Worte, von denen jedes mit einem anderen Buchstaben beginnt. Und jedes Wort mit seinem Buchstaben senden wir im Liede zum himmlischen Vater hinauf, als Vertreter aller gleichbeginnenden Bruderworte des Lobpreisens. So hat David in vielen Psalmen Gottes Lob gesungen, von denen wir den einen, der mit nbn.n beginnt und mit schließt, täglich dreimal zwischen den Gebeten, nach dem Gebete und vor dem Gebete sprechen, so haben es unsere Paitanim, unsere Festesdichter gcthan, und so huldigen auch wir am heutigen Abend in überzeugter Hoffnung und in treuem Ausharren unserem König. Die feste Erwartung macht jeden Schmerz vergeffen, denn unserem Auge zeigt sich der wiedererbaute Tempel, zu dem wir i"ipr in allernächster Zeit wieder wallen dürfen. Und dringend, immer dringender und inniger wird unser Flehen ynpz rus. „O bau Deinen Tempel schire." Die altgewohnte Uebersetzung, sie trägt der tiefen Bedeutung der alphabetischen Anordnung Rechnung, indem sie nicht sowohl darauf achtet die Strophenbeginne wörtlich zu übertragen, als darauf, daß auch unsere Alltagssprache in alphabetisch geordneten Worten des Preises sich mit ihren: ganzen Wortreichthume zur Gotteshuldigung darbietet. Und dieser alterthümliche Hauch der Sprache, sowie das altdeutsche Wörtlein „schiere"! Wie tauchen, wenn wir sie hören, die Judengaffen des mittelalterlichen Deutschlands vor uns auf, mit ihren Verleumdungen und Verfolgungen, mit ihrem Jammer und ihren Thränen. Lautes Stimmengewirr steigt aus diesen Gassen in den Peßachnächten zum Himmel empor. Sind eS die Triumphrufe der herzlosen Unterdrücker, oder die Klagegesänge und der Verzweiflungsschrei der Verfolgten? Wir tauschen diesen Tönen, was vernehmen wir? Derselbe siegessrohe, heitere und glückliche Sang, den wir in unseren lichteren Zeiten ertönen lassen, mit denselbenWorten, mit derselben hoffnungsfreudigen, stolzen und beglückenden Melodie entrang er sich der Brust unserer dem Tode geweihten Ahnen: „Allmächtiger Gott, nun baue Deinen Tempel schiere." Fürwahr eine tausendfältige erschütternde Wiederholung des vielbewunderten Dulderwortes des Hiob p bn'-rr *b. „Siehe, selbst wenn Er mich tödten würde, so würde ich auf Ihn hoffen." Wenn unsere armen Väter und Mütter das Hoffen nicht verlernt hatten, wie dürften wir aufhören zu hoffen, die wir im Hinblick auf ihr Schicksal nicht andächtig und dankbar genug zu bekennen vermögen -pom unty rr:n *u?: „Soweit hat uns Deine Barmherzigkeit, o Gott, geholfen." Und diese sonnige, aufjauchzende Melodie des zuversichtlichen HoffenS! Wenn sie nicht schon imheiligen TempelvonLevitenchören erklungen ist, wer hat sie erfunden? Wer hat sie in der dunklen Nacht des Golus zuerst gesungen? — Wer auch immer in grauer Vorzeit ihr Erfinder und ihr erster Sänger gewesen ist, ein unvergänglicher Ruhmeszeichen bleibt sie für das zersprengte Volk, das sich ihre heiteren Klänge durch die bittere Noth der Jahrhunderte und Jahrtausende zu bewahren gewußt hat. Andere Völker, die lange unterdrückt waren, besitzen nur schwermüthige Gesänge. O, weinen können wir auch, man hat verstanden, es uns zu lehren; doch in unserem unerschütterlichen felsenfesten Gottvertrauen haben wir dabei das Jubeln nicht verlernt. Wie drückt doch unser großer Zionsdichter diesen Gedanken unnachahmlich schön aus! nrtr oibnx rw oyn “jruy nasf? -pnr1? na ’jk *pnnp. „Gilt es Dein Unglück (Zion) zu beweinen, so werde ich zum heulenden Wüstenthier, doch wenn ich träume von der Rückkehr Deiner Vertriebenen, so werde ich zur Harfe für Deine Lieder." Fürwahr, wir wollen x:n t-ix mit seiner Melodie und seiner Uebersetzung weiter singen, und so werden wir es mit G. H. singen, bis wir den Bau des heiligen Tempels herbeigesungen und herbeigeweint haben, bis wir die Erlösung herbeigefleht und vor Allem bis wir sie durch gewiffenhafte Erfüllung des Gotteswillens herbeigearbeitet und beschleunigt haben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. LU. Berlin, 80. März. Aus den beiden letzten Sitzungen der Repräsentanten will ich nur das hervorheben, was auch für die Leser des „Israelit" von Interesse sein dürfte. Als Referent über die Armenkommission ergreift zunächst Herr Heinrich Marcus e da» Wort. Für diesen Titel sind "73,000 M. inet, einer Erböhung des Wöchenunterstützungsfonds um 2000 M. veranlagt. Gegen den jetzigen Etat von.64,000 M. ist nur ein Plus van 0000