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Der Israelit · 1898-03-28 · Heft 25 (28.3.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 25 (28.3.1898)
Date
1898-03-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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m Redner weist besonders auf das nun vollendete größte philosophische Werk RülfS über „Metaphysik" hin, welches in der philosophischen Welt volle Anerkennung gefunden, selbst von seiten derer, die gerade nicht zu den Judenfreunden zählten. Dieses größte Werk, welches als das „Lebenswerk" Rülfs bezeichnet werden kann, wäre demnach nicht nur ein Beweis für am ran» das „Dasein Gottes", sondern zugleich eine „Heiligung und Verherrlichung Gottes", bewirkt durch einen Juden," otrri emp. Ohne Zweifel hätte darum Dr. Rülf durch die Lösung dieses Problems sich im wahren Sinne des Wortes als b'zva, das heißt, als „Philosoph" gezeigt und sich auch insofern ein unsterbliches Verdienst erworben, daß er auch den Ungläubigen und Ungelehrten den Weg zum Himmel gebahnt und geebnet hat, weßhalb man auf ihn die Worte der Schrift in dem Buche der Weissagung Daniels wohl anwenden darf: 2'2I!22 2'21N ’pnate'. rpin "!7M2 vvriv extrem .un oto „Und die Verständigen werden glänzen wie der Glanz des Himmels und diejenigen, die viele zur Tugend führen, wie die Sterne immer und ewig." Dr. Rülf ergreift wiederum das Wort zu einer Berichtigung und Ergänzung über eine von dem Redner gemachte mangelhafte Titelbez. Inhaltsangabe der zuerst von demselben aufgeführten Schrift Dr. Rülfs: „Zur Vertheidigung der Juden!" — Des weiteren giebt Herr Dr. Rülf Aufschluß über die Veranlassung zu dieser seiner kleinen Erstlingsschrift. Herr Lehrer Arndt bringt hierauf ein Hoch auf das Ehrenmitglied Herr Rabbiner Dr. Rülf aus, Herr Leon Scheinhaus auf den Vorstand des Vereins, insbesondere auf die Ehrenvorsitzenden Herrn Rabbiner F e i n b e r g und Herrn M i l l n e r. Alle drängten sich an Dr. Rülf, um sich von ihm auf das Herzlichste zu verabschieden, die heißesten Segnungen und Wünsche ihm spendend. — Samstag Abend fand wiederum im Saale des Gesellschaftshaus ein von der Gemeinde veranstaltetes Abschiedsessen für Herrn Dr. Rülf statt. Die Feier verlief ebenfalls in überaus würdiger, herzerhebender Weise. Im Namen der Gemeinde brachte Herr I. Abelmann den ersten Toast auf den Gefeierten aus. Er gedachte der vielen, unersetzlichen Verdienste, die sich Herr Dr. Rülf um die Gemeinde erworben, erinnerte an seine segensreichen Gründungen, wie z. B. die jüdische Elementarschule und dar Krankenhaus, und gedachte des großartigen Unterstützungs- Werkes, das Dr. Rülf eingeleitet und fortgeführt. Namens der Gemeinde überreichte der Redner Herrn Dr. Rülf ein kostbares Geschenk: ein vollständiges Silberbesteck (vierfach) für 12 Personen. Die Gabe ruht in einem vornehm ausgestatteten Holzkasten, der auf dem Deckel einen silbernen Schild mit der Md« mung trägt: Ihrem verehrten Rabbiner, Herrn Dr. Rülf, bei seinem Scheiden von hier gewidmet. Memel, 20. März 1898. Die Synagogengemeinde." Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Scheidenden. Eine ganze Reihe weiterer Toaste folgte. Der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, Herr Eisenftädt, widmete Herrn Dr. Rülf ebenfalls warme Worte der Anerkennung, des Dankes und der Verehrung und toastete auf die Gattin des Gefeierten. Weitere Redner feierten die vielseitige außerberufliche Thätigkeit Rülfs. Herr Amts gerichtsrath Wechselmann sprach Namens des „Jüdischen Krankenhauses", welches als eine Schöpfung Rülfs angesehen werden muß; Herr Landgerichtsrath Meyer hob die Wirksamkeit Dr. Rülfs auf dem Gebiete des „Städtischen Armm- UnterstützungsvereinS" hervor, dessen Mitbegründer und ständiger Schriftführer er gewesen; Herr Lehrer I. Arndt sprach Namens der Jüdischen Elementarschule, welches das Hauptwerk der Gefeierten war und welchem er stets die größte Fürsorge zugewendet hätte. Herr Apothekenbesitzer Lichtenstein hob die Verdienste Dr. Rülfs um den „Verein für jüdische Geschiche und Litteratur" hervor, dessen eigentlicher Begründer Dr. Rülf gewesen; ferner sprachen Herr Dr. ineä. Hurwitz und zuletzt Herr Redakteur Sochaczewer im Namen des „Memeler Dampfbootö" (Memeler- und Grenz-Zeitung). Während der Tafel wurde ein Abschieds- und Anerkennungsschreiben des Ksnigl. Landraths des Kreises Memel, Herrn Cranz, verlesen und mit besonderem Beifall ausgenommen. In tiefbewegte«, oft von Thränen unterbrochenen Worten dankte Herr Dr. Rülf für alle diese Ehrungen. Er schloß seine Rede mit einem Hoch auf die Synagogen-Gemeinde. Erst nach Mitternacht endete die schöne Feier. Wie wir erfahren, ist der einzige Grund, welcher Herrn Dr. Rülf noch in vorgeschrittenen Lebensjahren veranlaßt, seinen Wohnort zu wechseln, der wohlberechtigte Wunsch, seinen Lebensabend in der Nähe seiner Kinder zu verbringen; möge dieser Lebensabend sich ihm zu einem sorglosen und glücklichen gestalten, möge ihm aber auch eine freundliche Erinnerung bleiben an die treuen Freunde, die er hier zurückläßt. Zum Nachfolger der Herrn Dr. Rülf wurde auf seinen Vorschlag Herr Dr. E m a n u e l C a r l e b a ch, Sohn des Rabbiners Herrn Dr. Carlebach zu Lübeck, einstimmig gewählt, nachdem er seine Probepcedigt vor kurzem hier gehalten hat, die mit Begeisterung ausgenommen wurde.

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