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Der Israelit · 1898-03-28 · Heft 25 (28.3.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 25 (28.3.1898)
Date
1898-03-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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477 Aellimg-irachrichteir und Eorrespondenze« Deutschland. DL. Berlin, 19. März. (Nach Ausgang des Sabbats.) Die Stimmung in der heutigen Abendsitzung des Repräsentanten der jüdischen Gemeinde war eine wesentlich friedfertige. Es handelte sich hauptsächlich um den Normalbesoldungsetat für die Beamten. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes Herr Justizrath Meyer setzte die Schwierigkeiten für Herstellung eines solchen auseinander, die auch von den Repräsentanten gewürdigt wurden. Bei dem Punkte Jugendgottesdienst kam es zu einer lebhaften Debatte, da der Vorschlag gemacht wurde, die Summe von 36,000 Mark im ersten Jahr und für zwei andere Jahre 40,000 nur unter der Bedingung zu bewilligen, daß eine neue Agende in konservativem Geiste eingeführt würde. Herr Gustav Löwenberg behauptete, daß viele Gemeinde.nitglieder besonders über die Agende für die hohen Festtage sich beklagt hatten, einige sie sogar unjüdisch erachteten. Hiergegen erhob sich Herr Le o n h a rd Sachs. Eine Agende, die unter den Auspicien des Rabbinats entstanden, verdiene diesen Ausdruck nicht. Herr Professor Ba ginsky, der auch heute wieder versicherte, wie schlecht es um seine Orthodoxie bestellt sei, bedauert, daß die alte Agende viel zu schnell eingeführt worden sei, so daß den Repräsentanten keine Zeit zur Correctur geblieben sei, da aber Vorstand und Repräsentanten das Wohl der ganzen Gemeinde wollten, so würde es zu keinem Streite kommen. Bei gegenseitiger Verständigung werde die Angelegenheit erledigt werden. Niemand solle in seinen Gefühlen verletzt werden. Schließlich kommt man überein, für die alte Synagoge und für die Synagoge in der Kaiserstraße eine neue Agende auszuarbeiten. Ausführliches über den Gemeindehaurhalis-Etat pro J 898/1901, werde ich erst dann berichten, wenn sämmtliche Punkte, (die meisten sind in die geheime Sitzung verlegt worden), angenommen, oder abgelehnt worden sind. Schönetk (Weftpr.), 17. März. Die segensreiche Wirkung des constituirten Verbandes der Westpreußischen Synagogen-Gemeinden, haben wir diese Woche empfunden. Auf Veranlassung des Verbandes kam Herr Rabbiner Dr. Münz aus Berent nach unserer Gemeinde und nahm eine eingehende Jnspection der Religionsschule vor. Die Prüfung erstreckte sich auf alle hebräischen Unterrichtsfächer und nahm mehrere Stunden in Anspruch. Geschlossen wurde der öffentliche Prüfungsact mit einer Ansprache des Jnspicienten. Hoffentlich werden die warmen, tiefempfundenen Worte des Herrn Dr. I. Münz nicht ihre Wirkung verfehlen und das Interesse für die religiöse Erziehung der Kinder erhöhen. V. Straffburg i. E., 18. März. (Antisem itisch er feiner Ton.) Als Herr Liebermann von Sonnenberg jüngst hier vor wenig zahlreichem Publikum über den alleinseligmachenden Antisemitismus predigte und die antisemitische Partei mit einem Gießbach verglich, der alle Hindernisse überwindet, sich immer Bahn bricht und dabei die Schlammsteine auswirft, da rief ihm ein Zuhörer zu: „Sie meinen wohl Ahlwardt?" Darob entrüstete sich Herr v. Sonnenberg nach der Straßburger Post so sehr, daß er in den Saal hinein rief: „So etwas kann nur ein unreifer Lümmel, ein Halunke, ein frecher Patron sagen." Herr von Liebermann schien mit seinen Schimpfereien sehr zufrieden, sogar einige seiner Anhänger mögen aber wohl über seinen feinen Ton den Kopf geschüttelt haben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. W. Wien, 17. Mäaz. Im niederösterreichischen Landtag hatten 17 christlich-soziale Abgeordnete einen Antrag eingebracht, in dem es u. a. heißt: „Alle getauften und ungetansten Juden, alle Personen, welche nachweislich von Juden abstammen, sowie Arier, welche mit Personen verheirathet sind, die nachweislich von Juden abstammen, sind sowohl vom aktiven Personenwie auch vom passiven Wahlrechte ausgeschlossen. Jede Wahlbeeinflussung, deren sich ein Jude oder ein Judenabkömmling, sei es durch Wort oder Schrift oder wie immer sonst nachweislich schuldig macht, verfällt einer Freiheitsstrafe von nicht weniger als sechs Monaten. Dieser Antrag ist ebenso naiv wie frech und bedarf keines Kommentars. § Fiume, 11. März. Das hiesige Tagblatt „La Bilancia“ („Die Wage") erzählt: NachZeinigen im hiesigen Stadtarchive aufgefundenen Schriftstücken kamen die ersten Juden 1778 hieher. Es waren dies zwei Juden aus Dalmatien, die unseren Magistrat ersuchten, er möge ihnen gestatten, sich hier anzusiedeln. Der damalige Referendarius, Herr v. Troyer, empfahl, da» Gesuch der Juden zu genehmigen, doch möge für sie und alle nachkommenden Glaubensgenossen ein eigenes Stadtquartier (Ghetto) geschaffen werden. Der Magistrat wies jedoch dieses Ansinnen als einer Handelsstadt gänzlich unwürdig entschieden zurück. Heute, nach hundert Jahren, schreibt die „Bilancia“ gibt es Leute, welche die Juden wieder gerne in die finstern Ghettos des Mittelalters einschlieben möchte«. Groffwurdein. Der berühmte Oberrabbiner unserer Gemeinde Herr Moritz Fuchs hielt am vorigen Samstag eine Predigt, iu welcher er sich hauptsächlich mit der sozialen Frage befaßte. Die

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