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Der Israelit · 1898-03-28 · Heft 25 (28.3.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 25 (28.3.1898)
Date
1898-03-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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LXXIX. Jahrgang. Beilage ,1; M 25 -es Jfetoritt“. Leitender Artikel. AdslhitdrstlerllOklttll Hr Laddiiier Dr. Mills. -de- Memel, 26. März. In der hiesigen Gemeinde-Synagoge hielt am vergangenen Samstag Vormittag unter überaus zahlreicher Betbeiligung der Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Rüls seine Abschiedspredigt. Anknüpfend an das Bibelwort I. Buch Moses, Kap. 26, V. 12: „Und Isaak säete in diesem Lande und fand in diesem Jahre hundertfältigen Ertrag, denn Gott segnete ihn", entwickelte er ein Bild seiner Berufsthätigkeir und sonstigen Wirksamkeit auf allen Lebensgebieten an hiesigem Orte. Den obigen Text hatte Redner deßhalb mit besonderer Vorliebe gewählt, da dessen Vorname „Jizchak" lautet, nämlich m::r 12 pnx\ Wirklich hätte er keinen entsprechenderen Text wählen können. Diese Rede hier wiederzugeben, würde zu weit führen; bemerkt sei nur, daß dieselbe den nachhaltigsten Eindruck auf die Anwesenden gemacht und kein Auge thränenleer geblieben ist. — Nach der Predigt nahm Herr Dr. Rülf Abschied von der Gemeinde und allen ihren Angehörigen, und mit demGebcte für König und Vaterland al« letzte Amtshandlung, auch Abschied von seinem Amte. Nach dem Gottesdienste fand noch eine erhebende und ergreifende Abschiedsfeier in der von Dr. Rülf gegründeten und geleiteten Armenschule statt. Gesang der Kinder leitete die Feier ein, dann folgte eine Ansprache des Lehrers Herrn I. Arndt, dann Deklamationen u. s. w. Frühere und jetzige Schüler überreichten eine Adresse, die Schülerinnen eine Handarbeit, die kleinste der letzteren mit einem Gedicht einen prächtigen Blumenstrauß. Zuletzt wurde in dem Schulzimmer zur dauernden Erinnerung an den Scheidenden und Begründer der Anstalt ein Bildnis desselben aufgehängt. Die Feier, der auch die Vorstände der Gemeinde beiwohnten, erreichte erst nach 12 Uhr ihr Ende. Am Samstag Abend fand alsdann zu Ehren des Herrn Dr. Rülf im Hause des Herrn Rabbiners GabrielFeinberg eine außerordentliche General- Verfarnmlung des Vereins „Gemillut Chassodim", zu welcher sich etwa 100 Mitglieder eingefunden hatten, darunter auch Nichtmitgliede.r, statt. Die Versammlung, welche 2 Stunden in Anspruch nahm, hatte einen feierlichen, dabei familiären Charakter und bekundete den hohen Grad von Liebe und Verehrung, welchen Herr Dr. Rülf sich in seiner 32jährigen Wirksamkeit am hiesigen Orte bei seinen Gemeindemitgliedern erworben hat. — Herr Gerson Millner als Vorsitzender des Vorstandes eröffnete die Versammlung mit einer längeren Ansprache an dieselbe, worin er ausführte: Die Versammlung wäre dazu berufen worden, um dem Herrn Rabbiner Dr. Rülf bei seinem Scheiden aus seinem Amte und auS hiesigem Orte eine Ehrenbezeugung zu verschaffen. Er beleuchtete dann die Thätigkeit des Herrn Dr. Rülf auf dem Gebiete der „Gemillut Cheffed". Diese zeigte sich in der Fürsorge für die Glaubensgenossen sowohl hier am Orte, wie auch insbesondere für Diejenigen außerhalb der Grenzen dieses Ortes. Auf dem Gebiete der „Gemillut Ehessed", wie sie der Verein anstrebt, habe Herr Dr. Rülf besonders zur Zeit der Entstehung des Vereins gewirkt, indem er dem Vereinsvorstande seine Unterstützung hat angedeihen lassen, ihm Rathschläge ertheilend und seine kostbare Zeit demselben zur Verfügung stellend. Auf Beschluß des EhrenratheS wie des Vorstandes sei Herr Dr. Rülf zuvt „Ehrenmitglied" ernannt worden. Ein Mitglied des Vereins überreichte sodann einen in klassischer hebräischer Sprache verfaßten „Ehrenmitgliedsbrief" mit dem Motto: .12 npinn: 1-p ntsöi ym -ptr w „Wenn dein Bruder arm wird und seine Hand sinkt, so sollst du ihn stützen!" Herr Dr. Rülf ergriff das Wort zu einer kleinen Ausführung über die Bedeutung des Vereins, dessen Zweck jegliche öffentliche Wohlthätigkeit übertrifft. Anknüpfend an das Wort unserer Weisen, nach welchem die „Barmherzigkeit" rwvni das Losungswort und Erkennungszeichen des Juden sei, hebt er hervor, wie auch er sich stets als Jude gezeigt, ohne jemals seine Abstammung verleugnet zu haben. Gleichwie nach dem Zeugnisse der heil. Schrift alle Welt von unserem Erzvater „Jizchak" sagte, daß er der „Sohn des Abraham" war, ebenso hätte er der Welt gezeigt, daß auch er der „Jizchak, Sohn des Jehuda", war. crurr 12 pnsr). Er dankte alsdann dem Verein für die Ehrenbezeugung, die derselbe ihm erwiesen und wünschte demselben ein ferneres Gedeihen. Die Versammlung dankte dem Ehrenmitglied durch allseitigen Beifall. — Darauf ergriff Herr R elig ionsl eh rer Emil Benjamin daSWort, um die Bedeutung des Herrn Dr. Rülf auf schriftstellerischem Gebiete zu würdigen, die einzelnen Schriften Rülfs hervorhebend. Er hebt besonders die Bedeutung Rülfs als Philosophen hervor.

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