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Der Israelit · 1898-03-28 · Heft 25 (28.3.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 25 (28.3.1898)
Date
1898-03-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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472 Christen zu tödten. Auf eine angebliche Soharstelle, die gerichtlich als erlogen dargethan worden, sich berufend, erklärt der Autor (Pag. ‘61), das Buch- Sohar stellte es den Juden zur Aufgabe, die Christen zu tödten, und zwar nicht zu schlachten, sondern zu „erwürgen wie ein Vieh, da» man ohne Lärm und Geschrei löstet." Die ungeheure Maste des unwissenden Volkes glaubt heilig an die Worte ihres Priesters. Und man denke sich, wie sich ein Bauer oder gar ein Schüler dem Juden gegenüber geberden dürfte, nachdem er aus dem Munde des Geistlichen vernommen hat, daß es den Juden, mit dem er täglich zusammenkommt, verboten ist, das Denken an die Ausrottung der Christen je aufzugeben" (Seite 36), daß ihm die Pflicht auferlegt ist, seinen christlichen Mitbürger bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zu übertölpeln, zu betrügen, zu berauben und gar zu erwürgen. Aber der Verfaster glaubt noch nicht an einen Erfolg seiner Broschüre. Um also einen sichern Sieg zu erzielen, thut er sich noch über die Kutte das nationale Kleid an, wohl wissend, daß das nationale Gefühl das Herz eines jeden Polen am leichtesten in Vibration zu setzen vermag und erdreistet sich, seine Landsleute vor den Juden zu warnen, da die vierte Theilung Polens, die der jüdische Stamm vollziehen werde, viel schrecklicher und schändlicher als die früheren sein wird. Wenn man noch die schauderhaften Erzählungen über die jüdischen Ritualmorde und die Versicherung liest, daß die galizischen Juden nicht nur zum Abschlachten der christlichen Kinder, sondern auch zu einer völligen Vertilgung des autochthonen Volkes fähig sind, dann, glaube ich, muß sich eines jeden, sogar des von der Natur aus am mildesten gestimmten Polen eine furchtbare Entrüstung bemächtigen und der Gedanke in ihm aufsteigen: „Entweder wir oder die Juden!" Unter dieser Parole aber, die ein Prediger der Religion der Liebe ausgibt, ist das aufgereizte Volk zum Sengen, Brennen und Morden fähig und wähnt doch dabei schließlich nur in Verteidigung seiner eigenen Existenz zu handeln. Und das scheint der heißeste Wunsch dieses k. k. Gymnasialprofestors. Lasten wir ihn selber in seiner agitatorischen Sprache reden: „Wenn wir heute sogar einen Kreuzzug gegen die Juden veranstalteten, läge hierin nichts, was unserem Evangelium widersprechen würde; rückten doch einmal unsere Vorfahren gewaffnet gegen die Türken und Tataren aus und die heutigen Juden kommen den Türken und Tartaren, die einst in unser Vaterland Einfälle machten, völlig gleich. Aber predigt heute Jemand von uns einen Krieg gegen die Juden? Rein. Verlangt Jemand, daß man vermittelst Schwefel, Pech und Höllenfeuer ihre Synagogen in Brand setze, ihre Häuser zerstöre, ihnen die Baarschaft. raube und sie aus dem Lande wie tolle Hunde jage zur Ehre GotteS und des Christenthums? Rein. Sogar die deklarirten heutigen Antisemiten haben keinen einzigen Juden bisher todtgeschlagen. Und auch die Wiener Antisemiten, die am meisten den Judophilen ein Dorn im Auge sind, auch sie begingen an den Juden noch keinen Raubmord, keine Gewalt.* (Seite 67) Und darum verlangt der biedere Priester, die antisemitische Agitation möge sich noch reger gestalten, man möge „schreien, schreiben und sprechen" gegen die Juden, denn es handle sich darum: „Entweder wir oder die Juden! und „Fort mit den Juden!" — Rach alledem begreift man wohl, daß die Landbevölkerung mit offener Gewalt sich gegen die Juden wendet. Was in Wieliczka geschehen ist, kann heute oder morgen in zehn, in hundert Orten geschehen, denn die genannte Broschüre wird überall in Masten verbreitet. Personalien. Kempen, 24. März. Am 1. April scheidet aus seinem Amte der Rendant und Sekretär unserer Gemeinde, Herr Salomon Warslliauer. lieber 49 Jahre hat er in rastlosem Fleiß und mit erstaunlicher Umsicht der Gemeinde gedient. Sein Herzenswunsch war es gewesen, volle 50 Jahre sein Amt zu verwalten: die Abnahme seiner Kräfte aber — er ist 76 Jahre alt — hindert ihn daran. Herr W. ist ein Mann von herrlichem Charakter. Die Bewunderung und die Ehrfurcht aller, hat sein enormes Wissen im Talmud und in den profanen Fächern der Wissenschaft ihm verschafft, seine Bescheidenheit und sein Wohlrhätigkeitssinn sichern ihm Liebe und Verehrung, sein Pflichtgefühl und seine Redlichkeit erfordern höchste Anerkennung und Achtung. Für diesen Mann einen gänzlichen Ersatz im Amte zu schaffen, ist unmöglich; was er in einer Person verrichtet, muß nunmehr durch zwei gethan werden. Das Bewußtsein, seine Pflicht, ja mehr als diese die langen Jahre hindurch gethan zu haben, ist „Lohn, der reichlich lohnet". Jedoch will es sich doch auch die Gemeinde nicht versagen, ihre Dankbarkeit gebührend zum Ausdruck zu bringen. Wie es nicht anders zu erwarten war, wird das angebrochene 50. Jahr ihm als voll angcrechnet und im Ruhestand das volle Gehalt weiiergezahlt werden, und die Vorsteher und die Repräsentanten der Gemeinde. Männer mit Kops und Herz, werden ihm zu Ehren ein herrliches Fest veranstalten, lieber den Verlauf desselben wird s. Z. berichtet werden. Triest Der Herausgeber des „Corriere Jsraelitico" hier, Herr A. di. S. Curiel, har einen schweren Verlust erlitten, indem ihm seine Gattin Anna durch den unerbittlichen Tod entrissen wurde. Die Arme war schon seit drei Jahren bettlägerig, da sie einen Schlaganfall erlitten hatte, der ihr die Sprache und den Gebrauch der Füße raubte. Die Verstorbene mar eine Tochter des bekannten Hebräisten A. V. Morpurgo, Begründers der genannten jüdischen Zeitschrift und zeichnete sich durch besondere Bildung und Tugenden aus. Einen schönen Nachruf widmete der Heimgegangenen auch der verdienstvolle Notar unserer Cultusgemeinde, der auch als Hebräist gefeierte Dr. Barzilai (’?ro). rT'awn.

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