Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-03-28 · Heft 25 (28.3.1898) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 25 (28.3.1898)
Date
1898-03-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448882--45716-2496025
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

471 „Die Zeitschrift „Der Israelit" bespricht die Frage jüd. Reichstags-Kandidaturen. Wenn es aber nach dem „Israelit" ginge, würde nächstens auch das Cent rum jüdische Hospitanten bekommen. Die genannte Zeitschrift verlangt nämlich von den jüdischen Wahlkandidaturen, daß sie orthodox sein sollen, und der nationalliberalen oder einer der freisinnigen Parteien angehören. Auch das Centrum — so fährt das Blatt fort — wäre nicht zu verachten, wenn diese Partei, die schon evangelische Mitglieder hatte, auch ein jüdisches in ihrer Mitte ausnehmen wollte." Daß der „Elsässer" hier manche Ausdrücke gebraucht, die man vergebens in dem betreffenden Artikel des „Israelit" sucht, darf denjenigen, der den Elsässer" kennt nicht wundern, daß es dem „Elsässer" im höchsten Grade unangenehm wäre, wenn ein gesetzesireuer Israelit, der im Sinne und Geiste des traditionellen Judcnthums lebt und wirkt, Sitz und Stimme im Centrum des deutschen Reichstags hätte, darf denjenigen, der die Tendenz des „Elsäffer" kennt, ebenfalls nicht wunder nehmen. Wenn die evangelischen Abgeordneten des Centrums in dcu Augen des „Elsässers" keine Gunst finden, wie soll ein israelitischer Abgeordneter dieser oder jener Partei des deutschen Reichstags es wagen, der Sympathie des „Elsässers" sich erfreuen zu dürfen. Was aber der „Elsässer" mit der Notiznahme von dem im „Israelit" :Hr. 18, erste Beilage, unter der Ueberschrist: „Jüdische Parlamentscandidaturen" veröffentlichten Leitartikel bezwecken will, will mir nicht recht einleuchten. Was wird denn im genannten Artikel verlangt? Daß alle einflußreiche, deutsche, jüdische G aubensgenofsen dahin wirken sollen, daß die halbe Million deutscher Israeliten, welche nach ihrem innersten Empfinden und. ihrem Religionsgesetze streng tönigstreu sind, wenigstens einen Vertreter im Parlament haben sollen, der ein sozial unabhängiger, hervorragender Mann, ein religiös-denkender und -handelnder wissensreicher, glaubenstreuer Israelit, mit einem unantastbaren Charakter und großer Beredsamkeit ausgestattet sei, deffen Ausgabe darin bestehen soll, nebst der ihm obliegenden Pflichterfüllung als deutscher Volksvertreter, auch die Interessen seines Bekenntnisses und seiner Glaubensgenoyen wahrzunehmcn, den antisemitischen Lügnern ins Angesicht zu leuchten, unwahre Angriffe zurückzuweisen und für unser religiöses Bekenntniß und seine gesetzliche Gewährleistung jederzeit das Wort zu ergreifen. Run glaubt etwa der „Elsäffer", daß die halbe Million deutscher Wähler auf dieses, auf der Basis des Gesetzes beruhende Recht, zu Gunsten des „Elsässers" verzichten werden, weil ihm dieser, jedem rechtschaffenen Menschenfreund zusagende Plan, aus gewissen persönlichen Gründen, nicht behagt! Wer kennt denn überhaupt in Deutschland, nur dem Namen nach den „Elsässer?" gehört ja der „Elsässer" selbst im Elsaß zu den in den weitesten Kreisen unbekannten Winkelblättchen! Im Falle der „Elsässer" diese bescheidene Frage beantworten sollte, werde ich Ihnen die Antwort zukommen lassen. — Auf den Oberrabbiner Zadok Kahn in Paris ist der „Elsässer" auch nicht gut zu sprechen. Nachdem die Dreyfuß-Affaire von der Oberfläche bereits geschwunden ist, schreibt der „Elsässer" nachträglich ohne irgend welche Veranlassung folgendes Entengefchichtchen: OÖZadok Kahn, Oberrabbiner in Paris, der in der .Dreyfuß- Affaire eine nicht unbedeutende Rolle gespielt, ist Elsässer. Seine Wiege stand ru Mommenheim, wo er bis zu seinem 14. Lebensjahre bei seinen armen Eltern weilte. Er trat unumwunden für die Freisprechung seines Landsmannes und Glaubensgenossen Dreysuß ein, und aus diesem Grunde drohte ihm die französische Negierung mit der Gehaltssperre. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. B. Wieliczka. liebetdie Ursachen Der jüngsten, gegen unsere Glaubensgenossen verübten Exzesse, wird der «Oesterr. Wochenschr." aus Krakau geschrieben : In Krakau und Umgebung wird seit Monaten eine intensive anttsemitische Agitation entwickelt. Die Bauern werden auf verschiedene 'Weise aufgchetzt und insbesondere die Stadtbewohner in die Reihen der christlich-sozialen Partei getrieben. Diese Agitation, welche mit allen möglichen gesetzlichen und ungesetzlichen Mitteln arbeitet, wurde in der allerletzten Zeit auch in die Schulen verschleppt. Es wurde von einem katholischen Priester in Krakau, M. I., eine besonders für die Jugend bestimmte Vroschi'ue unter dein Titel „Die Geheimnisse der Juden" veröffentlicht, die gegenwärtig beim Unterricht, ohne vom Landesschulrath approbirt zu se n, als Lehrbuch an Stelle des Katechismus dient. Es stöbt fest, daß in Podgorze im k. k. Staatsgymnasium der Kaiechet Tomasik den Schülern aus der genannten Broschüre vorträgt und sie die beachtensmerthen Stellen notiren läßt, daß die Katecheten Kraapr iu der Volksschule für Mädchen d..selbst und MattbäuS Jez im St. Anna-Gymnastnm zu Krakau dieselben colportirten. Dieselbe Broschüre wurde von deni Reichsrathabgeordneten Szponder in Wieliczka verbreitet. Der Autor derselben hat sich nicht nennen wollen und nur die Anfangsbuchstaben seines Vor- und Zunamens auf das Titelblatt gesetzt: M. I. Es ist dies der Katechet am k. k. Staats-Obergymnasiu.n bei St. Anna in Krakau, P. Matthäus Jez, ein hier bekannter antisemitischer Agitator. Der Verfasser wiederholt die gerichtlich gebrandmarkten Lügen Rohling'«, Deckert's und Drach's und behauptet, daß es den Juden als eine heilige Pflicht auferlegt sei, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.