Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1898)
- Date
- 1898-03-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448881--45704-2496012- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
460 biner Paneth, ein Ei, beschrieben mit dem hohen Lied, dann mehrere Urkunden von Kaiser Karl VI., Maximilian I. und der Kaiserin Maria Theresia, aber als Gegenstand, der nur in diesem Museum erscheint, sei die Hagada von Herlingen, kais. königl. Hosbibliothekschreiber in Wien, 1738 besonders hervorgehoben, da dieselbe nebst außerordentlich schöner Schrift auf Pergament prachtvolle Federzeichnungen aufweist, die später als Grundlage für alle Hagadas dienten. Die Büchersammlung imponirt überaus; wir finden eine 900 Werke enthaltende Bibliothek, meist hebräischen Inhaltes, die der Maler K ohn aus dem Nachlasse seines Vaters spendete, dann ist es ein in Silberfiligran gearbeiteter Einband eines audem Jahre 1714 stammenden Gebetbuches, das uns fesselt, ferner Bücher diversen Inhaltes, so dieUebersetzung von Mendelssohn. Als historisch-denkwürdigster Gegenstandistjedoch die Kugel, das todtbringende Geschoß zu bezeichnen, das am 13. März 1848 den Univerfitäishörer Heinrich Spitzer, dessen Porträt früher genannt ward, niederstreckte und dann gibt es noch Objekte, die alle sehenswerth sind, allein diesen Bericht zu weitläufig gestalten würden. Wir glauben in vorstehenden Zeilen eine Anschauung des jüdischen Museum» gegeben zu haben, dessen Existenz geradezu ein Bedürfniß ist und wünschen wir den thatkrüftigen Männern, die an der H»itze stehen, auch fernerhin viel Glück zu ihrem schönen, gottgefälligen und menschlichen Wirken, das ihnen zum Stolze, dem Judenthum zur Ehre gereicht! E. I. «Literarisches. Hirsch, Zionismus. In diesem Vortrage ist ein wahrhaft erlösende» Wort gesprochen. Die Unklarheit und Verwirrung über den Standpunkt, den das gesetzestreue Judenthum dem Zionismus gegenüber einzunehmen hat, ist in aller Kraft und Kürze beseitigt. Mit der Schärfe de» Blicke» eint sich geistvolle Behandlungsweife. Der Vortrag knüpft an einen Cyclus von Vorträgen „Ueber die Propheten in Israel", die den Inhalt de» jüdischen Bewußtseins und seiner Beziehungen zur Menschheit behandelten. Beim Zionismus ist an die Stelle dieses wesentlich religiösen Bewußtseins ein auf Stammeszugehörigkeit berufendes Nationalgefühl getreten. So innig nun das gesetzestreue Judenthum mit dom Zionsgedanken verbunden ist, so steht es aber dem Zionismus ablehnend gegenüber. Den Grund dieser frappirenden Erscheinung legt der Vortragende meisterhafter Weise unwidersprechlich dar. Diese Darlegung bildet den Kern de» Vortrages; sie zeigt auf Grund des Bibelworte», daß der Untergang des alten jüdischen Staates aus der Verleugnung der ihn konstituirenden Gesetze erfolgt, und daß der Neubildung eines jüdischen Staates erst eine Regenerierung der Judenheit auf dem Boden des jüdischen Gesetze« vorangehen muß, daß diese Neubildung aber am allerwenigsten zur Voraussetzung die Ideen haben kann, auf denen der Vorkämpfer des Zionismus in seinem „Judenstaat" diesen Staat errichten will. Letzteres wird durch kritische Besprechung einiger Hauptsätze des „Judenstaates" dargethan. Der Redner berührt auch die Utopie der zionistischen Idee aus praktischem Gesichtspunkt, hat aber unter diesen Umständen nicht nöthig, ernst darüber zu kontroversiren. Einleitend behandelt der Vortrag die Entstehung des Zionismus im östlichen Europa und seine durch den Antisemitismus hervorgerufene Pflege in den westlichen Culturstaaten. Wärmste Sympathie wird hier den Bestrebungen der Zionismus entgegengebracht, die auf die Erleichterung der Lage der unglücklichen Juden in Rußland rc. abzielen. Nur ist die Lösung dieser Aufgabe nicht auf den Wegen der zionistischen Staatsidee zu suchen. Der Schluß feiert die symptomatische Bedeutung de» Zionismus. Die Enkel und Söhne derer, deren Ideal Assimilirung mit den Nichtjuden war, werden sich ihrer jüdischen Herkunft wieder mit Stolz bewußt! „Das ist das Wehen des Weltengeistes." Jft's auch bisher nur eine Rückkehr zur Juden heit, so darf man, mindestens für die kommenden Geschlechter, auf eine Rückkehr zum Judenthum hoffen. Die Sprache des Vortrages ist ebenso edel, al« begeistert. _ Ueber die Meile der rituellen Bescbneidmg- Unter obengenanntem Titel hat der P.A. Dr. P. Münz in Nürnbergin der medizinischen Wochenschrift zu München, Nr. 9, 1898, eine vorzügliche Arbeit erscheinen lassen. (Separatabzüge sind gleichfalls im Verlage der „M. M. W.“ erschienen.) Herr Dr. Münz wendet sich gegen die Angriffe des Herrn Professors Pott, der in seinem Aufsatze „Ueber die Gefahren der rituellen Beschneidung („M. M. W.“, 25 Jan. 98) zur Gründung von „Antibeschneiduugsvereinen“ auffordert. Herr Dr. Münz erbringt, gestüzt auf wissenschaftliches Material den Beweis, dass die rituelle Circumcision sich in vielfacher Beziehung als hygienisch heilsam erweist und reichen Segen stiftet; dass sie gegen die häufig auftretende katarrhalischen Entzündungen der Eichel (Balanitis) gegen mechanische Locesionen des Praeputiums, gegen venerisehe Infectionserkrankungen als vorzügliches Mittel der Prophylaxis sich bewährt hat; ferner, dass die Entfernung der Vorhaut den Heilprozess bei venerischen Er-