Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-03-24 · Heft 24 (24.3.1898) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 24 (24.3.1898)
Date
1898-03-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448881--45703-2496011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

AahrgMK. Imeite KrUaye M M 24 tos Jfemltt“. KeuMeto«. eint KtMt io ILSisihtn Mnstno in Wen. Er ist eine unbestrittene Thalsache, daß die derzeit allüberall herrschende antisemitische Bewegung sehr viel dazu beiträgt, die Judenschaft in den Ländern, insbesondere aber der Stäote enger aneinanver zu schließen, den Sinn für die Religionsgenoffenschaft in Kreise zu bringen, die bis vor wenigen Jahren von ihrer Confesston beinahe nichts wiffen wollten, sowie das Jnrereffe für jüdische Angelegenheiten und Institutionen anzuregen und zu entfachen. Namentlich wir in Wien, der Centrale des Antisemitismus, können in dieser Beziehung anderen Städten zum leuchtenden Vorbild dienen, die Großen unter unseren Glaubensgenossen gravitiren nicht mehr, oder mindestens nicht in dem Maße, wie früher, zu den Gegnern, ste haben mehr Anhänglichkeit an unsere Genossenschaft und selbst die Drohungen, die wir im Vorjahre so oft gehört, wegen der seitens der Vorstandes der Cultusgemeinve durchgeführten, ziemlich bedeutenden Steuererhöhung aus dem Judenthum zu scheiden, haben sich nicht eingestellt und die Mttglieder haben sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß die erhöhten Lasten ja nur zu Gunsten unserer Gemeinde entrichtet werden. Es ist dieser Moment umso berücksichtigenswerther, als doch viele Körperschaften und gemeinnützige Vereine und Institutionen hierdurch erhöhte Subvention erhalten und hier ist es wohl am Platze, des „jüdischen Museums" zu gedenken, das eine Lücke auszufüllen bestimmt ist, die bereits tief empfunden wurde. Bor vier Jahren war eine kleine Anzahl von Männern zusammengetreten, die sich in der Liebe zur Kunst und Wissenschaft, sowie in der Pietät für die Vergangenheit des jüdischen Volkes vereinigt haben, um eine Stätte zu gründen, welche die Gründung eine» jüdischen Museums veranlassen sollte, da« die historischen Denkmäler, die Erzeugnisse der Kunst, Literatur und Wissenschaft, soweit sie auf die Culturgeschichte der Juden Bezug haben, aufbewahren sollte und fürwahr, nach manchen Fahrnissen und Ueberwindung zahlreicher Hindernisse präsentirt sich das Museum nunmehr in einer Art und Weise, daß man füglich sagen kann, die mit der Leitung betrauten Herren haben bisher sehr viel geleistet und hoffentlich werden sie auf der Bahn, die sie eingeschlagen, rüstig vorwärtsschreiten. Wenn wir die bescheidenen Räume betreten, so fesselt uns gleich die große Anzahl von Portraits, die wir da finden; e» sind darunter solche von Berthold Au erb ach, Michael Be er, Giacomo M e y e rb e e r (mit einem Facsimile, das aber echt ist), C r eurieux, Dr. AdolfFischhof, Dr. Adolf Jellinek (in mehreren Stellungen), Eduard Laster, Dr. S. Mosenthal, Prof. Dr. Adam Politzer, Meyer Rothschild (der Ahnherr der Familie), Heinrich Spitzer, daerste Opfer im Jahre lö48, Prof. Salomon Sulzer, sowie die hervorragendsten Rab^ biner des In- und Auslandes. Die graphischen Darstellungen nehmen ebenfalls einen anständigen Platz ein, es sind deren ca. (iü, meistentheils Geschenke des Vicepräsidenten der Gesellschaft, Herrn Prof. Dr. Aoam Politzer. Neben diesen seien auch die Darstellungen aus dem religiösen und bürgerlichen Leben der Juden erwähnt, die gleichfalls eine erkleckliche Anzahl bilden. Weiters sind es Abbildungen von Bauwerken, die unser Interesse erregen, so z. B. der Synagogen in Prag, Stockholm, Lück (Rußland), Venedig, ferner sind photographische Aufnahmen des Prager Ghetto vorhanden, da« bereits der Demolirung anheimgefallen ist. Abklatsche von Grabsteinen, Landkarten und Stadtplänen, namentlich aus Palästina gewähren uns Einblick in einst gewesene Zeiten, und hier ist wohl der richtige Ort, auch eines im Besitze des Museums befindlichen Steines zu gedenken, der au« der Omar- Moschee stammt, die bekanntlich vor Plünderung Jerusalems jüdische Hauptsynagoge gewesen. Dieser Stein ist deßhalb historisch, weil auf deinselben der Hohepriester am Versöhnungstag das Mußaphgebet verrichtete und au« diesem Grunde werden wir bei Anblick desselben in eine von heiliger Scheu durchwehte Stimmung versetzt. Menoras aus Silber und Messing sind mehr als zwölf vorhanden, aus verschiedenen Jahrhunderten herrührend, ebenso Gewürzbüchsen, Sabbatlampen und Gemmen, dann gibt es Sever-Schüsseln aus Majolika aus Padua, Pesara und Faenza, die in den Jahren 1532—1/30 angefertigt wurden, auch sehen wir solche aus Metall. Als interessante Gegenstände seien erwähnt, ein Schofar, dessen Alter mehrere Jahrhunderte datirt, dann eine Judenkappe mit Gold- und Silberstickung, aus dem Jahre 1tr87 stammend, Kiduschdecken und Thoramäntel und Vorhänge. Die Handschriften-Abtheilung ist sehr reichhaltig, eS finden sich acht seltene Kethubaths, deren älteste in das Jahr 1714 fällt, ferner eine Kaballa 1534, mehrere Megillahs in verschiedener Ausführung und Jahrgängen, zwei Thora-Rollen, u. z. aus Geresch- Znaim und von dem mährischen Ober-Landes-Rabbi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.