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Der Israelit · 1898-03-24 · Heft 24 (24.3.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 24 (24.3.1898)
Date
1898-03-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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pfiehlt sich im Interesse der Konsolidirung unserer Anstalt. Je besser die Anstalt finanziell gestellt ist, desto umfassender und segensreicher kann sie sich an dem Werke jüdischer Barmherzigkeit und Nächstenliebe betheiligen. Unwahr ist, daß unsere Ersparnisse auf Kosten armer Kranken erfolgen. Diese Ersparnisse werden ermöglicht durch die reichen Schenkungen, welche uns in einem von Jahr zu Jahr steigernden Maße zu Theil werden. Diese Schenkungen sind zugleich ein Beweis des edlen, uneigennützigen Sinnes der Geber, welcher humanitäre Bestrebungen zu würdigen und thatkräftig zu unterstützen weiß. Sie sind jedoch gleichzeitig eine Kundgebung des Vertrauens, daß die Gelder in unserer Anstalt eine den Absichten der Geber entsprechende Verwendung finden. Das Vertrauen zu der Verwaltung und guten Einrichtung unserer Anstalt ist in allen Schichten der hiesigen Bevölkerung ein tiefgewurzeltes und reicht weit über den Kreis unserer Glaubensgenossen hinaus. Wir dürfen mit Befriedigung konstatiren, daß unsere Anstalt auch von zahlreichen Angehörigen anderer Religionsbekenntnisse srequentirt wird, sowie, daß uns Unterstützungen keineswegs blos von jüdischer Seite zufließen. Wir sind für jede Mittheilung berechtigter Beschwerden dankbar und stets gerne bereit, etwa vorhandenen Mißständen nach Kräften abzuhelfen. Wir bür feit aber auch andrerseits verlangen, daß man uns mit offenem Visire und mit ehrlichen Waffen entgegentritt. Angriffe, wie der im „Israelit" erschienene tragen weder zur Festigung des Friedens nach innen, noch zur Erhaltung des Ansehens des jüdischen Namens nach außen, bei. Die Verwaltung des Krankenhauses aber wird, unbeirrt durch allerhand Anwürfe, fortfahren ihre Pflicht zu thun, im Dienste der Humanität und Wohlthätigkeit, den Kranken, vor allem auch den unbemittelten Kranken beispringen und weiß sich bei ihrer Thätigkeit getragen von der Beistimmung der Mitglieder und dem Vertrauen der weitesten jüdischen und nicht-jüdischen Kreise. — Emanu el Schnurmann, Mitglied des Verwaltungsrathes des Israelitischen Krankenhauses, Straßburg i. E. Oester r.-U n g a r. Monarchie. Nikolsburg. In der Debatte der Generalversammlung der Wiener Chewra - Kadischa griff auch Herr B. Kanitz ein und erzählte, daß in Nikolsburg eine Chewrah-Sudoh nie stattgefunden habe. Es ist von allgemeinem Interesse, so schreibt der Unterzeichnete an Dr. Bloch, Näheres darüber zu erfahren. Mein lieber Amtsgenosse, Rabbi Josef Knöpfmacher, ein prächtiger Greis von 84 Jahren, dem Gott das Leben und die geistige und körperliche Jugendkraft erhalten möge, weiß 452 darüber Folgendes zu sagen: Die Chewra-Kadischa bildete seit jeher den Stolz der Gemeinde. Die vornehmsten Männer standen an ihrer Spitze und die Frömmsten und Reichsten machten sich die größte Ehre daraus, dem Vorstande anzugehören. Die Chewra-Sudoh, welche noch vor wenigen Jahrzehnten alljährlich stattfand, war ein Ereigniß für die ganze Gemeinde. Vor 60—70 Jahren fand dieselbe am Abende des letzten Peßachlages statt. Dieser Tag war der Chewra-Kadischa gewidmet. Die ganze Gemeinde war freudig erregt. Am Nachmittage durchzog eine feierliche Prozession die Judengasse. Die Mitglieder der Chewra, mit den Gabboim an der Spitze, zogen in Festgewändern, mit Mäntelchen und Dreimaster bekleidet, einher; voran ging eine Schaar von Kindern, deren jedes ein Silbergeräth stolz in den Händen trug; Becken, Krüglein, Kronen, Thoraschmuck, glänzende Pokale, Schüsseln, Schalen, Alles aus den Schätzen der Synagogen und der Chewra; auch der Chewrakrug, aus dem beim festlichen Mahle der Wein geschenkt ward, wurde mitgetragen. Dieser Krug ist ein Schaustück. Sein Deckel aus Silber ist geziert mit einer Gruppe, welche die Mittohträger mit der Bahre darstellt. Die Augen der Knaben glänzten vor Stolz und Glückseligkeit und sie schwangen die kostbaren Geräthe wie Trophäen in ihren kleinen Händen. Die Alten gedachten wohl wehmüthig des Triumphzuges des Titus, in dem die köstlichen Geräthe des heiligen Tempels in Jeruscholajim von den schadenfreudigen Siegern stolzirend einhergetragen worden waren. So durchschritt dieser Zug die Judengasse von einem Ende bis zum anderen. Das war am Nachmittag. Am Abende stürmte dann die wilde Jagd nach dem „Chomezigen Borchu" durch die Judengasse. Nach Awdoloh aber vereinigten sich die Mitglieder der Chewra zur Sudoh. Zahlreiche Ehrengäste wurden geladen; Alles, was Rang niid Stellung hatte, drängte sich heran, denn an diesem Abende wurden neue Mitglieder angeworben. Und es galt als hohe Auszeichnung, ausgenommen zu werden. Das reiche Mahl wurde durch erbauliche Reden gewürzt und Ernst und Scherz wechselten in bunter Folge. Das süße Thorawort wurde vernommen und die Talmudisten ließen ihr Geistesfeuerwerke sprühen. Man sprach aber auch von den heiligen Pflichten der Bruderschaft und schilderte die wundersame Befriedigung, welche dieses ernste Amt dem Betheiligten gewähre. — Groß war immer die Zahl der Neuangeworbenen. R. Joseph selbst erinnert sich, einen silbernen „Jad" in Händen hoch getragen zu haben; und stolz war er darauf, als wäre es ein Königsscepter. So war es einmal. Die herzerwärmende Poesie und Seelentiefe ist aus der Judengaffe geschwunden. Ob

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