Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1898)
- Date
- 1898-03-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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410 meinheit jedoch einen schweren Schaden zufüge. Er befestige die maßgebenden Kreise in ihren Gewohnheiten den Juden gegenüber und verringere die Möglichkeit einer Besserung, die natürlich so lange ausbleiben müsse, als man Juden durch den Glaubensübertritt die Vortheile erreichen sehe, die sie sich ohne denselben verscherzen würden. Er stellte ihm vor, wie er in der Advokatur doch auch ein reiches Feld zu schöner, zufriedenstellender Thätigkeit finde, und dabei nicht nöthig hätte, sich einer feigen Fahnenflucht schuldig zu machen. Denn einer solchen komme sein Entschluß gleich, in einer Zeit, wo man den Juden wegen ihrer Religion die Rechte verkümmert, sich dieselben durch Abwerfung des Judenthums zu verschaffen. Er möge sich doch an ihm ein Beispiel nehmen. Er besitze doch auch Ehrgeiz genug, um die höhere Carriere einzuschlagen; er glaube doch auch, in der Advokatur nicht das letzte Ziel seiner Wünsche zu erblicken. Aber nun und nimmermehr werde er auch nur ein Jota von dem preisgeben, was er als wahr und recht erkannt, um sich den ersehnten Vortheil sicher zu stellen- Es war alles vergebens. Julius Hohenthal wies all diese Einwände mit dem einen Bemerken ab, daß er in seinem Innern kein Jude sei und darum nicht einsehe, weshalb er es äußerlich bleiben solle, wenn ihm das Schaden verursacht. Ja, er wußte sogar mit einer Art sophistischer Selbstentschuldigung seinen Entschluß als einen durchaus konsequenten, eines freien, gewissenhaften Menschen würdigen, hinzustellen. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Boae». Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch E. /> Ktrtuacker, Leipzig, fivßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die4spaltige Petitzelle oder deren Raum. Preis tot Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland wtfr Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Girre Rfickseuduus der au dis «edattiou eiugesaudte« Marruscripterr findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Lopie zurückzuvehatten. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Hagadah schel Pesach. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Aachen. München. Schwcinfurl. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Krakau. Prag. Italien: Mailand. Türkei: Salonichi. — Vereinsnachrichten. — Personalien. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart. Von Arnold Mann. (Fortsetzung.) Anhalt der ersten Beilager Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Straßburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Nikolsburg. Brünn. — Sprechsaal — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Feuilleton: Eine Stunde im jüdischen Museum in Wien. — Literarisches: Hirsch, Zionismus. — Ueber die Vortheile der rituellen Beschneidung. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstratze Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. daß der carrierendurstige Reffe von ihm ganz darnach erzogen war, um sich aus einem Glaubensübertritt durchaus kein Gewissen zu machen. Religion besaß er ohnedies nicht. Wäre er nicht ein Thor gewesen, rein äußerlich in einem Bekennlniß zu verharren, welches ihm den Zugang zu seinen Idealen verschloß, während ihm doch ein rein formeller Uebertritt, der ihn ja in seiner Lebensführung zu keiner Aenderung verpflichtete, diesen Zugang weit, weit öffnete?! Julius hatte denn auch kein Bedenken geäußert, als er hörte, wie die Sachen stünden, sondern sich rundweg und ohne viel Besinnen zu dem — in seinem Sinne — rettenden Schritt entschlossen. Jetzt zum ersten Male kam es zwischen den beiden Freunden zu ernsten religiösen Auseinandersetzungen. Schlesinger war starr, als er den Entschluß des Freundes vernahm. Das hätte er doch nicht geahnt, daß Julius von allen religiösen Gefühlen derart entblößt sei, um sich dazu zu entschließen. In dem erstaunten und zugleich empörten Jüngling erwachte die ganze Kraft der religiösen Begeisterung, von der er erfüllt war, nun um so mächtiger, je eifriger er den Freund auch den letzten Rest dessen preisgeben sah, was ihn noch an die Religion seines Stammes knüpfte. Und mit dieser Kraft der Begeisterung suchte er Julius Hohenthal in seinem Entschluß wankend zu machen und ihn von dem, wie er sagte, „charakterlosen" Schritte zurückzuhalten. Alle Kunst seiner Beredsamkeit wandte er auf, um dem Freunde das Verächtliche seines Thuns klar zu machen, um ihn davon zu überzeugen, daß er sich zwar persönlich einen — übrigens immer noch zweifelhaften — Vortheil verschaffe, der Allge- Hierzu zwei Beilagen