Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1898)
- Date
- 1898-03-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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446 währt sich aber erst durch die That, und daß Max Nord au piven legt, erscheint uns nicht recht glaubhaft. Herr Besthof schlug nun eine Resolution zur Annahme dahingehend vor, daß wir uns mit den Zielen des Zionismus einverstanden erklären, so weit der Zionismus die Gründung einer Heimstätte für die unglücklichen russischen Juden bezweckt, und keinen Judenstaat gründen will. Was aber die ideale Seite des Zionismus anbelangt, verweisen wir auf unsere Thora, die schon zu weit gefährlicheren Zeiten uns Selbstvertrauen gegeben, und schließlich erklären wir, daß wir uns innig freuen, daß der Zionismus einige verirrte Brüder zum Judenthum zurückgeführt hat. Herr W o l f s o h n beantragte nun, daß es deutlich erklärt werde, daß wir annehmen, daß der Zionismus nicht die Gründung eines Judenstaates bezweckt, denn die B e st h o f' s ch e Resolution enthält eine Mißtrauenserklärung. Die Resolution wurde nun dahin abgeändert, daß wir aus dem Baseler Programm ersehen, daß die Gründung eines Judenstaates nicht bezweckt werde und erhielt dieselbe nunmehr folgenden Wortlaut: „Tie Anwesenden erklärten ihre volle Sympathie mit der zionistischen Bewegung, soweit solche darauf abzielt, den unglücklichen jüdischen Glaubensbrüdern aus dem Osten ein mknsctienwürdiges Dasein zu schaffen und nehmen aus den Ausführungen des Referenten davon Akt» daß die Bildung eines jüdischen Staates in dem zionistischen Programm nicht enthalten ist. Was die ideale Seite betrifft, nämlich die Hebung des Selbstbcwußtseins bei den Juden, so ist die Versammlung der Ansicht, daß das geeignete Mittel dazu die unvcrküizte Erfüllung des altüberlieferten von unfern Vätern unter weil traurigeren als den heutigen Verhältnissen vertheldigren Judenthums bildet, und soweit die zionistische Bewegung auch bei dem so lange dem Väterglauben entfremdeten Theile unserer Stammesbrüder die Liebe zum Judenthuni auf's Neue zu erwecken geeignet ist, begrüßen wir diese Bewegung mit Freuden." Nur sehr wenige von den Nichtzionisten stimmten dagegen, denn der größte Theil enthielt sich überhaupt der Abstimmung. Nun noch einige Bemerkungen zu dem Schlußworte des HerrnDr. Bodenheim er aus Köln. Herr Dr. Bodenheimer befindet sich in einem großen Jrrthum, wenn er meint, daß man eine derartige Bewegung ohne die Religion überhaupt in Betracht zu ziehen zu einem glücklichen Ende führen könne. Bei uns Juden war immer Staat und Religion in innigem Connex. Unsere Lehre läßt sich nicht in die Kirche bannen, denn unsere Thora ist lebengestaltend. Wenn wir eine Heimstätte für Juden gründen wollen, müssen wir in erster Reihe dafür sorgen, daß Alle brave Juden werden, denn sonst ist an kein gedeihliches Zusammenwirken zu denken. Religiöse Streitigkeiten wären immer an der Tagesordnung, und die blutige Hyäne des Bruderkrieges würde gerade bei den Juden zu dem eigenen Verderben führen. Wir können also nicht einmal der Gründung einer Heimstätte für die russischen Juden beistimmen, wenn nicht gleichzeitig dafür gesorgt wird, daß die Colonisten einmüthig das Banner der heiligen Lehre Hochhalten. Aachen. Wenn Ihr sehr geschätztes Blatt nur äußerst selten sich um hiesige Angelegenheiten kümmert, so ist dies leider sehr erklärlich! Was sollte auch viel Gutes von hier zu berichten fein! — Ein Vorkommniß aus jüngsten Tagen dürfte immerhin einiges Interesse erregen und zugleich ein Streiflicht auf die hiesigen jüdischen Zustände werfen. — Seit beinahe zwei Jahren haben hiesige der orthodoxen Richtung angehörende Gemeindemitglieder, in Anbetracht des Reformgottesdienstes in der hiesigen Synagoge, ein besonderes mit zwei d'-ied ausgestattetes Betlokal eingerichtet, und wurde ununterbrochen dieser Gottesdienst von etwa zwei Minjonim, nach altherkömmlichem Ritus unter Vorlesung der ganzen Sidra, welches Amt der am hiesigen Schlachthofe angestellte am» versah, in würdiger Weise ausgeführt. Diese Einrichtung wurde mancherseitS um so freudiger begrüßt, als an den jomin hanauroim (aber auch allerdings nur an diesen) bei dem übel füllten Gottesdienste in hiesiger Synagoge, ein Platz nur für schweres Geld zu erlangen ist. — Schon glaubte man hoffnungsvoll in die Zukunft blicken zu dürfen, als der Neid einen schlimmen Streich spielte. Dem hiesigen Rabbiner Dr. JauluS war die kleine religiöse Genossenschaft ein Dorn im Auge und so verbot er, man höre und staune! unserm nup iw2 unter Androhung des Verlustes seines Schächter- AmteS, die fernere Ausübung seiner heiligen Funktion in unserem Betlokale, so wie auch jede Beteiligung an unserem Gottesdienste. Ob dieser Machtspruch mit oder ohne Wissen des hiesigen Gemeinde-Vorstandes ergangen ist, wissen wir nicht. — Von diesem Schlage betroffen, hätte schon gestern, wenn nicht gerade der Gottesdienst, wohl aber das korrekte Vorlesen der Thora ausfallen müssen, wäre nicht durch einen anderen Kundigen jene Stelle ersetzt worden. Hoffen wir denn auch in Folge Hilfe zu bekommen! — — Wie ist aber jene Handlungsweise eines Mannes, der sich 21 nennen läßt, zu bezeichnen? München, ‘20. März. Von der Verwaltung der israelrtischen Cultusgemeinde in München erhalten wir folgende Zuschrift: „Wie in den Vorjahren gestatten wir uns auch heuer wieder. Sie zu ersuchen, Ihre Leser im redaktionellen Theile Ihrer geehrten Zeitschrift auf die dahier bestehende „Hermann und Jettchen Müller'sche Allgemeine Wohlthätigkeitsstiftung" aufmerksam zu machen." Aufgabe der Stiftung ist a) Die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehungs-, Unterrichts- und WohlthätigkeitSzwecke, sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des JudenthumS. d) Die Unterstützung