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Der Israelit · 1898-03-24 · Heft 24 (24.3.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 24 (24.3.1898)
Date
1898-03-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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445 nügen, um gebührend Gottes Allmacht zu schildern. Wir singen unser Lied am Seder bis zum Schlußbuchstaben des Alphabets vwori robrw -pin nsto pppn iv mr, bis zum Lobgesang der Vollkommenen, die den Herrn preisen als machtvoll in der Herrschaft, als Stütze, wie es die Halachah zeigt. Dann rufen wir aus aterva roon nmb. Heute noch sind die Räume der Halachah die Stätte, wo die Allmacht Gottes am vollkommensten erkannt wird. O, daß wir das Glück hätten, im nächsten Jahre schon im wiedererrichteten Tempel auf Moriah ein Zeichen der göttlichen Allmacht und Herrlichkeit zu schauen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten «nd Gorrespondenre« Deutschland. HK. Frankfurt a. M. Am Montag, den 21. d. M., fand im Saale des Kaufmännischen Vereines eine stark besuchte zionistische Versammlung statt. Rechtsanwalt Dr. Schauer aus Mainz hielt eine einstündige Rede; eine Apologetik des Zionismus. Viel Neues haben wir aus dieser Rede nicht entnommen, sie war wie alle zionistischen Reden, wenn auch nicht unergründlich, so doch ungründlich. Auf die Anklagen, die von orthodoxer Seite gegen den Zionismus erhoben werden, restektirte er gar nicht; und doch sind diese Einwände die triftigsten. Im Uebrigen verrieth Herr Zionist Dr. Schauer eine geradezu verblüffende Unkenntniß der jüdischen Geschichte; so z. B. sagte er im höchsten Pathos: „Wir wollen unseren armen Brüdern die Heimath geben, wo die alten Zedern Libanons einst auf unseren Lehrer Moses geblickt." Moses mag vielleicht die Zedern von Weitem gesehen haben, mir ist es aber unbekannt, daß die alten Zedern je Moses zu Gesicht bekommen hätten. Nach der Rede Dr. Schauer's fand eine lebhafte Diskussion statt. Als Erster von den Gegnern der zionistischen Bewegung sprach Lehrer Ehrmann aus Friedberg. Er erklärte, daß er als Zionist älterer Observanz die Colonisationsbestrebung gutheiße, aber er sagte, wir Juden seien keine Nation, da wir keine gemeinsame Sprache reden, denn hebräisch verstehen sehr Wenige. Wenn wir diesen Beweis auch nicht gelten lasten können, da wir der Ansicht, daß wir Juden eine Nation sind, beipflichten, so dürfte doch der Umstand, daß die Juden keine einheitliche Umgangssprache haben, bei der Ansiedlung erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Hierauf entspann sich nun ein Streit, ob 9/io der russischen Juden hebräisch sprechen, oder blos y,o. Kenner der russisch-jüdischen Verhältniffe behaupten das Letztere. Hierauf fragte Herr Grünwald, ob der Zionismus blos die Gründung einer Heimstätte für die unglücklichen russischen Brüder bezwecke, oder ob auch die Gründung eines Judenstaates beabsichtigt werde. Herr Dr. Schauer antwortete, daß im Baseler Programm blos die Gründung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für die unglücklichen Brüder im Osten als Ziel hingestellt werde; ob sich nun daraus ein Judenstaat entwickeln werde, das sollen wir der Zukunft anheimstellen. Wir haben gewichtige Gründe, dieser Versicherung keinen Glauben zu schenken. Was heißt denn öffentlich-rechtlich? Völkerrechtlich soll es nicht heißen, denn das wäre ja der Staat. Es soll also blos eine Garantie von den Mächten verlangt werden, daß sie die Juden unbehelligt lasten werden. Wie soll aber diese Garantie beschaffen sein? Auf ein einfaches Versprechen kann man sich doch nicht verlassen, denn wir haben genug Beweise für die Skrupellosigkeit der europäischen Diplomatie, namentlich in Bezug auf Versprechungen. Also um die neue Heimstätte öffentlich-rechtlich zu sichern, müffen wir völkerrechtliche Sicherung haben, und das ist ja wieder der Staat. Ferner, wenn nur den russischen Juden geholfen werden soll, warum klagen denn alle Zionisten über die geistige Judennoth im Westen? Herr Wolfsohn aus Köln sagte selbst, wir müffen den russischen Juden helfen, sei es auf welche Weise immer, mögen wir es Staat oder Heimstätte nennen. Warum sagen nun die Zionisten nicht heraus, daß sie den Judenstaat wollen? Warum verschanzen sie sich hinter dem Advokatenkniff Herzl's, der das Wort öffentlich-rechtlich juristisch zurecht gedrechselt hat? Sie sollten doch wenigstens sagen, welche Garantien für die Sicherheit diese öffentlich-rechtliche Heimstätte bietet. Herr Jsaac Mainz sagte, es giebt ein kleines Buch, p’ar ny» genannt, man pflegt sich dessen um die Mitternachtsstunde zu bedienen, um über die Zerstörung Jerusalems zu klagen, haben die Zionisten je sich zur Erde gesetzt, um über den Verlust des Heiligthums zu weinen? Sie wissen doch gar nicht wie Zion auf hebräisch geschrieben wird. Wie können wir orthodoxen Juden mit den Zionisten gemeinsame Sache machen, wenn unser Glaube so verschieden ist. Die Kämpfe zwischen Reform und Pflichterfüllung würden im neuen Staate ganz gewaltige Dimensionen annehmen, und jede ruhige Entwickelung wäre gestört. Nur wenn wir Alle auf dem Boden des traditionellen Judenthums stehen, jenes Judenthums, das der einzige Träger unserer Nationalität die Jahrtausende hindurch gewesen, kann an eine gemeinsame Action gedacht werden. Herr Goitein erwiederte hierauf, daß alle Zionisten an Gott glauben, und Dr. Herzl ist von Gott gesandt. Allerdings auch Herr Goitein ist von Gatt gesandt — die zehn Plagen in Egypten waren auch von Gott gesandt —. Was soll das aber heißen, daß alle Zionisten an Gott glauben? Glaube be-

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