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Der Israelit · 1898-03-21 · Heft 23 (21.3.1898) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 23 (21.3.1898)
Date
1898-03-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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440 “. -:•.’" - -iv^irj^wwiajgiy» ar Pentateuch und die Uebersetzung ins Deutsche. Diese Sprache galt auch den nach dem schwarzen Tod nach Polen ausgewanderten Juden als die obligate Ueberfetzungssprache. Das erste gedruckte hebr. - deutsche Wörterbuch zur Bibel ist 1534 in Krakau erschienen. Der Bibelurterricht begann mit dem Opferbuche, gemäß der Ansicht, daß die Reinen (Kinder) zuerst mit dem Reinen (Opfer) sich beschäftigen sollten. Bei der Bibellektüre wurde eine gewisie Sangweise beobachtet, die im Unterschiede von der synagogalen, welche Trop genannt wurde, Stubentrop hieß. Beim Bibel- Unterrichte wurde zuerst die Bedeutung des einzelnen Wortes gelehrt, dann der Zusammenhang des Verses, endlich der Zusammenhang des Inhalts eines Abschnittes. Seit Erscheinen des Raschikommentars wurde dieser ein unumgängliches Schulbuch sür den reiferen Schüler. Dieser ging nach Absolvirung des Thorapensums zur Mischna und zu leichteren Talmudparthien über. Wenn nun auch noch das Gebetbuch übersetzt war, so war der Lehrstoff des Elementarunterrichts erschöpft. Der Lehrer -rete war in der Regel nickt von der Gemeinde bestellt, sondern von einer Anzahl von Eltern. Er besorgte auch die Schulstube nn, die gewöhnlich einen Theil seiner Wohnung bildete. Für arme Kinder sorgten die T. T.-Vereinc, deren es in jeder Gemeinde einen gab. Es kam aber auch vor, daß diese Vereine oder auch die Gemeinde für den Unterricht sorgten. An diesem öffentlichen Unterrichte nahmen auch Kinder bemittelter Eltern Theil. Rach dem Gesagten beschränkte sich die Schul- und Unterrichtspflicht nur auf die männliche Jugend. Der Mädchenunterricht war vollständig Privatsache und wurde durch Privatlehrer besorgt, die von einem oder mehrere für ihre Töchter engagirt wurden und erstreckte sich nur auf Lesen, Schreiben und Kenntniß der täglichen Gebete. Da es aber auch damals gelehrte Frauen gab, so haben sich die Mädchen nicht immer auf dieses Pensum beschränkt, sondern sich weiter ausgebildet. Das Rechnen war ke n eigentlicher Unterrichtsgegenstand, wurde aber reiferen Knaben nebenbei gelehrt, da sür das Verständniß gewisser Talmudparthien arithmetische und geometrische Kenntniffe erforderlich sind. Es machte aber auch der Handel, der fast einzige Erwerbszeig, rechnerische Gewandtheit nothwendig. Der Unterricht im Deutschen und deutsche Lektüre war verpönt. Daher war auch Deutsch schreiben eine nicht häufig vorhandene Fertigkeit. Das beweisen zahlreiche in städtischen Archiven befindliche Urkunden über mit Christen abgeschloffene Käufe und Verkäufe. Diese Urkunden sind in hebr. Sprache und Schrift abgefaßt und mit hebr. Namensunterschriften versehen. Manche Juden allerdings müssen sich die Kenntniß des Deutschen uud der deutschen I Literatur angeeignet haben, denn fast die gesammte i deutsche Heldensage wurde von Juden selbstständig in Versen und Prosa für Juden bearbeitet. Diese mit hebr. Zeichen in deutscher Sprache abgefaßt, also jüd.-deutschen Helden- und Sagenbücher, fanden unter den Juden sehr eifrige Leser. Der höhere Unterricht erstreckte sich auf das ganze Talmudgebiet, aber auch nur darauf. Er wurde vom Rabbiner oder einem andern ansässigen Gelehrten unentgeltlich ertheilt. Es betheiligten sich Knaben nach erlangter religiöser Mündigkeit, aber auch andere junge Leute und auch Verheirathete. Die Schiurim beabsichtigten, in ruhiger sachlicher Diskussion uud Disputation das Verständniß des Talmuds zu erschließen und die Schüler anzuleiten, sich selbstständig Urtheil und Entscheidung über zweifelhafte, religiöse Vorkommnisse zu bilden. Ferner suchte der Vortragende aufstoßende Fragen zu beantworten und Widersprüche auszugleichen. Auf diese Weise ergaben sich Zusätze "LLm, die später wieder einen Lehrstoff bildeten. Was bisher gesagt, gilt von einer Zeit, die man als die 1. Periode des jüd. Erziehungs- und Unterrichtswesens in Deutschland bezeichnen kann. Diese Periode reicht etwa bis zum Reformationszeitalter. Ueber die pädagogischen Ansichten der Lehrer dieser Periode, über die Grundsätze, die für Erziehung und Unterricht maßgebend waren, gibt uns das „Buch der Frommen" wi'Ln 7LL, des Rabb. JehudaChassid Aufschluß,aus dem dasReferatinteressanteStellen enthält. Die zweite Periode reicht vom Zeitalter der Reformation bis Mendelsohn und ist eine Periode des Rückgangs, verursache durch die seit dem schwarzen Tode herbeigeführten Verfolgungen. Zu Anfang dieser Zeit ist allerdings der Unterschied zwischen christl. und jüd. Bildungswesen noch kein wesentlicher. Während dann aber der Humanismus das Schulwesen der Christen aus eine neue wissenschaftliche Grundlage stellte, blieben die Juden davon ganz unberührt, so daß nicht nur eine immer größer werdende Kluft zwischen dem christlichen und jüdischen Bildungswesen entstand, sondern auch das jüdische Bildungswesen an sich selbst immer mehr verfiel. Ueber den Elementarunterricht folgt nun ein Auszug aus den Statuten des Talmud-Thora-Vereins zu Krakau vom Jahre 1639, wo die Gemeinde aus deutschen Juden bestand. Ueber die Ursache des Verfalls gibt der Lehrer Moses b. Aron aus Mähren im Jahre 1635 verschiedene Uebelstande an, die hier übergangen werden sollen, ebenso die Klagen des Salomon Luria, um 1500 über die Meister. Die dritte Periode reicht von Mendelsohn bis zur gesetzlichen Anerkennung der politischen und bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden, also vom Ende des 18. Jahrhunderts bis gegen 1850. Es ist die Zeit, in welcher das Bestreben der Juden, Anschluß an die Zeitbildung zu erlangen, immer weitere

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