Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1898)
- Date
- 1898-03-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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SBei* jteraelit. Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. Atätter für die israek. Schute. 21. März 1898.] '*>■ [Mr. 4. Israelitischer Lehrerverein für das Königreich Bayern. Generalversammlung, abgehalten zu Ansbach. (Amtlicher Berich t). (Schluß aus Nr. 2.) Aus dem herrlichen, mit großem Fleiße ausgearbeiteten Vorträge des Herrn Lehrer Plaut sei., Burapreppach, soll hier ein kurzer Auszug gegeben werden: Seit den ältesten Zeilen hat es Juden in Deutschland gegeben. Die erste urkundlich beglaubigte Nachricht vorn Aufenthalt der Juden in Deutschland ist ein Dekret des Kaisers Konstantin vom Jahre 3 2 berr. die jüd. Gemeinde in Köln. Es scheint sestzustehen, daß die Gemeinden von Köln, Mainz nno Worms im eiginlllchen Denischland dre ältesten sind. Seit der Übersiedlung der Gelehrtenfamilie Kalonymos aus Lucca nach Mainz, die nach einigen in der Zeit Karl des G.-oßm und sogar aus dessen Veranlassung, nach anderen etwas später statlsand, emstanden nach und nach berühmte Gelehrtenschulen in Mainz, Worms, Sp per, Köln, Nürnberg, Negcnsbnra, Magdeburg und Merseburg. In der ältesten Zeit war durch die Sonderstellung der Juden die Ausbildung oder Festhaltung eines besonderen jüd. Erziehungs- und Unterrichlswcsens ebenso berechtigt, wie geboten. Es beschränkte sich fast ausschließlich aus das relig. Gebiet. Da aber auch das christliche Biloungswcsen dieser Zeit aus sicherer Grundlage ruht, so best-ht eine unverkennbare Gleichmäßigkeit zwischen jüd. und christl. Brloungswesen. Der der jüo. Religion durch die Thora ausgeprägte, lehrhafte Charakter bewirkte, daß keiner des Verständnisses der Thora ermangelte, daß daher des hebr. Lesens und Schreibens Unkundige fast niemals vorkamen. Es wurde ferner durch diesen Charakter der Religion der Stndiengang bestimmt, der von einem Elementarunterrichte ausging und in einem höheren Unterrichte endete. Was den Elementarunterricht betraf, so wurde der Knabe mit einer besonderen Feierlichkeit im Alter von 5—0 Jahren am Wochensefte dem Unterrichte zugeführt. Er wurde in festlicher Kleidung in die Synagoge vor die auf dem Almemorpulte ausgebreitete Tyora geführt, aus welcher der Dekalog vorgelefen wurde. Sodann wurde er dem Lehrer übergeben. Dieser nahm den Knaben aus den Arm und setzte ihn zum Unterrichte nieder. Der Knabe erhielt eine Tafel, aus welcher die 4 ersten und die 4 letzten Buchstaben des hebr. Alphabets, sowie mehrere hebr. Verse verzeichnet waren. Der Lehrer nannte die einzelnen Buchstaben, die dann der Knabe, wie alles, was auf der Tafel stand, nachsprechen mußte. Die Tafel war mit Honig bestrichen, den das Kind ableckte. um gleichsam die Süßigkeit der Lehre zu kosten. Ferner erhielt bei dieser Feierlichkeit der Knabe einen Honigkuchen, auf dem verschiedene Bibelverse standen. Der Lehrer las mit dem Knaben alles, was auf Tafel, Kuchen und Ei stand und nach Beendigung der Lektion bekam der Knabe Kuchen und Ei, sowie Obst. Er mußte auch einige Worte nachsagen, die ihn gegen die Vergeßlichkeit schützen sollten. Zuletzt führte man ihn ans Wasser, weil die Thora mit dem Waffer verglichen wird und mit Bezug auf Prov. 5, 10. Der eigentliche Unt.richt begann mit dem Buchstabiren. Das Alphabet wurde in gerader und umgekehrter Reihenfolge gelesen, wobei auch die einzelnen Buchstaben, mittelst verschiedener Kombinationen zu Wörtern verbunden wurden, um denr Gedächtnisse rrachzuhelfen. Um diesen Anfangsunterricht interessant zu machen, wurden die Buchstaben in ihrem Wortsinne oder nach ihrer Zahlenbedeutung gefaßt und so das ganze Alphabet als eine fromme Unterweisung gelehrt. Man sagte etwa k, d. h. lerne, 2, die zwei Lehrer, die drei Theile der hl. Schrift u. s. w. Konnte der Schüler lesen, so begann die Lektüre des