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Der Israelit · 1898-03-21 · Heft 23 (21.3.1898) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 23 (21.3.1898)
Date
1898-03-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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430 Semiroß zu singen, keine Mazzos zu essen und niemals wieder erblickte er die stille Sukkah mit den vielerlei Früchten, den vergoldeten Nüssen und den rothglänzenden Ketten aus frischen Hagebutten — Alles anders, viel, viel anders wie zu Hause, und lange nicht so schön. Die Jahre vergingen und Julius Hohenthal wuchs heran. Er stieg die Klassen des Gymnasiums empor und machte schließlich zu neunzehn Jahren mit der Gesammtnote „gut" das Abiturienteneramen. Die religiösen Bilder aus dem Vaterhause waren längst verblaßt und stiegen kaum noch einmal, traulich winkend, in des Jünglings Seele empor. Die Erziehung Steinhard's hatten das Nöthige gethan, unl alle Spuren der religiösen Herkunft hinwegzuwischen, auf die der Knabe noch manchmal sehnsüchtig zurückgeblickt hatte. So kam es, daß Julius, als er nach selig durchschwärmter Mauleselzeit die Universität Heidelberg bezog, in religiöser Beziehung vollauf den Wünschen des Onkels entsprach. Julius wußte nichts weiter, als daß er von jüdischen Eltern herstamme; alles andere war vor der mörderischen Erziehungskunst des Onkels zerstoben gleich der Spreu im Winde. Eine Erinnerung an die Heimath allerdings traf Julius auch in der Universitätsstadt an. Es war sein Landsmann Emil Schlesinger. Mit großen Opfern halten Schlesinger's Eltern es ermöglicht, ihren Sohn ftudiren zu lassen; er hatte in Heidelberg selbst im Hause der Frau Dr. Reghcimer, einer älteren Wittwe, die sich ein kleines Mädchenpensionat hielt, für billiges Geld Aufnahme gefunden und dort das Gymnasium absolvirt. Wie groß war die Freude der beiden Jugendfreunde, als sie sich endlich fanden, nachdem jeder von ihnen in den Universitütsverzeichnifsen den Namen des anderen gelesen hatte. Sie hatten beide die Jurisprudenz zu ihrem Studium erwählt und arbeiteten viel zusammen. Schlesinger machte den Freund auf tausend Schönheiten der wunderbaren Landschaft aufmerksam, in der die alte Musenstadt gelegen ist, und führte ihn an schönen Sommertagen manchen verlorenen Steg in die Berge hinein, wo sie im Schatten der Bäume Erinnerungen austauschten und Zukunftsplüne schmiedeten. In den ersteren spielten Anfangs der verwachsene Aron Bär eine große Rolle, der in ihrem Heimathsort ihr Schul- und Spielgenosie gewesen war, ein stiller, fast verschlossener Junge, von dem sie beide nichts mehr gehört hatten, seit sie in die Fremde gezogen waren. Er war von armen Eltern, die sogar von der kleinen jüdischen Gemeinde erhalten und unterstützt wurden, weil ihr Erwerb lange nicht zur Ernährung der zahlreichen Familie — sie hatten sechs Kinder — ausreichte. Warscheinlich war Aron Bär Kaufmann geworden, vielleicht auch war er gar gestorben, denn schwächlich war er immer gewesen.- (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Donnerstag. 24. März, 1. Nisan, ttnn twn. Freitag, 25. März, 2 Nisan. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr 30 Min. Samstag. 26. März. 3 Nisan, tnp’l. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 7 Uhr 35 Min. — Berlin 7 Uhr 8 Min. — München 7 Uhr 13 Min. — Hannover 7 Uhr 25 Min. — Stuttgart 7 Uhr 30 Min. - Prag 7 Uhr 5 Min. - Straßburg 7 Uhr 35 Min. — Posen 6 Uhr 54 Min. Der „JSraelit" erscheint wScheatlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens z»et Vogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjahrlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch E. $. -trinacker, Lrtpstg, Mvßpiatz IS. — Inserate 25 Pfennig die4spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis dar Zeile im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für'S Ausland 16 ReichS-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung der an die Redaktion eingesandten Manuscripten findet nicht statt, man dittet deshalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalte«. Inhalt (Hanptblatt). Leitender Artikel: Sudermann's Johannes und das Berliner Tageblatt. Von S. Frankfurter, Wesel. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. Italien: Rom. Rußland: Moskau. Palästina: Jerusalem. — Vermischtes — Feuilleton: Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart. Von Arnold Mann. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilager Feuilleton: Jüd. L»ben u. Wirken in Transvaal. — Zeitungsnachrichtenu. Correspondenzen: Deutschland: Erfurt. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. Montpellier. Rußland: Petersburg. Türkei: Salonicki. — Vermischtes. Inhalt der Pädagogischen Beilager Israel. Lchrerverein für das Königreich Bayern. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottftraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hier)« zwei Beilagen

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