Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1898)
- Date
- 1898-03-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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427 waarenhandlung, aus welchen die Gesetzestreuen unter unseren Glaubensgenossen ohne Bedenken ihre Bedürfnisse decken könnten. Die vorhandenen Geschäfte dieser Art sind sämmtlich am Sabbat geöffnet, so daß für das Kaschrut der in denselben verkauften Maaren keinerlei Gewähr besteht. Einem leistungsfähigen Manne, der Referenzen von orthodoxen Rabbinern besitzt, wäre günstige Gelegenheit geboten, durch Eröffnung einer Fleisch- und Murstwaarenhandlung sich hier ein gutes Absatzgebiet zu verschaffen und zugleich einem dringenden Bedürfniß in der Gemeinde abzuhelfen. J. Oest err.-Ungar. Monarchie. E. Wien, 14. März. Das „Deutsche Volksblalt" brachte einen Bericht über den kaufmännischen Ball, wo von jüdischer Zudringlichkeit gesprochen und erzählt wird, daß die anwesende hohe Persönlichkeit den Vicepräsidentcn, der die Kühnheit hatte, seine Braut vorzustellen, ignorirte 2c. re. Bemerkt sei, daß die Braut des Ballkommitee-Obmannes Pollazek, der sich große Verdienste um den Ball erworben und dessen Braut im Fräuleinkomitee wirkte, nicht von ihm, sondern vom Vicepräsidenteu Popper vom kaufmännischen Vereine, durch den alle Vorstellungen an Se kaiserliche Hoheit erfolgten, vorgestellt wurde und daß der Erzherzog die Braut sehr liebenswürdig begrüßte. — Herr Pollazek erhielt am nächsten Tag einen sehr liebenswürdigen Brief des Oberhosmeisters F. M. L. Baron Wimpssen. der im Auftrag Se. kaiserlichen Hoheit Erzherzog Ludwig Viktor als Erinnerung an den Verlobungstag ein kostbares goldenes Service übersandte- — Christlich-sozialer Unwahrheit stellte sich fürstliche Vornehmheit als Dementi entgegen. Commentar überflüssig. ü. Prag. Anläßlich des 50-jährtgen Negier,mgjubiläums unseres Kaisers sind von den israelitischen Cultusgemeinden Böhmens bisher 10 122 fl. 88 kr. gezeichnet worden und zwar mit folgender Bestimmung : Für den Lehrerpensionsfond 3 898 fl. 66 kr., für den allgemeinen Pensionsfond für israelitische Cultusbeamte 3 441 fl. 66 kr. und ohne spezielle Widmung 411 fl. 90 kr. Die Repräsentanz der Landesjudenschaft widmete zu einem in einer späteren Sitzung näher zu bezeichnenden Wohlthätigkeitsakte 5000 fl. Italien.? Rom. Ein jüdischer Offizier, Samaja David, ist einer der letzten Italiener, der für Auszeichnungen auf den afrikanischen Schlachtfeldern eine Belohnung erhalten. Bei einem Gefecht, welches kurz vor der Uebergabe Kaffalas dort zwischen den Italienern und den Derwischen stattfand, verrichtete der junge Unterlieutenant Wunder der Tapferkeit, wofür er jetzt vom König eine silberne Medaille erhielt. Das königliche Dekret bei dieser Verleihung preist die Tapferkeit und Geschicklichkeit des jungen David. — In diesen Tagen starb in Venedig ein Veteran der Revolutionskämpfe von 1848. Sylvio Olper war ein Verwandter des Oberrabbiners Olper, der 1848 von der Kanzel seiner Synagoge aus die jüdischen Jünglinge aufforderte, bei der Befreiung des Vaterlandes zu helfen. Rußland. V. Moskau. (M i l i t ä r d i e n st.) „Die Juden versuchen er, sich dem Militärdienst zu entziehen." Dieses Märchen, welche» zur Zeit in anderen Ländern nicht mehr existirt — wo es durch ebenso falsche ersetzt wird — besteht noch in Rußland und wird geglaubt wie die Bibel, obgleich tausende Male nachgewiesen wurde, daß die Juden infolge einer mangelhaften Errichtung der Civilftandrregifter, viel mehr Soldaten liefern als sie es sollten; daffelbe wird in den Zeitungen aufgewärmt, so oft bei dem Rekrutenaufruf konstatirt wird, daß jüdische junge Leute bei dem Appell fehlen. Der Workhod erklärt noch ein Mal auf Grund von Beweisen, wie diese Unregelmäßigkeiten Zusammenhängen und wie viel Aergernisse sie für die schulolosen Familien im Gefolge haben. Kaum haben die Bureaux zum Aufruf der Rekruten den Appell an dieselben beendet, und schon kommen aus verschiedenen Ortschaften de» Territoriums Klagen über die bedauernrwerthen Vorgänge, die sich immer wieder erneuern, allemal die Folgen der unregelmäßigen Führung der Geburtsregister bei den Juden. So meloet man aus Talnoye, daß alle Juden die mehrfache Berechtigung geltend machen konnten, um militärfrei zu sein, eingestellt wurden, weil die Rekrutirungslffte, die nach den Geburtsregistern aufgestellt worden, noch die Namen von 18 jungen Israeliten trugen, die seit lange verstorben sind. In Zwenigorod gelang e» den Juden, sich von der Lokalpolizei den Tod von 23 jungen Israeliten bescheinigen zu laffen, die noch auf der Appellliste standen. In Damno! dagegen weigerte sich die Polizei, eine Untersuchung zu veranstalten, infolge dessen wurden 11 junge Leute eingestellt, die auf Freisprechung vom Militärdienst Anspruch hatten, wiederum an Stelle ihrer verstorbenen Kameraden. Da die Zahl der Verstorbenen indessen 43 betrug, so geschah es, daß noch 29 junge Leute beim Appell fehlten. Natürlich haben die Zeitungen wieder weithin verbreitet, daß sich das jüdische Element dem Militärdienst entzieht. So &tetettlbemtjtt>et benachbarte'.Bezirke/ Zwenigorod und Dampol^die Erscheinung, daß die Polizei in dem ersten sich dazu bequemt, die Todenlisten