Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1898)
- Date
- 1898-03-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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425 über das Gesalzene — der sollte unrein sein?!" Nun fragen wir, wer kennt im Judenthum heilige Waschungen? Welches Gesetz gebietet uns, am Sabbat wie ein Grabstein dazusitzen, und was wird da von zwei „Segnungen über Gesalzenes" gesaselt? Seinen ganzen Zorn ergießt aber der Verfasser sowohl wie sein Gewährsmann über die Pharisäer, die an den Straßenecken beten und ihre Almosen ausposaunen lassen." Dabei aber verbieten uns jene Schriftgelehrten auf das energischste jedes Prahlen und Ausposaunen unserer Religiosität. Ihre Wohlthätigkeit zeigt sich aber im schönsten Glanze, wenn uns der Talmud erzählt, daß eben diese „Pharisäer" ihre Almosen derart gaben, daß weder sie den Empfänger kannten, noch der Empfänger sie. Sie ließen nämlich auf den großen freien Plätzen Geld hinter sich fallen, so daß die Armen, welche sich später dort einfanden, es finden mußten. Es würde zu weit führen, wenn wir auf alle die Einzelheiten eingehen, alle die Entstellungen und Unrichtigkeiten rügen wollten, von welchen seine Abhandlungen strotzen. Das Angeführte möge genügen um darzuthun, wie leichtfertig Herr Kappstein zu Werk gegangen, und wie grenzenlos unrecht es von einem liberalen Blatte ist, solche den ohnehin genugsam geschürten Nacenhaß verschärfenden aller Wissenschaftlichkeit entbehrenden Abhandlungen seinen Lesern zu bieten. Ein Wort aber noch über das Schauspiel! Dasselbe hat gleich nach seiner ersten Aufführung einander sehr widersprechende Beurtheilungen erfahren, unter anderen auch von dem Recensenten, der in gleichem Verlage wie das Berliner Tageblatt erscheinenden Berliner Morgenzeitung. Fast will es uns scheinen, als sollte dafür die besprochene Abhandlung das Stück und sein Renommee rehabilitiren. Eins wird aber jedem Kunstkenner auffallen, das ist der Jargon-Ton, in dem Sudermann seine Volkstppen reden läßt. Jener soll, wie man deut. lich bemerkt, die Charakteristik verschärfen und den Figuren einen satyrischen Beigeschmack geben. Es ist solches aber weder motivirt, noch genial. Mit demselben Rechte müßten unsere Dichter, wenn sie Franzosen, Engländer oder andere Nationen auf die Bühne bingcn, die Satz-Construktion dieser Ausländer nach ihrer Sprache bilden. Hat aber Sudermann eine Jargon-Comödie schaffen wollen, dann hätte er diese Methode bei allen von ihm geschilderten Personen konsequent durchführen müssen. Stellen wir nun zum Schlüsse einen Vergleich zwischen Sudermann's „Johannes" und dem im vorigen Jahrhundert geschaffenen Lessing'schen „Nathan der Weise" an, und denken wir über die Ansichten nach, die beide Schriftsteller bei Abfassung ihrer Werke gehegt, und welche Wirkungen sie erzielt haben, so werden wir unser Urtheil in den Worten zusammenfassen können: „Wie herrlich weit hat es doch die deutsche Dichtkunst innerhalb hundert Jahren gebracht!" ZettttttgSnachrichten und Correfpondenzen: Deutschland. ER. Berlin, 18. März. Die heutige Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wurde mit der Bewilligung eines Beitrages von 80 M. zur Peßachkost für die in Cottbus stationirten jüdischen Gefangenen eröffnet. Als dringend wurden zwei Schreiben des hiesigen RabbinatS verlesen. Die Herren Dr.Dr. M a y b a u m und R o s e n z w e i g erklären die späte Abhaltung eines zweiten Gottesdienstes am Freitag Abend ohne besondere Agende als religiös unzulässig, während die Herren Dr.Dr. Stier und Weiße der Ansicht sind, man möge dem religiösen Bedürfnisse Vieler genügen und versuchsweise einen solchen mit PredigtZnach der^Tefilla abhalten. Herr Geheimrath Blumen thal beantragt hierauf die Berathung über den G.meindehaus- Halts-Etat für 1838/1801 so lange auszusetzen bir das NormalbesolvungSetat vorliegt. Die persönlichen Slreitigkeiten übergehe ich, da Herr Geheimrath Blumenthal seinen Antrag-zurückzieht.^ Man tritt in die Berathung ein. — Sämmtliche Titel der Einnahmen werden ohne Debatte erledigt, ebenso bei den Ausgaben Titel I Zinsen, Titel II Amortisation, Titel III Gehälter, Remunerationen und Pensionen werden der geheimen Sitzung überwiesen. Bei Titel IV Gottesdienst wird zunächst beschlossen, die^Gebüh« ren für Trauungen von 80 M. auf 85 M. und bei auswärtigen Personen auf 50 M. zu erhöhen. Für die hohen Feiertage werden den Mitgliedern der Synagogenchöre Gratificationen von je 15 M. gewährt. Ueber die Gehälter der Synagogendiener und Minjanleute wird in geheimer Sitzung verhandelt. Für die alte Synagoge wird für Besoldung der Chorknaben eine Erhöhung von 800 M., für Ausbesserung der Thorarollen 1882 M. beantragt. In Betreff der neuen Synagoge wird Alles in die geheime Sitzung verlegt. Zur Verstärkung des Knabenchores in der Kaiserstraße werden 800 M. und für Erhöhung der VeleuchtungSkosten 3000 M. beansprucht, ferner für die Erhöhung der Feiertagsunkosten in der Lindenstraße-Synagoge 4OO M. — Für die Synagoge in der Lützowstraße beantragt der Vorstand für das Jahr 1888 die Summe von 80,000 M., für die Jahre 1300—1901 40,000 M. als muthmaßlichen Zuschuß. Herr Geheimrath Blumenthal bittet mit der Bewilligung so lange zu warten, bis eine Revision des Gebetbuchs in gesetzestreuem