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Der Israelit · 1898-03-17 · Heft 22 (17.3.1898) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 22 (17.3.1898)
Date
1898-03-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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416 den Hafenstädten, wenn es gilt neugelandete arme Glaubensgenossen zu unterstützen und ihnen ein Fortkommen zu sichern. Vor etwa einem Jahre hatte ein deutscher Unternehmer Johannesburg's in London 54 polnisch-jüdische Schneider zu 5 Mark Tagelohn angeworben — der weiße Arbeiter erhält sonst durchschnittlich 95 Mark — und nach Kapstadt befördern lasten. Aber dort erfuhren sie, daß sie bei diesem Lohne angesichts der in Transvaal herrschenden Theuerung nicht bestehen konnten und setzten die Reise nach Johannesburg nicht fort. Innerhalb dreier Tage hatte die jüdische Gemeindeverwaltung für dieselben Stellung gefunden und sie außerdem mit allem Erforderlichen zum Betriebe einer genostenschaftlichen Schneidereiwerkstätte ausgestattet. In neuerer Zeit hat man überhaupt versucht, polnisch-jüdische Handwerker zu Produktivgenoffenschaften, auch zu Kapitalvorschüsten zu verhelfen, wodurch man sie dem Ausbeuterthum entzieht und selbstständig macht, so daß sie die Früchte ihrer Arbeit ungeschmälert genießen. S. Ka l t—Reuleaux. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland. Goden (Taunus). In der Jsr. Kuranstalt daselbst, fand diesmal eine glänzende Purimfeier statt. Um 1 Uhr Mittags haben sich, sowohl die Patienten, als auch die aus Frankfurt hier eingeladenen Gäste in dem schön geschmückten Speisesaal eingefunden. Der Leiter der Anstalt begrüßte die Versammelten auf's Herzlichste und ertheilte hierauf Herrn Emil Rosenwaffer das Wort zur Festrede. Derselbe, ein Schüler des Herrn Rabb. Dr. Horowitz, hielt eine geradezu ergreifende Rede. Athemlos lauschten die Zuhörer seinen Worten. In meisterhafter Weise verstand es der junge Redner, den H a m a n als die personifizirte Krankheit darzustellen, die durch das Wort und den guten Rath eines Mordechai zu rechter Zeit und an rechter Stelle zu vernichten sei. Hierbei wies der Vortragende auf bestimmte Personen hin, die geradezu ihr ganzes Leben und Streben der Anstalt opfern, und bezeichnete die eine als Esther und die andere als Mordechai. Besonders waren die Schlußworte in das Herz der Zuhörer gedrungen, da konnte man sogar einiges Schluchzen vernehmen bei den Worten: „Sie werden wie neugeboren jedes nach seiner Heimath zurückkehren und werden an das vielgepriesene Soden, in welchem, ich darf es sagen, Sie einen schönen Kindertag verlebt haben, zurückdenken. In dieser feierlichen Stunde habe ich keinen anderen Wunsch für Sie als daß Sie jeder, gesund und frei von den Banden und Festeln, die Ihren Körper umschließen, nach Hause zurückkehren mögen." Nachdem der Redner geendet hatte, ist er allseitig beglückwünscht worden. Es sprachen sodann noch einige Herren der Anstalt. Um 5 Uhr verließen die Gäste die herrliche Tafel, um sich zum nmv-Gebet zu begeben. Um 8 Uhr erreichte das Fest seinen Höhepunkt. Vor einem dichtgedrängten Saale ging der Vorhang in die Höhe, und stürmischer Beifall folgte einer jeden Piece. Da mochten die Schicksalsschläge einen noch so schwer getroffen haben, keine Widerwärtigkeit dieser Welt hielt Stand, es schöpfte jubelnd ein jeder aus dem unversiegbaren Born echter gemüthvoller Fröhlichkeit. Personalien. Nieder-Weisel (Oberheffen.) Eine weite Lücke hat wiederum der Tod gerissen in eine Familie und Gemeinde. Unser Lehrer und Führer (1. Vorsteher), der hier von seinem 19. Lebensjahre bis kurz vor Jahresfrist seines Amtes waltete, Herr H. Heinemann, weilt nicht mehr in unserer Mitte. Noch vor wenigen Jahren erfreute er sich der kräftigsten Gesundheit. Jedoch plötzlich und unerwartet traf ihn eine schwere Krankheit, die ihn wochen- und monatelang ans Bett feffelte und immer tückischer auftrat. Am vergangenen Dienstag Morgen (an») nach harten Kämpfen machte der Tod seinem edlen Streben und Wirken ein Ende. Er erreichte das Alter von 51 Jahren. Während seiner 32jährigen Thätigkeit in hiesiger Gemeinde und in den verschiedenen Filialen benützte er die Gelegenheil, nicht nur mit den Kleinen zu lernen, sondern auch die Alten zu belehren. Gar manchen Streit hat er geschlichtet, gar manchen Haß in Liebe und Freundschaft verwandelt. In seinem Amt als 1. Vorsteher trug er insbesondere Sorge für die Instandhaltung der religiösen Institutionen. Vieler Wittwen und Waisen nahm er sich als hilfegewährender Vater an, viele Arme und Bedürftige verlieren in ihm einen Freund, Helfer und Rathgeber. Achtung, Liebe und Anhänglichkeit erwarb er sich in allen Kreisen. Davon legte seine Beerdigung am Donnerstag Nachmittag den trefflichsten Beweis ab. Von den verschiedensten Gegenden waren Freunde, Kollegen und einstmalige Schüler herbeigeeilt, um dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisen. Auch der hiesige Kriegerverein, sowie noch verschiedene Vereine, denen er als Mitglied angehörte, fast alle Einwohner des ganzen Dorfes, konnte man im Leichenzuge sehen. Auf dem Friedhofe trug Herr Rabbiner Dr. H i r s ch f e l d— Gießen das n’on iwi vor und ergriff mit bewegter Stimme, von einem Verse der dieswöchentlichen Sidra

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