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Der Israelit · 1898-03-17 · Heft 22 (17.3.1898) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 22 (17.3.1898)
Date
1898-03-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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;*sgjiq»yp?*w?'y?^sg»gyww««^*S9i^^ 417 ausgehend, das Wort. In meisterhafter Weife fchilderte er die vielen edlen Eigenschaften des Verblichenen, sowie sein unermüdliches Schaffen und Wirken, stellte der Gemeinde vor Augen, welch' großen Verlust sie erlitten und spendete Trost der hart betroffenen Familie. Herr Lehrer Spiro—Butzbach, seitheriger Vertreter des Verstorbenen, nahm in längerer Rede schmerzerfüllt Abschied von seinem Kollegen. Herr Lehrer W e r t h e i m e r—Heldenbergen, Vorsitzender des Jsr. Lehrervereins im Großherzogthum Hessen, gab in gleichfalls längerer Rede den Gefühlen des Schmerzes Ausdruck, indem er vor circa 10 Jahren in hiesiger Gemeinde das 25jährige Dienstjubiläum des Verstorbenen milfeierte und heute im Namen des Lehrervereins den letzten Scheidegruß seinem Herrn Kollegen zurufen muß. Zum Schluffe dankte der Schwager des Verewigten den verschiedenen Vereinen und allen Mitfühlenden für die reiche Betheiligung. Nach Beendigung der Trauerfeier wurde allgemein die Ansicht geäußert, daß innerhalb der Marken des hiesigen Dorfes noch niemals eine so zahlreiche Theilnahme bei einer Beerdigung wahrgenommen wurde. Möchte der Allgütige der tiefgebeugten Familie Trost spenden, damit solche bald aufgerichtet werde in ihrer Trauer. A. E. Vermischtes. Posen. Einen schweren Verlust erlitt unsere Gemeinde durch den Tod des Dr. med Ludwig Friedländer. Ein wackerer Jude, ein braver Mann und edler Wohlthäter ist in ihm dahingeschieden. Um ihn trauern besonders zahlreiche Arme, denen der Heimgegangene nicht allein ärztliche Hülfe ohne Entgeld gewährte, sondern oft auch mit helfender That die richtige Heilung brachte. Sieben Jahre hindurch war der Verewigte Vorsitzender der Repräsentanlen-Versammlung, lange Jahre hindurch Vorsitzender der Kranken- und Beerdigungsgesellschaft. Auch als langjähriger Vorsitzender des freisinnigen Wahlvereins wie in frühreren Jahren als Stadtverordneter hat er sich um das allgemeine Wohl hohe Verdienste erworben. Am Dienstag fand unter außerordentlich starker Betheiligung die Beerdigung statt. Nicht nur die Berufsgenossen und seine zahlreichen Freunde, sondern geradezu alle bürgerlichen Stände waren durch ihre bekanntesten Mitglieder vertreten, auch Angehörige des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung. Weit über 1000 Leitragende erwiesen dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre. Sein Andenken wird stets unvergessen blieben! WaUdorf, 4. März. Gestern Abend sollte hier eine öffentliche Volksversammlung stattfinden, in welcher der Antisemit Liebermann v. Sonnenberg sprechen wollte. Doch wurde die Versammlung noch in letzter Stunde wegen der früheren Vorgänge vom Bezirksamt verboten. Eine neue Auflage. „Ein an Gütern wie an Weisheit reich gesegneter Chazaren-König empfing, so berichtet eine uralte Ueberlieferung, einstmal den Besuch eines seiner Vasallen. Vor diesem erschloß der Fürst mit eigner Hand seine reichen Schätze, und ob deren zauberhafter Pracht prieS der Gastfreund laut das hohe Glück seines Gebieters. Doch dieser wehrte den Lobpreisungen. „Nicht an diese kalten, toten Schätze kette ich mein Dasein! Sieh her", und sinnend deutete der Fürst auf sorgsam behütete Papyrusrollen und Pergamenistreifen, die übersäet waren mit den Schriftzeichen der Hebräer, „den Uranfang des Wissens, die sonnenreine Quelle geistigen Lichts." An ihr forsche ich nach dem Flügelschlag des Geistes, folge seinen Zügen und seinen Thaten. Freudig teile ich mit Dir meinen Besitz, könntest Du mir Blatt um Blatt sammeln von dem, waS des Menschen Geist bei den Erdenvölkern Großes vollbringt." „Es hebt sich in diesem Bilde das Verlangen deS Menschen nach Erkenntniß alles dessen, was der For« schungskraft seines Geistes erreichbar, scharf ab. Sehr treffend kennzeichnet Petrarca dieses Streben, indem er ausruft: „Ich lasse kein andres Vergnügen gelten, als das, mich zu belehren." Wohl konnte vor Zeiten die Pflege der Wissenschaft von Berufenen im idealen Sinne aufgefaßt werden — die Gegenwart mit ihrem gewaltigen Ringen und unaufhaltsamen Neuerungen auf allen Gebieten menschlichen Schaffens stellt uns alle vor die absolute Bildungsnotwendigkeit. Freilich, für die Lösung dieser Lebensaufgabe bieten sich dem Menschen von heute weit vollkommnere Hilfsmittel als im klassischen Altertum oder zur Zeit des Lullus und des Baco von Verulam. Mit der Ausbreitung der allgemeinen Bildung hat auch die Pflege der Bildungsmittel gleichen Schritt gehalten; ihren Sammel- und Ausgangspunkt fanden diese in den Encyklopädien, späterhin KonversationS-Lexika genannt. „Man darf Diderot und d'Alembert als diejenigen Encyklopädisten bezeichnen, deren erste Realencyklopädie grundlegend war für alle fpäteen übrigen Encyklopädien. Seit dieser Zeit, es sind darüber etwa 140 Jahre verflossen, ist die Schöpfung jener Gelehrten von berufenen Nachfolgern fast bis zur Vollendung auSgebaut worden. Heute nennt jeder gebildete Deutsche mit Stolz das „Meyersche Konversation s - Lexikon" als dasjenige unter den einschlägigen Werken, welches in seiner Eigenart und Vollkommenheit auch bei den übrigen Kulturnationen seinesgleichen nicht findet. Das Neüerscheinen dieses in der gesamten Weltlitteratur einzig dastehenden monumentalen Werkes, welchein vier Auflagen eine Verbreitung von weit über einer halben Million Exemplaren gefunden hat, ist daher geradezu ein Symptom für einen neuen Fortschritt unserer Kultur. „Nachdem „Meyers Konversations-Lexikon" sich den Ruf des modernsten Werkes seiner Art erworben hat, konnte es für die Bearbeitung einer neuen Auflage keine andere Losung geben, als sich dieses Ansehen zu erhalten und das Werk zu immer größerer Vollkommenheit auszubilden, um die errungene führende Stellung auf dem Gebiete der encyklopädischen Litteratur dauernd zu befestigen. Soweit die uns bereits vorliegenden Bände ein Urteil gestatten, sind die Herausgeber in ernster Arbeit bemüht, dieser schwierigen Aufgabe unter Beibehaltung der bekannten Vorzüge de? Werkes gerecht zu werden. „Einige ausgezeichnete Artikel über koloniale und handelsgeographische Interessen, die wir einer Prüfung unterzogen haben, lassen darauf schließen, daß in der neuen Bearbeitung diesem Wissensgebiet und seinen brennenden Fragen sehr verständigerweise die vollste Aufmerksamkeit zugewandt worden ist: die Behandlung des geographischen und geschichtlichen Stoffes läßt die Mitwirkung bedeutender Spezialforscher deutlich erkennen. „8apere aude! Ganz ausgezeichnet werden in der neuen Auflage auch die Gebiete der Rechts- und Staats- Wissenschaften durchgenommen. Ihre Darstellung ist hervorragenden Spezialisten nicht nur aus dem Kreise der Gelehrten, sondern auch aus der Praxis der Rechtssprechung und

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