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Der Israelit · 1898-03-17 · Heft 22 (17.3.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 22 (17.3.1898)
Date
1898-03-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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409 über der antisemitischen Agitation sollte von seiten der Juden alles vermieden werden, was die Kritik herausfordere, beziehungsweise zu berechtigtem Tadel Anlas; geben könnte. Gerade in dieser Hinsicht müsse das Verantwortlichkeitsgesühl in jedem einzelnen Juden geweckt und erhöht werden; er dürfe niemals aus dem Auge lassen, daß die Gesammtheit der Juden für seine Fehler und Vergehungen büßen müsse. Prunksucht, grundlose Ueberhebung, ungebührliches Benehmen, Mangel an Takt und Eindringen in Gesellschaftskreise, wo man nur mit scheelen Augen angesehen werde, seien die am häufigsten vorkommenden „Judensünden." )-( Straszburg r. G., 14. März. Der„Siecle" veröffentlicht eine Zuschrift, in der eine „hochgestellte Persönlichkeit" versichert, eine jüdische Bartholomäusnacht wäre unvermeidlich gewesen, falls die Geschworenen Zola freigesprochen hätten. Aves Guyot wundert sich darüber, daß die Regierung keine umfassenden Anstalten getroffen habe, um eine Verschwörung gegen die Sicherheit der Juden im Keime zu ersticken. Daher gebe es viele Israeliten, die auch jetzt noch, nach der Verurtheilung Zolas in Angst und Bangen leben, und eine stattliche Anzahl von „Jntellectuellen" mit ihnen, weil diese als Beschützer sich nicht weniger bedroht fühlen, als ihre Schützlinge. N. Heidelberg, 7. März. Die deutsch-soziale Neformpartei hat gestern den Neichstagswahlkampf in unserer Stadt eröffnet. Die zu diesem Zwecke Nachmittags 3 Uhr in der Turnhalle im Klingenteich abgehaltene Versammlung war zahlreich besucht. Nachdem Herr Dr. Vogel die Versammlung eröffnet, ergriff Liebermann von Sonnenberg das Wort zu seinem angekündigten Vortrage über die bevorstehenden Neichstagswahlen. Der Redner besprach nach einer längeren Einleitung die Wahlparole seiner Partei, sie laute: „Kampf um die Reichsbank". Die gegenwärtige Neichsbank sei eigentlich nur eine Aktiengesellschaft von und für Jiwen. Deßhalb solle jeder Wahlkandidat darauf geprüft werden, ob er für die Verstaatlichung sei oder nicht. Er erklärte, seine Partei sehe der Reichstagswahl mit großen Hoffnungen entgegen und werde auch im Kreise Heidelberg einen geeigneten Mann als Candidaten Vorschlägen. Im bevorstehenden Wahlkampfe sollten Beleidigungen oder Verletzungen einzelner Juden und überhaupt alle Ausschreitungen vermieden werden. Die Jitdensrage müsse auf gesetzlichem Boden geregelt werden. Wir hoffen, daß noch eher die „Antisemitenfrage" aus gesetzlichem Wege geregelt wird. Trotz der vielen Hochs auf den Deutschen Kaiser erklären wir hierdurch, daß die Antisemiten, und allen voran Herr Liebermann von Sonnenberg, zu den schlimmsten Feinden unseres Vaterlandes gehören. Sie verlangen von der Neichsbank gegen geringere Sicherheit längere Frist. Sie erschüttern hierdurch im In- und Auslande das Vertrauen auf die Gediegenheit des deutschen Geldwesens *) und schaden hierdurch dem Deutschen Reiche mehr, wie Tausende ihrer französischen Gesinnungsgenossen, die jahraus jahrein ihr wüstes Geschimpfe auf die Deutschen loslasten. Sollte am Ende Herr Liebermann von Sonnenberg von seinem Collegen Drumont in Paris für die Unterwühlung des Credits der Deutschen Reichsbank bezahlt werden? Fast scheint es uns so. Hanau, 14. März. Eine schöne, erhebende Feier war es, welche am Sabbat nnn 'c in unserer Gemeinde veranstaltet worden ist. Galt sie doch dem edlen Streben ni'iunbi nun ^nsr^, indem ein neues -.so, das ein Gemeindemitglied anläßlich der mro 12 seines jüngsten Sohnes hatte schreiben lasten, seiner heiligen Bestimmung übergeben werden sollte. Am Vorabend des genannte» ro», nachdem dar nnjo* Gebet verrichtet und der Vorbeter einige Psalmen rezitirt hatte, fand die feierliche Uebergabe unter entsprechenden Gesängen statt. Nach mt? ntep bestieg Herr Rabbiner Dr. Koref n die Kanzel, um in sinnreicher, gut durchdachter Rede die Bedeutung des Festes darzulegen. Anknüpfend an die Worte vinni pn^ mnc2 tb vsbwaa, da es bereits das dritte 120 ist, welches innerhalb vier Jahre unserer Gemeinde übergeben wurde, und unter Zugrundelegung des ersten Verses der niiv betonte Redner ganz besonders, daß es in unserer indifferenten Zeit mehr denn je Pflicht eines jeden mir sei, in den Geist unserer heiligen Lehre einzudringen und den Inhalt derselben zu beherzigen, und daß das pbrw "f? nw rat 11m noch seine volle Bedeutung habe, da dieser Unhold sich überall bemerkbar mache. Mi» einem ernsten Mahnwort an den rrsio 12, dieses für ihn so bedeutungsvollen Tage-- eingedenk zu bleiben und stets in den Wegen der nrri' und min zu wanoeln, die ihm sein Vater durch U Vergabe des 122 gleichsam habe vor zeichnen wollen, schloß Redner seine Predigt, die auf alle Anwesenden einen um so tieferen Eindruck machte, als sie den Beweis lieferte, daß Herr Dr. Koref n wieder ht'2 soweit hergestellt ist, um seinen Berufspfl'chten Nachkommen zu können. Samotschin, 3. März. Am 22. v. Mts. feierte der hiesige Chewra-Kadischa-Verein dar Fest seines 50-jährigen Bestehens. Nachmittags versammelten sich sämmtliche Mitglieder des Vereins, sowie viele Gäste und Zuschauer in der hellbeleuchteten und mit Orleanderbäumen geschmückten Synagoge. Nachdem Herr Cantor Glückstein den gesanglichen Theil vorzüglich zum Vortrag gebracht, hielt die Festrede Herr *) Man vergleiche hierzu die Referate auf dem gestern in Berlin stattgehabten deutschen Handelstag. Red. d. Jsr.

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