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Der Israelit · 1898-03-17 · Heft 22 (17.3.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 22 (17.3.1898)
Date
1898-03-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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408 wenigstens provisorisch für 1849 noch die Judensteuern zu tragen sind, und auch ferner wird es nichtversäumen, die Sache unseres heiligen Rechtes zum ersehnten vollen Ziele zu führen. Allein es muß zur Lösung dieser seiner Ausgabe ganz vorzüglich aus Euch Alle, meine geliebten Brüder, rechnen, daß nicht, Gott behüte, gedankenloser Unverstand Einzelner unter Euch neue Schwierigkeiten erhebe, und den Feinden unserer Sache willkommenen Grund zur Anklage und Verdächtigung biete. Und eine solche Gefahr droht allerdings, wenn die inneren Angelegenheiten unserer Gemeinde jetzt, an der Schwelle der Freiheit, ja aus Veranlassung dieser Freiheitshoffnung Hader und Zwist, Zerwürfniß und Zerrüttung herbeisühren sollten. Das Komitee hat daher mich ersucht, in meiner Eigenschaft als Präses desselben, mehr noch als Oberlandesrabbiner, dessen geringen Kräften Ihr, geliebte Brüder, die noch höhere Sorge für den geistigen Bestand unserer Gemeinde anvertraut, Euch, meine Brüder, auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, und Euer Aller Wohl Euch Allen zusammen und jedem Einzelnen dringend ans Herz zu legen. Höret auf meine Stimme, geliebte Brüder, in dieser ernsten Zeit, und Gott wird mit Heil und Segen Euch erhören! Einigkeit, Einigkeit, Einigkeit ist unsere Kraft; Entzweiung wirft uns zu Boden! Nur mit einigem Sinne werden wir diese ernsten Prüfungszeiten bestehen, und den uns noch bevorstehenden Weg zum ersehnten Ziele glücklich zurücklegen. Wie würden die Feinde unserer gerechten Sache jauchzen, wenn schon der erste dämmernde Freihettsstrahl Entzweiung in unsere Gemeinden bringen würde! Wie würden sie schadenfroh mit Fingern aus uns weisen: „seht, ist dies Volk wohl zur Freiheit reis, kann es anders als unter Joch und Peitsche erhalten werden? Kaum wird ihm die Hoffnung auf Freiheit, entzweien sie sich unter einander, und ihr Heiligster geht zu Grunde!" O, meine Brüder! Gönnen wir unseren Feinden diesen Triumph nicht! Laßt uns Zusammenhalten, und jede Gemeinde erledige ihre inneren Angelegenheiten, namentlich die Präliminare der inneren Bedürfnisse für das nächste Rechnungsjahr, auf friedlichem Wege, ohne der Schlichtung der Behörden zu bedürfen. Ist ja ohnehin noch alles hinsichtlich unserer inneren Angelegenheiten gesetzlich Bestandene noch in voller Kraft! Ist ja das Prinzip der Gleichstellung der neuen Gemeindeordnung, welche allerdings eine wesentliche Umgestaltung auch unserer Gemeindeverhältniffe nothwendig machen werden, noch nicht zur Gesetzeskraft erwachsen. Bei Allem, was uns Allen theuer und heilig ist, beschwöre ich Euch daher, geliebte Brüder: Rütteln wir nicht an dem alten Bau unseres Gemeindewesens, bevor wir den Gesetzesbodeu für einen Neubau gewonnen! Trage Jeder noch dieses Jahr, wie bisher zu den bestehenden Anstalten und Bedürfnissen seiner Gemeinde bei, und versündige sich nicht im Namen der Freiheit an unseren heiligsten Gütern und Aufgaben! Sobald wir den neuen Rechtsboden gewonnen haben werden, wollen wir alle gemeinschaftlich die Verbesserung und dann nothwendig gewordene Umgestaltung unseres Gemeindewesens berathen. Bis dahin ist es uns heiligste Gewissens- und Ehrenpflicht, das Bestehende zu erhalten! Wehe dem, der aus Selbstsucht und Engherzigkeit diese Pflicht mißkennt! Wehe dem, dem unser jüdisches Gesammtwesen, unsere jüdische Gesammtlehre, unsere jüdischen Gesammtheiligthümer nicht mehr gelten, als die Geldessumme, die er etwa durch selbstsüchtigen Zwist und Hader zu ersparen gedenkt! Segen, des Himmels besten Segen Allen und Jedem, die die Zeit und ihre Aufgabe begreifen, und um ihres Volkes Besten gerne zu jedem Opfer bereit sind! Segen Allen, die im echtjüdischen Sinne den Geist des Friedens, der Einigkeit und des Gemeinsinnes erhalten, und mit heilbringendein Beispiel voranleuchten, „diese Verständigen werden leuchten, wie der Glanz des Himmels, uub die, die Gesammtheit beim Rechten erhalten, wie die Sterne ewiglich!" (Dan. 12, 4.) Nikolsbnrg, ncn (8. Oct. 1848.) Der Oberlandes-Rabbiner H i rs ch. Zerturrgsnachrichten u»d Correfpondenzerr. Deutschland. W. Berlin, 10. März. In einem Vortrage über das Thema „Innere Mission im Judenthum" hat in ver letzten Versammlung des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" ein Dr. M o s e s als Hauptaufgabe der inneren Mission die Erziehung der Juden zur Selbstwürde und Selbstachtung bezeichnet. Der Jude müsse, so sagte Dr. Moses wieder sein Judenthum kennen und lieben lernen; er dürfe sich seiner nicht schämen oder gar es verleugnen. Gegen-

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