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Der Israelit · 1898-03-17 · Heft 22 (17.3.1898) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 22 (17.3.1898)
Date
1898-03-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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406 und nicht vom Lager des Gatten wich, höchstens für ein bis zwei Stunden Schlaf in der Nacht, lauschte mit gespanntem Athem denk Inhalt der Fieberphantasien, in denen sich der Kranke erging. „Die Juden" war das dritte Wort in diesen Phantasien; es schien von seinen Lippen nicht weichen zu wollen. „Die Juden-sie kommen — sie holen mich, Erbarmen — Erbarmen, allmächtiger — Gott -ja, ich komme ja — wieder-" Was hatten solche Worte zu bedeuten? Die Räthin quälte sich. Aber war es nicht natürlich, daß dieselbe Aufregung, die ihren Gatterl in die Krankheit gestürzt, auch in seinen Phantasien die erste Rolle spielte? Das beruhigte sie wieder, und dann legte sie solchen Worten überhaupt keine Bedeutung mehr bei, zumal Sanitätsrath Ehrenberg die Erklärung, die sie sich gegeben hatte, eifrig bestätigte. Allein bald wurde sie wieder in Verlegenheit gesetzt durch bestimmte Namen unverkennbar jüdischen Klanges, die in den Phantasien des Kranken austraten. „Dort — dort kommt er — der Schwarze — hu, der schwarze Talar — — Schlesinger — Schlesinger —" Den Namen hatte der Kranke geschrieen, dann fuhr er wieder ängstlich, leise fort: „Schlesinger — halte mich — jag' ihn hinaus — hinaus! — Er kommt — da ist er — o, wie Sielst das Wasser — wie Eis-" Wie toll sich doch in dem Gehirn eines solchen Fieberkranken die Gedanken geberden.' Wie sinnlos die Worte durcheinandertaumeln! „Wasier — Eis" die Räthin wiederholte es filmend, fragend! Und wer nur der Schlesinger sein mochte, von dem er gesprochen hatte?! Gewiß hatte er mit einem Juden dieses Namens, einmal zu schaffen — vielleicht in der Praxis — 'oietteifyt früher als Student. Sie glaubte einiual gehört zu haben, daß in den Phantasien eines Kranken oft längst vergessene Dinge wieder erwachen. — — Auch darüber befragte sie den Sanitätsrath und auch dies hatte er ihr bestätigt. Die gute Frau beruhigte sich wieder und harrte geduldig der Zeit entgegen, da der Kranke den kritischen Tag glücklich überstanden haben würde und bei seiner immerhin kräftigen Konstitution eine völlige Genesung in Aussicht war. Es waren schwere, aufregende Tage für das ganze Hohenthal'sche Haus. 'Noch aber hatte 'Niemand den tieferen Grund erfahren, der den Landgerichtsrath in Verbindung mit der unseligen Festrede Kurt's auf das Krankenlager warf. Der aufmerksame Leser wird bereits gefühlt haben, daß bei diesem Manne mehr als eine Art schöner Toterallz beu tiefen Beweggrund ausmachte, der ihn so wacker für das zertretene Recht der Juden eintreten ließ. Der Premierleutnant v. Kettler hatte nicht umsonst seinem Staunen Ausdruck gegeben, daß der Schwiegervater seine Toleranz so weit treibe, ihr den einzigen Sohn zu opfern. Gilt! Er hatte freisinnige Anschauungen! Das geht an. Darüber läßt sich reden. Aber den Sohn, der eine andere politische Anschauung in sich allfgenommen ulid zu den brelmendsten Tagesfragen eilte andere Stellung eimiimmt als der Vater, deßhalb einfach aus dem Hause zu jagen, das ging doch zu weit — das war unverständlich, rärhselhaft! Und er hatte Recht, ein Räthfel mußte es sein für jeden, der die Geschichte, die bewegte Vergallgenheit des Landgerichtsraths nicht von Grund auf kannte — — — (Fortsetzung folgt.) Der »Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mmbeften* -»ei Boae». Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich «der «iertelfichrlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — -er Buchhandel verkehrt durch <£. /• fitriaacker, ftlpfit, Mohplatz 16, — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reelametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland rmd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. Lsterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden, »ine »»»send««- der an dt« R«t«fti*ts eingesandten Manuseripten findet nicht statt, man bittet deshalb, sich »an ave« Einsendungen eine Capie znrüSzubehalterr. Inhalt (Hanptblatt) Leitender Artikel: Hagadah schel Pesach. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Wiesbaden. Wrescken. Posen. Würzburg. Bremen. Buttenwicsen. Griechenland: Athen. Afrika: Algier. — Personalien: Friesenheim. — Sprechsaal. — Gerichtszeitung. — Vermischtes — Feuilleton: Der Väter Schulde Erzählung aus der Gegenwart. Von Arnold Mann. (Fortsetzung.) Anhalt der ersten Beilager Leitender Artikel: Bor fünfzig Jahren. — Zeitungsnachrichten^ und Correspondenzen : Deutschland: Berlin. Straßburg. Heidelberg. Hanau. Samotschin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Fnnskirchen. Preßburg. Rußland: Petersburg. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Feuilleton: Jüdisches aus den britischen Kolonien Südafrikas. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Soden. — Personalien: Niedcr-Weisel. — Vermischtes. Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Mainz. —Expedition des „Israelit". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckeret-Acrien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen

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