Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-03-17 · Heft 22 (17.3.1898) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 22 (17.3.1898)
Date
1898-03-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448879--45644-2495950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

402 Herzen fortleben und auch die sich ihm Entfremdeten, werden es in Ehre halten, als die Erinnerung an einen Mann, der nach dem Höchsten gestrebt, der in unentwegter Begeisterung für das Edelste stets gewirkt, der den ihm verliehenen irdischen Segen auf dem Altar des Heiligthums und der Menschenliebe Gott wiederum geweiht hat. Den Segen, den er damit still und bescheidenen Sinnes verbreitet, genießen diejenigen, denen er eine Existenz geschaffen. Er hat damit nie geprunkt. In strenger Gewissenhaftigkeit widmete er den zehnten Theil des Ertrages seiner Arbeit den Bedürftigen. Gottesfurcht, Menschenliebe, Hingebung für alles Edle und Gute — das waren die Leitsterne seiner rastlosen, gesegneten und Segen bringenden Arbeit hienieden; und darum bleibt das Andenken dieses seltenen, eigenartigen, viel verkannten edlen Mannes zum Segen: “^n lpnx incDX' "i -ras Wrescherr, 9. März. Eine schöne Feier, die hier abgehalten wurde, verdient es, öffentlich bekannt zu werden. Am heutigen Tage feierte Herr Rentier Abraham Zucker sein bÖjähriges Amtsjubiläum als Ehrenvorfteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, in Verbindung mit seinem 80. Geburtstage. Schon Tage vorher waren Vorbereitungen zu diesem Feste seitens der Gemeinde und vieler Private getroffen worden. Im Laufe des Vormittags begaben sich der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde, sowie die Vorstände der hier bestehenden Vereine in die Wohnung des Jubilars. Es hielten Ansprachen die Herren Gemeinde-Rabbiner Dr. Lew in, Vorstandsmitglied M i r el S, Stadtverordneter Ziegel, welcher einen Pokal überreichte, Repräsentanten-Vorsitzender Ehrensried, Vereinsvorsteher Kantorowicz uno Po llak. Der Jubilar dankte in bewegten Worten und benutzte den 90. Psalm zu seiner Erwiderung. Mittags erschienen die Vorstandsmitglieder des Frauenvereins, geführt von der Stadträthin Frau Jaffe. Eine große Anzahl von Depeschen und schriftlichen Gratulationen gingen ein. Aus der Gemeinde blieb wohl kein Mitglied zurück, um die Glückwünsche darzubringen. Ein beredtes Zeugniß von der Beliebtheit des allseitig geehrten Ehrenvorstehers Herrn Zucker. Abends fand in der festlich dekorirten Wohnung ein Festesten statt, und waren Verwandte und Bekannte von der Nähe und Ferne anwesend. Bei dem Mahle herrschte die schönste Harmonie und ernste und heitere Toaste wurden dem Jubilar ausgebracht. Es war nur zu bedauern, daß die schönen Stunden so schnell verschwanden, aber sicher werden sie allen Theilnehmern in stets freudiger Erinnerung bleiben. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange der Liebe und Achtung seiner Mitmenschen sich zu erfreuen. H. Wolfs, Lehrer. V. Posen, 14. März. Die von St. Kazmarek redigirte und von St. Krapowski gedruckte und herausgegebene Posener Zeitung „Postep" (Der Fortschritt) hat seit längerer Zeit beständig Artikel veröffentlicht, welche offenbar bezweckten, die katholische polnische Bevölkerung der Provinz Posen gegen die jüdischen Bewohner dieser Provinz aufzureizen und die Existenzbedingungen dieser jüdischen Bewohner zu erschweren bezw. zu verkümmern. Aehnlichen Zwecken sollten offenbar der am 7. Januar d. I. non der Redaktion des „Postep" vorgenommene Abdruck eines angeblich am 1.',. Juli 1880 von dem ehemaligen Erzbischof von Posen und Gnesen. Martin von Dunin, erlaffenen Hirtenbriefes, das Verbot des Dienens bei Juden und das Nähren jüd. Kinder betreffend, dienen. Die Ueberzeugung, daß weder durch inhumane Behandlung christlicher Untergebener, noch durch irgend eine Beeinflussung in religiösen Dingen seitens der Juden ein Anlaß zu der Notiz des „Postep" gegeben worden sein konnte, veranlaßte den „Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", in einer Eingabe an den Erzbischof von Posen und Gnesen, Herrn v. Stablewski, Bescheid zu erbitten, ob in der Nr. 279 des „Postep" der Hirtenbrief vom 15. Juli 1886 wortgetreu und mit seiner Genehmigung veröffentlicht worden, ob der besagte Hirtenbrief noch heute, trotz der seit seinem Erlaß wesentlich veränderten Verhältnisse, in voller Wirksamkeit oder ob derselbe durch spätere erzbischöfliche Anordnungen überholt worden sei. — Der Herr Erzbischof antwortete darauf: er empfehle „auf die Angriffe des Postep im Jntereffe der von dem Central-Verein verfolgten Ziele nicht zu antworten und nichts zu veranlaffen, da der Postep durch irgend eine Erwiderung nur neue Nahrung für seine zwecks Abonnentenerlangung gemachten resp. zu machenden Angriffe gewinnen könnte. Diesem Blatte gegenüber sei Schweigen das beste Entwaffnungsmittel." Würzburg. Es gewährte uns besondere. Freude, in den ersten Tagen dieses Monats in unserer alten Mainstadt einen Vortrag zu hören auf einem Gebiete, welches seither unsrerseits viel zu wenig Beachtung gefunden. „Das Judenthum und seine Theilnahme an der Bodenkultur", so lautete das Thema, welches Herr Dr. Finkel in geschickter Weise behandelte. Die Zuhörer, allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung angehörend, lauschten mit Spannung den intereffanten Ausführungen. Lebhafter Beifall und anregende Diskussion ließen erkennen, daß die Worte des Redners aus fruchtbaren Boden gefallen waren uno brachten uns zur Ueberzeugung, dem wichtigen Berufe des Landwirthes und Gärtners sei unsrerseits künftighin viel größeres Jntereffe zu schenken. Ihm müsse die jüdische Jugend mehr als bisher zugeführt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.