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Der Israelit · 1898-03-17 · Heft 22 (17.3.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 22 (17.3.1898)
Date
1898-03-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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401 Lasker, diese Herrn Ludwig Bamberger zu seinen Mitgliedern zählte. Bei der freisinnigen Vereinigung ist nun die Zahl der sicheren Landtagssitze eine sehr beschränkte, sie dürfte kaum ein halbes Dutzend überschreiten und diese liegen in bewährten festen Händen. In anderen Wahlkreisen, die allerdings erst erstritten werden müßten, werden auch jüdische Candidaten zur Aufstellung gelangen, so Herr Dr. Hugo Preuß, Privatdocent an der Berliner Universität. Ob indeß gerade dieser Herr der geeignetste Vertreter unserer heiligsten Interessen sein dürfte, darüber gestatten wir uns kein Urtheil, da wir Herrn Dr. Preuß nicht kennen. Der von uns gezeichneten idealen Persönlichkeit eines jüdischen Abgeordneten entspricht er kaum, abgesehen davon, daß seine Wahl doch noch recht zweifelhaft ist. Dagegen scheinen uns persönliche Verhandlungen mit den anderen Mittelparteien keineswegs so aussichtlos. Wir sprachen nicht von der freisinnigen Volkspartei, weil der mehr negative Standpunkt dieser Partei dem politischen Empfinden der Mehrheit der deutschen Juden wenig entspricht. Dazu kommt, daß die Leitung dieser Partei ängstlich bemüht ist, keine jüdischen Candidaten in einem sicheren Wahlkreise aufzuftellen. Es ist interessant, daß diese Partei bisher nur dort jüdische Candidaten aufstellte, wo sie die meiste Aussicht zu einer Niederlage hatten. So soll in einem Berliner Reichstagswahlkreise Rechtsanwalt Sonnenfeld aufgestellt werden, um von dem Sozialdemokraten Singer dann mit ungeheurer Mehrheit geschlagen zu werden. Wir möchten heute diese Zeilen nicht schließen, ohne noch eine persönliche Bemerkung daran zu knüpfen. Unter anderen Blättern nimmt das offizielle Organ der conservativen Partei, die „Eons. Korr." zu unserem Aufsatz Stellung und die „Kreuzzeitung" druckte ihre Auslastung commentarlos ab. Wenn die „Eons. Corr." zunächst meint, „es wäre ja zweckmäßig, wenn die Verfechter speziell jüdischer Jntereffen sich bemühen wollten, eine eigene parlamentarische Gruppe zu bilden", so dürfen wir das Blatt versichern, daß wir auch ohne ihren Rath dieses Ziel längst verfolgt hätten, wenn wir nur die erforderlichen Wahlkreise in der Tasche hätten oder wenn auf jeden confessionellen Theil der deutschen Bevölkerung eine bestimmte Zahl Abgeordneter kämen. Es giebt keine niederschmetterndere Widerlegung der verlogenen Phrase von der Macht des Judenthums als die Thatsache, daß die halbe Million deutscher Juden nicht den Einfluß haben, aus eigener Kraft auch nur einen einzigen Abgeordneten ihres Bekenntnisses in die gesetzgebende Körperschaft zu entsenden, während die Judenhetzerpartei 20 Mitglieder, das Centrum 100, die nothleidenden Agrarier viele Dutzende Vertreter im Reichstag haben. Wo bleibt da die „Weltmacht des Geldes" wo der „alles zersetzende Einfluß" des deutschen Judenthums! H. Wiesbaden Am 5. März schied Meyer L ö w e n t h a l, einer der wackeren Männer, welche in unserer Stadt, der ersten Wirkensstätte Abraham Geigers und somit einer der Heerde, von welchen das zerstörende Feuer der Reformbestrebungen seinen Ausgang genommen, den Muth und die Begeisterung fanden, das glorreiche Banner des Judenthums wiederum zu entrollen und mit dem Rufe: „Wem es noch Ernst ist mit dem am Sinai geleisteten Schwure der Treue und Hingebung an das Gotteswort, der sammele sich zu uns, um die Standarte des Heiligthums," den Grundstein legten zu der altisraelitischen Gemeinde, der ersten in der preußischen Monarchie, in welcher das Prinzip des orthodoxen Judenthums im Gegensatz zu der Reform die ausdrückliche staatliche Anerkennung als grundlegende Norm für ein religiöses Gemeinwesen zur Geltung gebracht wurde. Meyer Löwenthal war es vor Allem, deffen Willensstärke, Begeisterung und Opferbereitschaft das große Werk gelang, deffen Bedeutsamkeit nicht genug gewürdigt werden kann. Er stand in der vordersten Reihe der Kämpfer für Gott und das Gotterheiligthum, und er hat sich damit einen Ehrenplatz errungen in dem r, mente nsa, in der Geschichte der Kämpfe, die für die Vertheidigung des reinen, unverfälschten Judenthums gegen die eigenen Brüder zu bestehen sind, lind wie Löwenthal im öffentlichen Leben der Gemeinde wirkte, also hat er es verstanden in der trüben Zeit der Verirrung und des Abfalls sein Haus zu einem Gotteshause zu gestalten, in welchem die Eltern des heiligen Dienstes walteten, die ihnen anvertrauten Seelen mit dem Geiste der Liebe und Treue für das Judenthum zu erfüllen und sie zu bewußtvollen und hingebenden Trägern des hehren jüdischen Priesterberufs zu erziehen. Die fünf Kinder, welche Löwenthal hinterläßt, sind gleich ihm für das Judenthum begeisterte Männer und Frauen geworden, die im Vereine mit seinen Schwiegerkindern Häuser gegründet haben, welche in seinem Geiste zu Pflanzstätten jüdischen Lebens im vollsten Wortsinne sich entfalten. Wenn auch infolge eines lange Jahre währenden Siechthums der eigenartige, Willensstärke Mann am Abende seines Lebens in seiner Stellung zu dem eigensten Werke seiner Schöpfung manche Enttäuschung erfuhr und sein Verhältniß zu ihm vielfach getrübt erscheint, so wird ihm das Verdienst, das er sich hier erworben, nicht herabgenlindert werden und sein Gedächtniß unauflöslich mit der altisraelltischen Gemeinde verknüpft bleiben. Wie Alle, die den trefflichen Mann in seinem eigensten Wesen erkannt und verstanden haben, dem Edlen ihre aufrichtige Hochachtung und Liebe entgegengebracht haben, so ist es ihm allerdings auch nicht erspart geblieben, mancher Verkennung zu be-! gegnen. Sein verklärtes Bild aber wird in Aller

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