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Der Israelit · 1898-03-17 · Heft 22 (17.3.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 22 (17.3.1898)
Date
1898-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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400 Wie wir am zweiten Festabend ein Stückchen, des an das Peßachopfer erinnernden Aphikomon für das ganze Jahr aufbewahren, damit uns die Erinnerung an die heiligen Gebote der Sedernacht stets schützend und läuternd umgebe, so lassen wir am selben Abende das Wort Peßachopfer, Peßachpflicht am Schluffe der Feier nochmals ertönen, damit es in der Werkzeit des Jahres stets in unsere Ohren klinge uns mahnend, daß nur treue Pflichterfüllung Rettung, Hilfe und Segen bringt. Wenn wir so vom Peßachopfer sprechen, suchen wir nach anderen Beispielen aus unserer heiligen Geschichte, von den frühesten Zeiten bis lange nach dem Auszuge aus Egypten, die uns erzählen, daß nur das Verdienst mit wunderbarer Rettung belohnt wird. Wir durchblättern die Bibel, und diese Beispiele häufen sich so sehr, daß wir nur dann stehen bleiben, wenn die Rettung und Belohnung um der Gesetzestreue willen in die Befreiungszeit unseres Festes fällt. Wir denken dann an Abraham, dem die Engelsbotschaft des Kindersegens ward, als er in unnachahmlicher Weise als schwacher, kranker Greis, gegen Fremde, die in seinen Augen als Götzendiener erscheinen mußten, Gastfreundschaft übte. Wir erzählen, daß Lot nicht nur um Abrahams willen aus dem dem Untergang geweihten Sodom gerettet wurde, sondern daß es ihm gelungen ist, durch persönliches Wohlthun sich in letzter Stunde noch der Rettung würdig zu machen, indem er am ungastlichen Ort mit Lebensgefahr Gastfreundschaft übte. Wir erwähnen, daß am Peßach Gott die Mauern des festverschlossenen Jericho fallen ließ, ohne daß Krieger drängten und stürmten, um einem schuldlosen Geschlecht mit seinem gottbegeisterten Führer den Eingang ins Land der Sehnsucht zu ermöglichen. In einer zweiten Peßachnacht war es, daß Gideon den siegverheißenden Traum des Midjaniten belauschte. Mit seinen Dreihundert, nachdem viele Tausende von Verzagten und Unwürdigen aus dem Heere entfernt worden waren, brachte er am Tage der Omerfchwingung, geschützt durch Israels Befolgung des Omergesetzes, seinem Volke wunderbare Hilfe. Das mächtige Reich Israel, dessen Hauptstadt Schomron war, wurde die frühe Beute der Assyrer; doch die Schaaren des mächtigsten Königs derselben Assyrer wurden in der Peßachnacht vom himmlischen Feuer hinweggerafft. Der siegesgewiffe, übermüthige Sanherib durfte die Mauern des zitternden, politisch schwachen Jerusalem nicht ersteigen, weil in diesen Mauern ein gottesfürchtiger König gebot. Geheimnisvoll zeichnete eine Hand Belsazars Schicksal an des Palastes Wand, um in derselben 'Rächt, auch einer Nacht des Peßachfestes, die Macht des babylonischen Tyrannen zu brechen und die sehnsüchtigen Wünsche der edlen Exulanten der Erfüllung nahe zu bringen. Als in dreitägigem Fasten die Gemeinde von Susa aufrichtig ihre Sünden aus alter und neuer Zeit bereut hatte, da rettete in der zweiten Peßachnacht Gott sein Volk, und der Omertag noch sah Israels furchtbaren Feind, Haman, vernichtet. — Das Bewußtsein, daß Israel trotz aller Verirrung stets den Weg zu seinem himmlischen Vater wiederfand, stärkt uns in der Hoffnung, daß all die unerbittlichen Feinde unseres Volkes verschwinden müssen, und daß die Zeit nicht mehr fern ist, in welcher sich bei unserer Erlösung Gottes Allmacht und Erhabenheit zeigt nsv n tnpjin ^3, wie in jener Nacht, da geheiligt wurde das Festesopfer des Peßach. Mit dem Peßachopfer klingt unsere alljährliche Erzählung vom Auszug aus Egypten aus und auch das Erste, was uns beim Herannahen des Erlösungsmonats Nissan alljährlich in der Parschat Hachodesch mitgetheilt wird, ist die Erzählung von der Offenbarung der Peßachgesetze im Sklavenlande, der Beginn der Befreiung. Und am Schluffe dieser ersten Gesetzgebung, mit der wir begnadet wurden, ward uns die Pflicht 121 nvd rat oniasi, daß wir unseren Kindern es einprägen, daß treuersüllte Pflicht uns in Egypten rettete. Freudig nahmen unsere Väter damals das Gotteswort entgegen und gingen sofort daran, es gewissenhaft auszuführen. Mögen wir Alle die heilige Festeszeit, der wir mit göttlicher Hilfe entgegengehen und die in erster Linie der Jugenderziehung geweiht sein soll, dazu benutzen, um uns, unseren Kindern, und all denen, die auf uns hören, die alte Wahrheit unentreißbar einzuprägen, daß es ohne Gesetzestreue keine Befreiung und Erlösung gab und gibt, daß der einzige Weg zum Glück und Heil die Befolgung des Gotteswillens ist, wie er in unserer Heilgen Thora uns offenbart ist. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten unv Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 13. März. Unser Aussatz über j ü - dis che Parlamentskandidaturen hat in der Presse der politischen Parteien weitgehende Beachtung gefunden und ist, je nach der polilitischen Stellung der Blätter, mit den verschiedenartigsten Commentaren ausgeschmückt worden. Die Diskussion über die Frage trügt schon jetzt zur Klärung der Sachlage bei. Wir sind inzwischen informirt, daß sachliche Bedenken gegen den Eintritt deutscher Parlamentarier jüdischen Bekenntnisses in die nationalliberale Partei oder freisinnige Vereinigung keineswegs vorhanden sind, wie ja auch jene jahrelang Eduard

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