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Der Israelit · 1898-03-14 · Heft 21 (14.3.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 21 (14.3.1898)
Date
1898-03-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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393 viele Aerzte von ihren HeimathSdistrikten nach Ost» Sibirien und Taschkent versetzen lassen. 1885 wurden die Juden aus der Militärakademie für Medizin ausgeschlossen, dann folgte die Ausweisung der Juden aus dem asiatischen Territorium, deren Regierung unter dem Kriegsminister stand. Auch in dem Militärgebiet de- Dun Tarschand Huban durfte seither kein Jude mehr wohnen, obwohl der Senat dies Gesetz wiederholt für ungesetzlich erklärte.? Petersburg. Die jüdischen Kolonien im Gouv. Cherson werden jetzt auch jüdische Schulen und Bibliotheken erhalten, denn der Rabbiner Marcus und ein jüdischer Banquier Chermatch haben die obrigkeitliche Erlaubniß erhalten und werden auch für die Einrichtung der Schulen Sorge tragen. Die Unterichtssprache wird hebräisch, wie denn die Gründer überhaupt hoffen, durch diesen Unterricht hebräisch allmählich zur Umgangssprache in den Kolonien zu machen. — Der neue Kriegsminister, General Kurohathin, hat bei den Juden im Kaukasus, die ihn aus der Zeit seiner Amtirung als Generalgouverneur dort kennen, viel Sympathien. Die Gemeinde in Ahasbad sandte ihm zu seinem Antritt als Minister eine Gratulationsadresse, die er mit einem herzlichen Telegramm beantwortete. Dagegen fürchten die Israeliten sehr viel von dem neuen Unterrichtsminister Bogoljepaff, der als Rektor der Moskauer Universität sehr judenfeindlich gewesen sein soll. — Acht Bergwerkskompagnien in Süd-Rußland haben ein Gesuch an den Generalgouverneur gerichtet und bitten um Erlaubniß, daß auch die jüdischen Handelsangestellten an den Orten wohnen dürfen, wo sie ihre Industrie betreiben, obwohl sie eigentlich nur das Wohnrecht in den Städten haben. Die Kompagnien erklären aber, daß sie die jüdischen Angestellten nicht entbehren können und ihre Etablissements zu weit von den Städten abliegen. — An der Petersburger Universität sind zur Zeit 163 jüdische Studenten inmatcikulirt, 3,680/0 der Gesammtzahl. Bon diesen haben sechs Auszeichnungen von der Universität für verschiedene wissenschaftliche Werke erhalten. — Der Spender der respektablen Summe von 16,000 Rubel für die Blindenschule in Odessa, Herr A. D. Barschawsky hat eine besondere Danksagung von der Kaiserin erhalten. *¥ Mitau, 2. März. Unser verehrter Rabbiner R. Nachmann Jdel Margolius, der acht Jahre an der Spitze unserer Gemeinde stand, ist vor einigen Wochen nach längerem Leiden im65. Lebensjahre verschieden. Sin hervorragender Talmudkenner, ein bewährter Lehrer in Israel, ein Mann von edelsten Eigenschaften sank in's Grab. Als ein Sproß großer Ahnen in Wilna geboren, mit den seltensten Gaben des Geistes und des Herzens ausgestattet, war er schon in frühester Jugend weithin rühmlichst bekannt. In seiner zwanzigjährigen Thätigkeit als Rabbiner in Jacobstadt hat er es verstanden, durch Humanität und Friedensliebe alle Herzen seiner Gemeinde für sich zu gewinnen. Große Ehre ist ihm bei der Beerdigung erwiesen worden. Alle jüdischen Schulen und sämmtliche Geschäfte waren geschloffen. Die Zöglinge der jüdischen Lehranstalten und der mittleren Schulen waren vollzählig erschienen. In der großen Synagoge, wohin die sterblichen Reste gebracht wurden, hielten mehrere Rabbiner aus der Umgegend, wie auch unser früheres geistliches Oberhaupt, Herr Rabbiner Rabinowitz— Kowno, erschütternde Trauerreden. In tiefer Ergriffenheit verließen wir die Stätte de- Friedens, in dem Bewußtsein, daß wir einen der Großen in Israel verloren, dessen Andenken fortleben wird bei allen denen, welche seinen edlen Charakter zu würdigen wußten. ** Odessa. Der verstorbene Bankier Abraham D i n i n vermachte für hiesige »ohlthätige Anstalten einen Betrag von fünfundzwanzigtausend Rubeln, welche in der Reichsbank für ewige Zeiten deponirt bleiben, und zwar: 1. Dem jüdischen Hospital 4000 Rubel; die Zinsen davon sind für einen kranken Juden bestimmt. 3. Dem jüdischen Waisenhause 3000 Rubel; die Zinsen davon für einen Knaben mit Bevorzugung einer elternlosen Waise auf der landwirthschaftlichen Farm. 3. Dem jüdischen Greisenasyl 3000 Rubel zur Erhaltung eine« Greise«. 4. Der jüdischen Handwerkerschule „Trud" 3000 Rubel für eine elternlose Waise. 5. Der Gemeindeschule „Talmud-Thora" 6000 Rubel; die Zinsen davon an Schüler, die diese Schule beendigt haben, und die in eine Mittellehranstalt eintreten werden, ebenfalls für elternlose Waisen' 6. Dem hiesigen Comits zur „Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland" 4000 Rubel; die Zinsen davon als Stipendien für einen jüdischen Studenten der Universität. 7. Dem hiesigen jüdischen Wöchnerinnenverein 3000 Rubel; die Zinsen hievon an arme Wöchnerinnen. Sollte eine dieser Anstalten reorganisirt oder gänzlich geschloffen werden, so geht da« Kapital nebst Zinsen an eine andere über, dieser ähnlichen und entsprechenden jüdischen Anstalt; sollte aber statt der aufgelösten wohlthätigen Anstalt eine gleiche nicht eröffnet werden, so geht das Kapital nebst Zinsen der geschlossenen Anstalt an eine andere jüdische wohlthätige Anstalt über, laut Beschluß der Verwaltung der aufgelösten Anstalt. Aus diesem Testamente erfahren wir, daß der Verklärte alle» reiflich überlegt hat. Sein Gedächtniß wird für immer gesegnet bleiben! Amerika.? New-York. Unter den Händen der Senatskommission hat die von Lodge eingebrachte Bill zur Beschränkung der Einwanderung, die mit 45 gegen

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