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Der Israelit · 1898-03-14 · Heft 21 (14.3.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 21 (14.3.1898)
Date
1898-03-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Jahrgang. Beilage;u M 21 -es JtatntUt“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland. Fulda. Ueber „die in Persien ausgegrabenen Denkmäler und das Buch Esther" sprach am 6. d. im „Orach Chajimverein" Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn. Redner hat in bündigen Worten den Zuhörern einen Ueberblick über die Geschichte der Keilschriften und Hyroglyphen *und ihren großen Werth für die Beurtheilung und Bestätigung unserer bibl. Geschichte im Allgemeinen und des Buches Esther im Speziellen reichlich gewährt. In klarer Darstellung widerlegte Herr Dr. Cahn die zahlreichen unbegründeten und abfälligen Urtheile der deutschen Bibelkritiker über die Echtheit dieses Buches, die sich bis zu der Annahme versteigere, daß das Purimfest eine Nachahmung des griechischen Bachusfestes sei, und zeigte dann, daß die von franz. und engl. Geleherten entzifferten Inschriften an dem blosgelegten Palaste des Achaschwerosch, in welchen das Wort vorkommt, die in der rfao geschilderten Thai fachen bis auf's kleinste bestätigen und auch für viele dunkle Stellen derselben Aufklärung bieten. 8. J. Coliuar i. C., 9. März. Das hiesige protestantische ComilH für Ferien-Kolonie, welches 1886 von Pfarrer Gr oß ins Leben gerufen worden ist, hat sich dieser Tage unter Hinzuziehung von katholischen und israelitischen Mitgliedern in eine einzige Gesellschaft umgewandelt, eigene Statuten aufgestellt, und den ersten Schritt gethan. um die Rechte einer juristischen Person zu erhallen. Die aus drei Confessionen bestehende Gesellschaft steht von jetzt an unter einem VenvaltungSrath von 15 Mitgliedern, wovon zwei Direktoren der städtischen Schulen und zwei vom Bürgermeister bezeichnete Stadträthe und bezweckt wie alle derartigen Gesellschaften für Ferien-Kolonien die leidenden Kinder, besonders aus unbemittelten Familien katholischer, protestantischer und israelitischer Konfession, im Sommer durch Landaufenthalt, Badekuren oder andere Einrichtungen zu kräftigen. Die katholischen Knaben sollen in Kreuznach im Marienwörth, bei den Franziskanerbrüdern, die katholischen Mädchen im Elisabethenstift bei Schwestern untergebracht werden; die protestantischen Kinder in dem sehr großen von Diakoniffen geleiteten Viktoriastift. Für die israelitischen leidenden Kinder aber wird kein Bestimmungsort angegeben, wo dieselben untergebracht, gut besorgt und nach jüdischem Ritus beköstigt werden sollen. Sollen etwa israelitische leidende Kinder, frommer israelitischer Eltern, die noch nie Speisen und Getränke, die rituell verboten sind, genoffen haben, behufs Genesung, bei Franziskanerbrüdern, bei Schwestern im Elisabcthenstist oder im von Diakoniffen geleiteten Viktoriastift, untergebrachr werden, wo sie gleich ihren katholischen und protestantischen Mitschülern und Mitschülerinnen christlich leben, christlich effen und trinken sollend Welche gesetzestreue Eltern, wenn sie noch so arm wären, könnten es über sich bringen, für ihre vom Hause aus zu gesetzestreuen v'mn' erzogenen Kinder, eine gesetzwidrige Wohlthäügkeit in Anspruch zu nehmen, die ihren leidenden Kindern eher Schaden an Geist und an Körper, als Nutzen bringen würde, eine Wohlthätigkeit, die eine nute man man ist? Wir wollen und können auch nicht annehmen, daß die jüdischen Mitglieder dieses Ferien- Kolonie-Vereins, wie auch der loyale Verwaltungsrath deffelben dieser hochwichtigen Frage keine Rechnung tragen werden. Wir geben vielmehr der freudigen Hoffnung Raum, daß der menschenfreundliche Verein, dem das Wohl des körperlichen und geistigen Gedeihen der armen leidenden Schulkinder ohne Unterschied der Konfession am Herzen liegt, dafür Sorge tragen wird, daß den in der Ferien- Kolonien Genesung, Stärkung und Erholung suchenden Kinder jüdischen Glaubens kein Zwang in religiöser und ritueller Beziehung auferlegt werde. Nur dann, wenn wir uns in dieser unserer berechtigten Hoffnung nicht täuschen, ja nur dann begrüßen wir den in eine einzige Gesellschaft umgewandelten Ferien- Kolonie-Verein als einen Gott und Menschen wohlgefälligen Wohlthätigkeitsverein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. § Bonyhad, 4. März. Die Jünger der hiesigen Jefchiba wollten übermorgen. Sonnrag, ein Purimspiel, „Gigerl, als Retter" zur Aufführung bringen. Unser Rabbiner hat jedoch diese Aufführung verboten, da es sich für Talmudjünqer nicht ziemt, öffentlich und noch dazu gegen Eintrittsgeld als Schauspieler aufzutreten. Frankreich.? Paris. Die Aufregung, die der Zolaprozeß gezeitigt hat und die hier einigermaßen schon im Rückgang ist, führt in der Provinz noch immer zu argen Exzeffen. Am schlimmsten ist es offenbar in Bar le Duc hergegangen. Dort hatte ein jüdischer Beamter, der Vorbeter Taub mann einen Camelot (Straßenverkäufer), der mit antisemitischen Schriften hausirte, verhaften laffen, aber damit die Wuth der

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