Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1898)
- Date
- 1898-03-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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387 treffen konnten. Sie benützten deßhalb den Schnellzug nach Heilbronn und kamen um sechs Uhr hier an. Nach Beendigung des Gottesdienstes war es gerade Zeit, die Reise per Bahn fortzusetzen und um acht Uhr waren sie zu Hause. Diese braven Männer sind die Herren Gottschalk Schleßinger (Bruder des Herrn Bez.-Rabbiners Schleßinger in Breiten), Simon Barth (naher Verwandter des Herrn Profeffors Barth in Berlin) und Theodor Ettlinger, ebenfalls aus einer angesehenen Familie. E. Oeft err. - Ungar. Monarchie. § Temesvar. Gelegentlich der im vorigen Jahre stattgefundenen feierlichen Eröffnung des Eisenen Thores, an welcher Feier nicht nur Kaiser Franz Joseph, sondern auch König Carol von Rumänien und König Alexander von Serbien theilnahmen, fand bekanntlich in Orsowa ein Bankett statt, zu dem auch unser Cultusvorsteher Herr DalomonSternthal, der zur Begrüßung unseres Königs an der Spitze einer Deputation erschienen war, eine Einladung erhielt. Der „Israelit" berichtete damals über diese unserem Cultusvorsteher widerfahrene Auszeichnung, wobei er zugleich bemerkte, daß es gewiß noch nie vorgekommen sei, daß ein Jude mit drei Souveränen zugleich an einer Tafel gespeist hätte. Nun ist unserem Cultusvorsteher eine andere Auszeichnung zu Theil geworden. Sämmtliche Rabbiner und Gemeindevorsteher, die damals zu der von ihm geführten Deputation gehörten, haben sich in einer Gruppe aufnehmen lassen und wurde dieses Bild Herrn Sternthal durch ein Comite, an dessen Spitze unser Rabbiner Dr. Löwy stand, mit einer Ansprache feierlichst überreicht. Herr Sternthal war über diese ihm widerfahrene Ehrung ungemein erfreut. Frankreich. V. Paris, 7. März. In der französischen antisemitischen Partei wiederholt sich jetzt derselbe Vorgang, den man bei den Sozialisten nicht nur Frankreichs, sondern auch gewiffer anderer Länder beobachten konnte: es tritt eine Spaltung ein. Wie unter den Sozialisten bald verschiedene „Schulen" auftauchten und den Zusammenhalt der ursprünglich geschloffenen Partei mehr und mehr lockerten, sodaß sich manche Zweige des Baume» der sozialen Revolution gegenwärtig spinnefeind gegenüberstehen (wie die Blanquisten und Marxisten), so haben sich in letzter Zeit auch unter den französischen Antisemiten zwei Richtungen herausgebildet, die das ganz augenscheinliche Bestreben haben, sich von einander zu entfernen. Die einen sind die clerikalen Antisemiten unter Drumonts Führung, die anderen die „freidenkerischen" (!) Antisemiten. Drumont geht mit der Absicht um, sich für die bevorstehenden Wahlen in Algerien, vielleicht in der Stadt Algier selbst, als Bewerber aufstellen zu lasten, nachdem seine Pläne in einem sttdfranzösischen Departement zu candidiren, ins Wasser gefallen sind. Es ist wunderbar und recht beachten? werth, daß dieser unheilvolle Mensch, der, nach, der großen Verbreitung der von ihm redigirten Zeitung zu schließen, einen ungeheuren Anhang haben müßte, doch, wenn es zum Farbeubekennen kommt, eigentlich fast von jedermann gemieden wird. Schon im Jahre 1893 fiel er bei den Wahlen durch, und jetzt scheint er alle Mühe zu haben, sich die nöthigen Wahlmacher zu verschaffen. In Algier nämlich wollen die dortigen, angeblich „rein republikanischen" und „atheistisch-freidenkerischen" Antisemiten von ihrem Parteihaupte nichts wissen, und der algierische Antisemit Pradelle, Bürgermeister von Muftapha, der kürzlich in Paris war, hat von dort aus telegraphisch zum Widerstande gegen den „clerikalen" Drumont aufgefordert, was ihn freilich nicht hinderte, täglich in der „Libre Parole" aus und ein zu gehen. Drumont und seine Mitarbeiter in der „Libre Parole" antworten heute mit Schärfe und mit ziemlich derselben ungedämpften Grobheit, die sie bisher nur für Juden, Protestanten und Regierungsmänner auf Lager halten. Wenn diese Meinungsaustausche derartig weitergehen, so können wir noch eine recht hübsche Kakophonie erleben. Italien. § Rom, 7. März. Unser Anrtsblatt veröffentlicht soeben ein königliches Decret, mittelst welchem die hiesige jüdische Gemeinde ermächtigt wird, am Tlberstrande ein Terrain anzukausen und auf demselben eine neue Synagoge zu erbauen. Unsere Cultusgemeinde will für diesen Bau eine Viertel Million Lire verausgaben. Morgen feiert Italien bekanntlich den 50. Geburtstag seiner Verfassung. Auch die Juden Italiens werden diesen Tag feiern, da die Verfassung ihnen die völlige Gleichberechtigung und vollste Glaubensfreiheit gebracht. Zwar heißt es in der Verfassung ausdrücklich, daß die Juden nur „Geduldete" („tollernti") sind, aber diese Clausel wurde nur deßhalb angenommen, weil Pius IX. gegen die Gleichstellung der Juden und Protestanten lebhaft protestirt hatte. Um nun diesen Papst zu beschwichtigen, versicherte man ihm, daß diese beiden Confessionen nur geduldet werden sollen. Und die Juden '.Italiens sind mit dieser Duldung vollkommen zufrieden. So duldet die italienische Regierung jetzt, daß der Jude Luzzatti Finanzminister ist. Auch jüd. Generäle, Senatoren und Präfekten werden in Italien geduldet. Die Juden Italiens verlangen daher gar nicht, daß ihre Gleichstellung erst feierlich proklamirt werde. I i S 1 j $