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Der Israelit · 1898-03-14 · Heft 21 (14.3.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 21 (14.3.1898)
Date
1898-03-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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386 unterricht der 167. Gemeindeschule ferngehalten hatte, wiederholt zu Geldstrafen von 8 resp. 6 Mark verurtherlt. Die Berufungsinstanz erkannte unter Aufhebung der erstinstanzlichen Urtheile auf Fre fprechung des Angeklagten. Nach § 1 der Verordnung vom 6. April 1897 werden Eltern bestraft, wenn ihre Kinder dem schulplsnmäßigen Unterricht ohne zwingenden Grund fernbleiben, der von der städtischen Schuldeputation ertheilte Dispens sei aber ein solcher Grund. Wenn der Rektor auf Grund einer Rücksprache mit dem Geistlichen der betreffenden Gemeinde den Angeklagten bedeutet habe, der ertheilte Dispensei durch den Erlaß de- CultuSministerS vom 16. Januar 1892 hinfällig geworden, und er habe daher seinen Sohn künftig zum Religionsunterricht zu schicken, so sei diese dem Angeklagten ohne Ermächtigung der zuständigen Schulbehörde gemachte Eröffnung rechtlich bedeungslos. Der Dispens müffe also als noch rechtswirksam angesehen werden, da er auch durch den Erlaß des CultuSministerS nicht ausgehoben worden ist; letzterer enthalte vielmehr eine Direktive für die zuständige Behörde. AI. Frankfurt a. M. Am 1. März waren es dreißig Jahre, daß Herr S. Koenigshöfer an der hiesigen israelitischen Religionsgesellschaft als Schächter angestellt wurde. Durch Geschicklichkeit und Pflichttreue ausgezeichnet, hat Herr Koenigshöfer sich die Achtung und Zuneigung eines großen Kreises erworben, sein freundliches und zuvorkommendes Wesen hat ihm eine Reihe von Freunden geschaffen, utib so ist es nicht zu verwundern, daß man den ersten März nicht unbemerkt vorübergehen ließ. Der Vorstand der Religionsgesellschaft widmete dem Jubilar einen silbernen Ehrenbecher, und von seinen Kollegen bekam er auch einen solchen überreicht. Ein Ehrengeschenk von einer Adresse begleitet, überreichte ihm eine Anzahl Männer, mit denen sein Amt ihn in geschäftliche Verbindung bringt. Jüdische und christliche Metzger'^sprechen in dieser Adresse dem Jubilars ihr ehrendes Lob aus und schließen daran in warmen Worten Wünsche für die weitere Zukunft des Jubilars. Auch wir rufen ihm ein herzliches tst) zu und wünschen ihm noch viele Jahre segensreicher Thätigkeit und schließen uns den Wünschen an, die ihm so reichlich von Freunden und Bekannten an seinem Ehrentage dargebracht wurden. Aus Württemberg. Um entsprechende Maßnahmen treffen zu^können,". stellte der'„Badische Oberrath der Israeliten" an die Kgl. Jsr. Oberkirchen« behörde eine^Anfrage bezüglicher Verköstigung der zum Militär eingezogenen israelitischen Lehrer und Vorsänger in Württemberg; auf die sofort eingeleitete Umfrage in beiheiligten Kreisen erhielten die Rabbinate folgende erfreuliche Mittheilung: Da» Ergebniß der Untersuchung, welche wir infolge der Anfrage des badischen Oberrath» der Israeliten über die rituelle Verköstigung der zum Militär eingezogenen israelitischen Lehrer und Vorsänger angestellt haben, ist ein fast durchaus günstiges und befriedigendes gewesen. Zugleich ist dasselbe für uns die Veranlassung geworden, durch Vermittlung des uns Vorgesetzten Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens bei den Militärbehörden für die Zukunft eine allgemeine Anordnung in der bezeichneten Richtung anzuregen, worauf nach einer uns zugekommenen Mittheiluug das K. Generalkommando am 5. d. M. die unterstellten Truppentheile angewiesen hat, die ihrer Dienstpflicht genügenden iSrael. Lehrer, Vorsänger und Schul«mt»candidaten thunlichst von der Menage zu befreien, um ihnen Gelegenheit zu geben, den Vorschriften ihrer Religion entsprechend rituelle Kost genießen zu können. Aus Baden. In der 46. öffentlichen Sitzung der' zweiten badischen Kammer haben die zwei antisemitischen Abgeordneten mit ihrem zu Tage getretenen Judenhaß gezeigt, welch' Geistes Kinder sie sind, so daß besonders bei Pfisterer die Heiterkeit des Hauses öfter» zu Tage tritt. Er sagte z. B. unter Anderem, „man solle den Juden Kilometerhefte nach Jerusalem verschaffen"!! In Walldorf hätten die Juden gezeigt, daß wenn der Stifter der christl. Religion wieder gekommen wäre, sie ihn nochmals gekreuzigt hätten. Schließlich wendet derselbe die Fabel von Kornhamster und Schweinigel auf die Israeliten an. Der Abgeordnete Pfisterer erhielt vom Präsidenten einen Ordnungsruf, auch wurde ihm von den nationalliberalen Deputirten Fieser und Straub, sowie von dem demokratischen Heimburger tüchtig heimgeleuchtet. Mampel (Antis.) erklärte, die Antisemiten wollten die Juden an Ordnung gewöhnen. Diese sollen den Schabbes auf den Sonntag verlegen rc. Lauter Sachen, die keinen Zweck haben. Wir haben uns also vor den Antisemiten in der bad. Kammer noch nicht zu fürchten. M. Epptrrgen, 9. März. Es ist ein wahrhaft wohlthuendes Gefühl, wenn man in der heutigen, religiös-indifferenten Zeit die Wahrnehmung macht, daß es n'2 noch viele Jehudim giebt, welche sich Zeit, Mühe und Geld kosten lassen, um die Pflichten ihres Glaubens pünktlich zu erfüllen. Ein solch angenehmes Gefühl überkam uns, als hier am jüngsten Montag aus dem Abend sechs Uhr Zuge drei einfache Handelsleute aus Flehingen (Baden) entstiegen, um im öffentlichen Gottesdienste die n^o zu hören. Dieselben waren an diesem Tage auf einem berühmten Viehmarkte in Kirchheim unter Teck (Württemberg), und beabsichtigen noch am gleichen Tage in ihr Heimathsort zu reisen, doch der Fahrplan zeigte ihnen, daß sie erst nach der öffentlichen Lesung ein-

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