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Der Israelit · 1898-03-14 · Heft 21 (14.3.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 21 (14.3.1898)
Date
1898-03-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m eine außergewöhnliche Rücksicht geübt, weil sie ihrer Abstammung nach entfernt mit den Israeliten verwandt waren. Die feindseligen Edomiter werden aber „unsere Brüder" genannt. Mit den Moabitern und Ammoniten durften die Israeliten keinen Krieg anfangen und mußten einen Umweg nehmen, weil es Nachkommen des Lot waren. Unter den obwaltenden Verhältnisien eine mehr als gewöhnliche Rücksichtnahme, wie sie vielleicht einzig in der Geschichte der Eroberungen dasteht! Die Edomiter waren Feinde des Volkes Israel. V. B. M., C. 23, 8 steht: „Du sollst den Edomi nicht verabscheuen, benu er ist dein Bruder; du sollst den Mizri (Egypter) nicht verabscheuen, denn ein Fremdling warst du in seinem Lande. Kinder, die ihnen geboren werden, das dritte Geschlecht, darf ihnen kommen in die Gemeinde des Ewigen." Dieser Hinweis, daß sie Fremdlinge waren in Egypten wird den Israeliten bei vielen Gelegenheiten ans Herz gelegt, damit sie mitleidig und barmherzig gegen Fremde seien, ja die „Nächstenliebe" gegen ihn daniit begründet. (III. B. M., C. 19, 33, 34.) „Wenn ein Fremdling bei dir weilt in eurem, Lande, so sollt ihr ihn nicht drücken. Wie der Einheimische von euch, soll euch der Fremde, der bei euch sich aufhält, sein, und du sollst ihn wie dich selbst lieben, denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Egypten; ich bin der Ewige euer Gott." Und gerade das durch die Egypter erduldete Leid und die Bedrückung und Gewalt wird als Grund angeführt, warum Israel nicht so gegen Fremde handeln solle. Das eigene Leid soll uns nicht verbittern, nicht hart und ungerecht machen. (II. B. M., C. 23, 9.) „Aber den Fremden bedrücke nicht, denn ihr wißt, wie es dem Fremden zu Muthe ist, denn ihr wäret Fremdlinge in Egypten." In diesen Vorschriften ist doch keine Spur von Haß und Feindschaft zu finden, und der verbiffenste Kritiker wird nicht einen „Beruf Israels, seine Feinde zu hassen", daraus herleiten können. Die Egypter waren trotz ihrer gerühmten Cultur gar nicht so achtenswerth, da sie in Bezug auf ihren Götzendienst und ihrer Lebensweise den Kenaanitern gleichgestellt werden, wie wir aus III. B. M., C. 18, 3 ersehen: „Nach dem Thun des Landes Mizrajim, darin ihr gewohnt habt, sollt ihr nicht thun, und nach dem Thun des Landes Kenaan, wohin ich euch bringen werde, sollt ihr nicht thun, und nach ihren Satzungen wandelt nicht." Die Kenaaniter werden uns in ihrer Lebensweise als verabscheuungswürdig und unrein geschildert, so daß „das Land verunreinigt" war und sie deshalb „ausgespieen" hat. Thierischer Leidenschaft ergab sich das Kenaanitervolk, das sich mit Thieren verband und die eigenen Kinder dem Moloch in schrecklichster Weise opferte, wie uns das ausführlicher das citirte Kapitel und Kapitel 20, ebenso V. B. M., C. 18, 9—15 schildert. Das waren keine Menschen mehr, sondern Scheußale, weshalb die strengen Befehle gegen dieses Volk und die harten Maßregeln wohl begründet sind. Die civilisirte Welt heutzutage hat sicherlich keine Sympathie mit Verbrechern schlimmster Sorte, mit einem Volke, das den Götzendienst, in solch abscheulicher unmoralischer Art zum Ausdruck brachte. Die Welt müßte dem Volke Israel dankbar sein, es ihm als Verdienst anrechnen, das Kenaanitervolk bekämpft und vertilgt zu haben. Wird es der christlichen Welt nicht auch als Verdienst angerechnet, daß sie die heidnischen Völker bekämpft und, wie die Geschichte noch des jüngsten Jahrtausend beweist, nicht blos Tiiit Nächstenliebe bekämpft und bekehrt hat. Leider scheint man es auch heutzutage noch als verdienstliches, gottgefälliges Werk zu halten das jüdische Volk, dem die ganze Welt die höchste Wahrheit verdankt, das mit seinem Einheitsglauben allen heidnischen Völkern der alten Welt entgegengetreten ist, und dessen Wahrheit und Moral das Fundament ist, auf dem sich die neuere Zeit, die civilisirte Welt aufgebaut hat, zu bekämpfen mit den gehässigsten Waffen. Soll das jüdische Volk so die Nächstenliebe dieser Welt kennen und achten lernen?! Jahrtausende sind uns mit Haß und Feindschaft begegnet; daß wir nicht verbittert wurden, nicht menschenfeindlich und weltverachtend geworden, das verdanken wir unserem Gesetze, das uns fort und fort hinweist auf Egypten, wo wir als Fremdlinge hart behandelt wurden. Wir haben frühzeitig kennen gelernt, was es heißt, Unrecht erdulden, und sollen deßhalb anders handeln und denken, sollen unser Herz dem Mitgefühle offen halten. In Erinnerung daran und im Gehorsam dem Gebote unseres Gottes wollen wir auch in Zukunft diese Nächstenliebe bethätigen! Zeitungsnachrichten und Correspondenre«: Deutschland. ** Berlin, 6. März. In der Frage de» Religionsunterrichts der Kinder von Dissidenten fällte in der Berufungsinstanz die 8. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors W e i n m a n n eine Entscheidung von weitgehender Bedeutung. Wegen Uebertretung des Gesetzes vom 23. April 1883 und der Verordnung des Provinzial-Schulcollegiums vom 6. April 1897 hatte das Schöffengericht den Arbeiter Otto Müller, welcher seinen Sohn im Sommer v. I. vom RelizionSi?>

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