Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1898)
- Date
- 1898-03-10
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Von früh Morgens bis Abends spät sind die schönen, Hellen Räume desselben geöffnet und erwärmt. Welcher wahrhafte mrr empfindet nicht große Freude und Befriedigung, wenn er tagsüber in den Lernsaal tritt und dort einer ganzen Reihe greiser a\na^ und lernbedürftiger omna ansichtig wird, die fleißig und ungenirt, die me: in der Hand, dem nin-Studium obliegen, unbekümmert um das Jagen und Treiben der Außenwelt. „Eine ächte altjüdische n^7i-2tätte!" Es finden täglich drei statt: Morgens ein von: w, Abends zwischen nnao und ansns abwechselnde onw für bik "n, x-ioj, ruva, welche beide für das Publikum bestimmt sind, und Nachmittagein nrr für *naa mit wenva für ftudirende Außerdem werden rav nach nnao, r^iia-Vorträge gehalten. Zur Abhaltung dieser stellen einige bewährte und bekannte a'aiab ihre Kräfte in den Dienst des tmon rvu. Täglich findet ein zweistündiger Kinder-Unterricht statt, in welchem für zwei Abtheilungen rnrra und ntn gründlich gelehrt wird. Dieser Unterricht ist gut besucht. Für dessen Unterhalt sorgt eine hochherzige Persönlichkeit am hiesigen Platze. Das btd wird auch als a*ro sowohl an Wochentagen als auch benutzt. Die Bibliothek ist zwar nicht klein, doch bedarf sie noch einer bedeutenden Vergrößerung, welche hoffentlich durch das hier obwaltende Interesse am n*nm nivH bald bewerkstelligt werden kann. Mögen auch andere deutsche Städte cnsme dieser Art errichten. Gtratzburg i. E (Eine ernste Frage.) Wir lesen in der „Str. Post" vom 3. d. M.: „Die verstorbene Frau Weil-Ruefs hat das hiesige israelitischeSpital durch bedeutende testamentarische Zuwendungen bedacht. Diese menschonfreundliche Anstatt, welcher bereits mehrere Vermächtnisse in der letzten Zeit zugefallen sind, wird hierdurch bedeutend in ihrem Werke unterstützt, welches vor allem darin besieht, unbemittelte Kranke unentgeltlich aufzunehmen, wobei das Komittee alles Mögliche aufbietet, um den Insassen der Anstalt in religiöser Beziehung alle Wünsche zu erfüllen und ihnen sorgfältigste und liebevollste Pflege zu Theil werden zu lassen." Wir freuen uns von innigem Herzen, daß in unserer Gemeinde noch so vielfach das edle Bestreben vorhanden ist, den Dürftigsten unter den Dürftigen, den kranken Armen Hilfe zu verschaffen. Denn nur der Gedanke schwebt den edlen Gebern und Testatoren vor, daß durch ihre Zuwendungen da» Spital in erster Reihe ein Zufluchtsort für unbemittelte Kranke werden könne. Für diese Bestimmung ist vor vielen Jahren dar Spital mit großen Opfern gegründet worden, für diese Bestimmung empfängt das Spital alljährlich von mehreren hundert Mitgliedern freiwillige Beiträge und nach der oben erwähnten Mittheilung der „Str. Post" wird auch ausdrücklich angegeben, daß diese Anstalt vor Allem dazu berufen sei: „unbemittelte Kranke unentgeltlich anfzunehmen." Wir fragen aber, erfüllt das israelitische Krankenhaus in Straßburg i. E. den Zweck seiner Bestimmung und die Verpflichtungen, die ihm durch Zuwendungen und jährliche Beiträge auferlegt werden? Wir fragen so laut wir fragen können, wo sind die unbemittelten Kranken, die unentgeltlich ausgenommen werden??? Wenn man sich auch für den würdigsten und bedürftigsten Kranken bemüht, um dessen unentgeltliche Aufnahme zu bewirken, so erhält man immer die regelmäßige Antwort: Der Kranke oder die Kranke kann nicht unentgeltlich ausgenommen werden. Man kömmt fast auf die Vermuthung, daß der Präsident im Zola-Prozeß schon einmal längere Zeit im Verwaltungsrath des hiesigen Krankenhaus gesessen habe und daher sei ihm die stereotype Bemerkung: „Dieser Antrag kann nicht zugelassen werden" so geläufig gewesen. Durch einen überaus traurigen Fall, der sich soeben hier abgespielt hat, erfahren die Zustände in der Verwaltung eine drastische Beleuchtung. Ein armer, jüdischer Fremder kam in der letzten Februarwcche mit einem Atteste einer der angesehensten hiesigen Aerzte, in welchem um Aufnahme in das jüdische Krankenhaus gebeten wurde, zur Directrice des Krankenhauses. Die Directrice schickte den Armen, der Lungenentzündung und Asthma im höchsten Grade hatte, und welcher jeden Augenblick umzufallen drohte, zu dem Präsidenten des Verwaltungsraths Herrn L. Bauer, Mitglied des Consistoriums für Unterelsaß. Herr Bauer antwortete dem Manne, er könne allein nichts entscheiden, er müßte dieses Gesuch um Aufnahme der ganzen Verwaltung vorlegen und fügte hinzu: „Morgen ist Sitzung und dann kann ich Ihnen Morgen die Antwort geben." Am darauffolgenden Tage ertheilte der Herr Präsident des Verwaltungsraths, Consistorialmitglied L. Bauer dem armen Kranken auch prompt die An wort: „Ohne Geld, können wir Sie nicht aufnehmen." — Also einen völlig mittellosen sterbenskranken Mann schickte man in dieser ungünstigen Witterung von Dienstag bis Donnerstag herum, läßt ihn drei Tage um Aufnahme in ein jüdisches Krankenhaus betteln, um ihm am dritten Tag die Aufnahme endgültig zu verweigern! Der Kranke begab sich hierauf zum Arzt zurück unb der Arzt veranlaßte dann dessen Aufnahme im Bürgerspital. Wie geboten aber die Aufnahme in das jüdische Krankenhaus gewesen wäre, ist leider cllzugut bewiesen. Trotz der sorgfältigen Pflege, welche der Mann im Bürgerspital erhielt, ist derselbe schon nach wenigen Tagen dort verstorben. Am