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Der Israelit · 1898-03-10 · Heft 20 (10.3.1898) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 20 (10.3.1898)
Date
1898-03-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. Zweite Beilage M M 20 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland. LR. Berlin, 4. März. In der letzten Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde mußten wieder verschiedene Punkte vertagt werden. Hervorheben will ich: Frau Frederike Lehmann, geb. Cohn hat der Alterversorgungsanftall 12,000 M. zugewandt. Zur Errichtung neuer Synagogen hat der Vorstand eine Enquete über den Besuch der vorhandenen Gotteshäuser veranstaltet und deren Ergebniß dem Ausschuß für gottesdienstliche Angelegenheiten zugehen zu lasten. Das Gesuch des Israelitischen Kindergartens in der Gormanstraße, um Gewährung einer Jahressubvention von 200 M. wird bewilligt, ebenso werden zur Beköstigung der jüdischen Gesangenen im Zuchthause zu Rawiez 256 M. ausgeworfen. Es erfolgt sodann der Rechnungsabschluß der gottesdienstlichen Veranstaltungen . an den letzten hohen Feiertagen, welche 23,284 M. gekostet haben. Ferner sollen im Nordosten und Norden unserer Stadt Gottesdienste veranstaltet werden, zu welchen Plätze zum Preise von 1 M. 50 Pfennig abgegeben werden sollen. — Ich laste unter der Voraussetzung, daß es die Leser des „Israelit" interesstren wird, das Gutachten des hiesigen Rabbinats über den Sonntagsgottesdienst hier folgen. „Auf Ihre geschätzte Zuschrift vom 1. d. M., worin Sie von uns über die bei Ihnen eingegangene Petition, die Einrichtung eines Sonntags-Gottesdienstes betreffend, ein Gutachten einfordern, beehren wir uns zu erwidern, daß wir aus dem Standpunkt des traditionellen Judenthums beharrend, jeden Sonntags- Gottesdienst mit jedem Charakter prinzipiell ablehnen müssen, weil er den Sabbat vollständig zu vernichten geeignet ist. Diese unsere Befürchtung erweist sich durch die Erfahrung, welche die Begründer der hiesigen jüdischen Reformgemeinde gemacht haben, als vollkommen berechtigt. Auch da wurde ursprünglich die Einführung des Sonntagsgottesdienstes als religionsgesetzlich harmlos bezeichnet, weil der Sabbat-Gottesdienst beibehalten werden sollte, aber schon in dem ersten Jahre mußte der Sabbat-Gottesdienst aufgehoben werden, weil er außer von den Kultusbeamten von Niemand besucht wurde. — Daß wir aber zur Aufhebung des Sabbats, des vieltausendjährigen Wochen-Ruhetages des Judenthums die Hand bieten und die Heiligung des Christlichen Wochen-Ruhetages fördern sollten, das kann Niemand von uns verlangen. Wir wollen nicht zu den Vernichtern des Judenthums gehören. Der Sabbat wurzelt noch trotz Noth und Drang der Erwerbsverhältniste viel zu tief im Herzen unserer Glaubensgenosten, als daß an einen Ersatz destelben durch einen Sonntags-Gottesdienst gedacht werden dürfte. Bemerken wollen wir indeß noch, daß für uns die Bedürfnißfrage durch die Beibringung von 5000 Unterschriften für einen Sonntags-Gottesdienst noch durchaus nicht erwiesen ist. Es ist ein Anderes, die Unterschrift für die Abhaltung eines Sonntags-Gottesdienstes zu geben, und ein Anderes, diesen Gottesdienst eventuell zu besuchen. Sollten die 5000 Unterschriebenen aber wirklich das rege Bedürfniß nach einem Sonntags-Gottesdienst haben, so ist ihnen ja längst die Möglichkeit geboten, bei dem Gottesdienste der hiesigen Resormgemeinde dafür Befriedigung zu suchen. Was von den Petenten hingegen eingewendet wird, kann kaum in's Gewicht fallen, denn die von ihnen sogenannten „konfessionellen Bedenken" können unmöglich bei Männern in's Gewicht fallen, die sich zugestandenermaßen über das kardinale Gebot der Sabbatfeier hinwegsetzm und dafür einen Sonntags-Gottesdienst einführen wollen." Frankfurt a. M. In Nummer 16 des „Israelit" vom 24. Februar befindet sich eine Notiz, welche den Vortrag des Herrn Sinai Schiffer im hiesigen „Nuss.-Poln. Bes Hamidrasch", Uhlandstr. 40, bespricht. Diese nrn-Lehranstalt ist weit entfernt, dem Grundsätze: et? new zu huldigen, doch ist es, nachdem deren Namen einmal in diesem Blatte Erwähnung fand, Pflicht, den geehrten Leserkreis in kurzen Zügen über Wesen und Zweck des genannten tmsn n’3 zu unterrichten. Vor 21/2 Jahren gründeten hier einige aus Rußland eingewanderte mim, die den Mangel eines ständig geöffneten amen rrin unserer Lui ry empfanden, diese Anstalt unter dem Namen '-vid tmen ms, welcher Name nicht das Deutschthunl ausschließen, sondern aussprechen soll, daß das vrn nach Art der in Polen existirenden den ganzen Tag geöffnet ist für die, welche ihre freie Zeit dem nim- Studium widmen wollen und zu Hause nicht über eine genügende Bibliothek, geheiztes oder beleuchtetes Lokal verfügen, sowie für vorübergehend sich hier aufhaltende rrrn Dank rasch zunehmender Begeisterung und Betheiligung an diesem edlen Werke des mm -ne^ erzielte diese Anstalt bald namhafte Fortschritte, und jetzt schon sieht man allgemein ein, daß durch Gründung des cmon ms einem großen Mangel in unserer Stadt abgeholfen ist.

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