Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1898)
- Date
- 1898-03-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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877 jüngstverflossenen mv, an welchem man rm dk tot p^>vv -j1? verlesen hat, ist der Mann dem Tode erlegen. In den weitesten Kreisen unserer Gemeinde herrscht über diesen Vorfall die größte Aufregung. Man fragt sich, verdient denn ein Krankenhau» angesichts solcher haarsträubenden Vorgänge noch den Namen einer jüdischen Wohlthätigkeitsanftalt? Man fragt sich, märe es hier nicht Pflicht der Gemeindeverwaltung, oder des Consistoriums die Verwaltung des Krankenhauses zu einer anderen Praxis zu zwingen? Man fragt sich, wäre es denn nicht endlich höchste Zeit, daß eine Aenderung in dem System der Verwaltung des Krankenhauses Platz greife? Ja, wir sprechen von dem Verwaltungssystem, denn wir haben es hier nicht mit einem vereinzelten traurigen Falle zu thun, sondern mit einem wohldurchdachten System, welches so traurige Früchte zeitigt. Lasten wir nur die Herren des Verwaltungsraths selbst sprechen. In der jüngsten Generalversammlung vom 28. Mai v. I. theilte der Präsident mit, daß während des Geschäftsjahres 12 arme Kranke mit zusammen 526 Verpflegungstagen unentgeltlich ausgenommen wurden. Es muß nämlich bemerkt werden, daß jüdische Kranke, welche Mitglieder der israelitischen Gemeinde Straßburg sind, zuweilen auch unentgeltliche Aufnahme finden können und finden, da die Gemeinde und verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten Beitrage leisten. So erklärt es sich, daß in dem großen, großartig eingerichteten Krankenhaus auch täglich 1—2 arme Kranke unentgeltlich verpflegt wurden. Doch fahren wir mit dem Bericht über die Generalversammlung fort: „Der Schatzmeister verliest hierauf den Rechnungsbericht vom verflossenen Geschäftsjahr, woraus sich ergiebt, daß das Anstaltsvermögen sich um 11 173 M. vermehrt hat." Wir fragen nun, mit welchem Rechte macht die Verwaltung auf Kosten der kranken Armen derartige Ersparnisse? Ist denn eine jüdische Spitalverwaltung berechtigt, die Aufnahme von Kranken zu verweigern, wenn ihr die Mittel dazu in so reichem Maße zur Verfügung stehen, daß in einem Jahre das Vermögen sich um 11 173 M. erhöhen kann? Bei einem solchen Verwaltungssystem mögen sich die Herren des Verwaltungsraths als sehr tüchtig in ihrem Amte halten und mit Selbstbefriedigung der Generalversammlung Bericht über ihre ersprießliche Thätigkeit ablegen, vor dem himmlischen Vater, der Qtmn rs genannt wird, werden sie nie und nimmer als tüchtige Verwalter eines heiligen rra, wie der Präsident mit Emphase das Krankenhaus genannt hat, gelten, und wenn sie vor dem himmlischen Vater Bericht über ihre Thätigkeit ablegen sollen, so wird diese wohl mit ganz anderem Maßftabe gemessen werden. Daher fragen wir, wie lange noch soll das israelitische Krankenhaus in Straßburg i. E. nach einem falschen System verwaltet werden? U. A. w. g. Stuttgart, 28. Febr. Vergangenen Sabbat 'c fand in unserer Religionsgesellschaft eine erbebende Feier statt, die den Tag zu einem wahrhaft festlichen gestaltete. ES galt die Einweihung eines neuen das eines der Mitglieder, Herr David Levy schreiben ließ und das nun seiner heiligen Bestimmung übergeben wurde. Wenn auch die Mitgliederzahl eine beschränkte, ist es doch in kurzer Zeit das dritte Mal, daß eine solche Feier stattfand, ein Beweis, wie sehr die Mitglieder der Gesellschaft bemüht sind, das Festhalten an unserer heiligen Religion auf solche Weise zu bekunden, wobei keine Opfer gescheut werden, welcher Art sie auch seien. Mit Gebet und Geümg wurde die Feier in dem festlich geschmückten Betsaale eingeleitet; dann sprach der Prediger der Religionsgesellschaft, Herr S. Abraham, in schön durchdachten Worten über die Bedeutung des Festes an die Worte anknüpfend w nnatra: n nvw Divrm und weiter ausführend, daß es in Israel noch Männer gibt, die für das Judenthum wirken und einstehen. Wir sprechen da» bei den Wunsch aus, daß es Herrn Levy und seiner Gemahlin noch lange vergönnt sein möge, in gleichem Sinne weiter zu wirken, ihre Befriedigung finden sie in den Worten: msa rraa Am Nachmittage folgten alle Mitglieder, Herren und Damen, einer Einladung von Herrn und Frau Levy in das Cafö Neumann, die auch Herr Kirchenrath Dr. Kroner mit seiner Anwesenheit beehrte. Mit wohlgelungenen Reden von Seiten des Herrn Kirchenraths, des Vorstehers Herrn H. Gutmann und des Herrn Abraham fand der Tag einen schönen, würdigen Abschluß. 8. ** Breslau Auf Veranlassung des Herrn Cantors Ros ent h al und unter dem Vorsitz de« Herrn Prof. B a dt wurde ein Verein „Thora Waawodali“ in's Leben gerufen, der e« sich zur Aufgabe gemacht hat, Kaufmannslehrlinge an den freien Sonntagen und an einzelnen Abenden der Woche zu ver> einigen, um ihre Kenntnisse im Hebräischen, sowie in jüdischer Geschichte und Literatur durch Unterricht und Vorträge zu erweitern und so religiösen Sinn in ihnen zu wecken und fördern. Mit der Zeit sollen die Vereinsmitglieder selbst zu leichten Vorträgen, natürlich unter entsprechender sachkundiger Anleitung, herangezogen und, um den Eifer anzuspornen, die besseren Leistungen prämiirt werden. Außerdem beabsichtigt der Vorstand, um Interesse für den Verein zu wecken und der Anziehungskraft des „christlichen Lehrlingsheims" ein Gegengewicht zu bieten, die