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Der Israelit · 1898-03-10 · Heft 20 (10.3.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 20 (10.3.1898)
Date
1898-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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662 87,548 M. Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß ein großer Theil der deutschen Zeitungen von den Artikeln und Berichtigungen der von antisemitischen Blättern gebrachten falschen Behauptungen bezüglich jüdischer Mitbürger Notiz genommen hat. Die Redaktion wird in Zukunft bestrebt sein, nach dieser Richtung in noch umfassenderer Weise thätig zu sein. Eine besonders wichtige Aufgabe ist dem Hauptbureau durch die Sammlung des die Gesetzgebung und Verwaltung betreffenden Materials gestellt. Von allen Seiten ist anerkannt worden, daß hierzu dauernde und umfaffende Arbeit erforderlich ist. Das Bureau hat sowohl den Rednern, w lche in öffentlichen Versammlungen auftreten, al» auch den Mitgliedern der Parlamente — und zwar verschiedener politischer Richtungen — solches Material oft zur Verfügung gestellt. Dasselbe ist denn auch vielfach verwerthet worden und hat wesentlich zur Aufklärung über die thatsächlichen Verhältniffe, insbesondere über die Natur, Ziele und Wirkungen der antisemitischen Bewegung beigetragen. Die Fortsetzung dieser wichtigen Arbeit wird so lange nothwendig sein, als sich die antisemitische Agitation in unserem öffentlichen Leben zeigt. In Bezug auf die Abhaltung von öffentlichen Versammlungen sind, wie wir aus Preßäußerungen jüngster Zeit ersehen, selbst bei Männern, welche unseren Bestrebungen durchaus freundlich gegenüber stehen, irrthümliche Anschauungen verbreitet. Insbesondere wird in einer Zeitschrift behauptet, daß, während die Antisemiten nach der Miltheilung der „Antisemitischen Korrespondenz" im letzten Jahre über 700 Versammlungen in den verschiedensten Gegenden Deutschlands abgehalten hätten. Seitens der Gegner des Antisemitismus nur sehr wenig geschehen sei. Diese Behauptung ist nicht zutreffend. In mindestens ebensovielen Versammlungen der verschiedenen politischen Parteien ist gegen den Antisemitismus Front gemacht worden. Daß allerdengs ein Verein, der, wie der obige Kassenbericht ergibt, nur über verhältnißmäßig geringe Mittel verfügt, nicht eine so ausgedehnte Thätigkeit entfalten kann, wie beispielsweise der antisemitische „Bund der Landwiethe", welcher jährlich eine Einnahme von nahezu ll2 Million Mark und ungefähr 80 Beamte zur Verfügung hat, von denen 18 fortgesetzt im Lande herumreisen, das liegt auf der Hand. Das ist nur durch andauernde Arbeit zu erreichen, welche in sogenannten „ruhigen" Zeiten ebenso zu leisten ist, wie in bewegten. Aus dem Berichte des Vorstandes heben wir ferner hervor, daß voraussichtlich in diesem Jahre eine neue Auflage des Antisemitenspiegels erforderlich werden wird; derselbe wird, da er auch die letzten Vorkommnisse auf dem Gebiete der antisemitischen Bewegung berücksichtigen muß, eine erhebliche Ausdehnung erfahren. Das betreffende Material ist in Arbeit. Schließlich verweist der Bericht nochmals auf die Wichtigkeit der publizistischen Thätigkeit des Hauptbureaus in Berlin und Frankfurt-Main hin. Die sieben Jahrgänge der „Mittheilungen" des Vereins und der an 800 Zeitungen wöchentlich von Berlin aus versandten „Korrespondenz" enthalten im Verein mit den von dem Frankfurter Bureau versandten Zeitungskorrespondenzen ein Material zur Bekämpfung des Antisemitismus, wie es sonst nicht zusammrngestellt und bearbeitet ist. Von Bibliotheken, von Vereinen und Privatpersonen in Deutschland und im Auslande werden fortdauernd einzelne Nummern und ganze Jahrgänge bestellt. Wer die antisemitische Agitation von heute mit derjenigen vor mehreren Jahren genau vergleicht, wird den Unterschied zwischen damals und heute herausfinden können. Erreicht ist das Ziel noch lange nicht und deßhalb sollen wir nicht rasten und ruhen. Aber der Ueberzengung sind wir nach den Erfahrungen, die wir in unserer siebenjähriger Thätigkeit gemacht haben, daß unsere mühevolle und mitunter recht undankbare Aufklärungsarbeit, zu der wir die unentbehrliche Mitarbeit unserer Mitglieder im Lande erbitten, ihre Früchte tragen wird. 8. Ostrowo, 4. März. Am 7. Adar hielt Rabbiner Dr. Pleßner Hierselbst im Gotteshause vor zahlreich versammelten Mitgliedern des israelitischen Krankenverpflegungs- und Beerdigungsvereins einen recht interessanten Vortrag über das Thema: „Das Streben Moses nach Vollkommenheit und deren Erlangung." An den Vortrag schloß sich eine Gedächtnißfeier für den vor Kurzem verstorbenen Rabbiner und Gelehrten Bamberg er—Aschaffenburg, dessen Söhne in der Provinz Posen (als Rabbiner in Schrimm und Schildberg) seelsorgerisch wirken. Im Anschluß an diese Andachtsübung versammelten sich die thätigen Mitglieder des Vereins nebst geladenen Ehrengästen am Abend zu einem Festmahle, an welchem der Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde, Fabrikbesitzer Fabian Fränkel, zum Andenken an seinen Vater dem Verein zur Beschaffung von erforderlichen Gebetbüchern für die Mitglieder einen Beitrag von circa 400 M. gespendet hat. § Kolin, 20. Febr. Sobald der Frühling herannaht und die ersten Lerchenstimmen sich hören lassen und die Jsraliten anfangen, sich zum Passahfeste zu rüsten, beginnen auch unsere Feinde, sich zu rühren und nebst anderen Verleumdungen der Juden

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