Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1898)
- Date
- 1898-03-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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m welche ihm stets so willig gefolgt seien. Dankbar erkenne er es an, daß während seiner Amtsdauer in wichtigen Dingen nie Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und der Gemeindevertretung geherrscht habe. Wir wagen es nicht, Weiteres von den bewegten Worten des Jubilars hier wiederzugeben, da es uns bei der Knappheit des Raumes nicht gegeben ist, den Leser durch eine kurze Darstellung die gewaltige Wirkung ahnen zu lasten, welche diese Rede auf die Zuhörer ausübte. Nach dem Gottesdienste, als fast die ganze Gemeinde in der Wohnung des Jubilars zur Gratulation versammelt war, wurden kunstvoll ausgestattete Adressen auswärtiger Korporationen überreicht. Die Adresse des Kuratoriums des Rabbinerseminars verlas nach einer zündenden Ansprache Herr G. Gomperz aus Hamburg, die Ueberreichung der Adresse des Dozenten - Kollegiums des Rabbinerseminars begleitete der bewährte Redner Herr Professor Barth mit huldigenden Worten. Der Gefeierte antwortete und sprach es in seiner Dankesrede aus, wie innig ihm die Förderung des Rabbinerseminars am Herzen liege und wie es ihm vergönnt gewesen von der Gründung an Einfluß auf dasselbe zu nehmen. Rabbiner Dr. Bondi—Mainz sprach dann im Namen des Vorstandes der Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands, oeren Präsident Herr Dr. Auerbach ist. Redner dankt dem Jubilar dafür, daß ihm die Gründung dieser hochwichtigen Vereinigung in erster Linie zu verdanken sei, und verlas und überreichte die Adresse der Vereinigung. Herr Dr. Wolfs—Köln verlas dann noch eine in klassischem Hebräisch abgefaßte Adresse der Schüler des Berliner Rabbinerseminars. Der Jubilar dankte nun seinerseits seinen Collegen im Vorstand der Vereinigung traditionell - gesetzestreuer Rabbiner. Unserem Gefühle nach gebührt dieser Ansprache in Bezug auf Bedeutung und Inhalt, die Palme unter allen Reden, die wir in dieser redereichen Festeszeit vernommen haben. Redner setzte darin die Notwendigkeit auseinander, warum die deutschen Rabbiner, die dem wahren unverfälschten Judenthume anhängen, sich zur Verteidigung unserer heiligsten Interessen zusammenschließen mußten. Seit zehn Jahren ungefähr hält er einen solchen Rabbinerverein für wünschenswerth. So lange der allbekannte Rabbi S. B. Bamberger,derunermüdlicheDr.Lehmannund der Dpa» fmu d-w der riesengroße Rabbi Hirsch lebten sei ein Zusammenschluß Vieler nicht entbehrt worden. Jeder einzelne von diesen drei großen Männern sei stark genug gewesen gegen eine ganze Welt allein aufzutreten. Erst seitdem diese drei Hirten in kurzer Zeit hintereinander abberufen seien, müßten sich die Vielen zusammenthun, um Einzelne zu ersetzen. Das Verdienst der Gründer der Vereinigung zu sein, lehnte er bescheiden ab und sprach dieses Verdienst den anwesenden, jüngeren Vorstandsmitgliedern zu. Redner schloß mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß in kurzer Zeit die Vereinigung traditionell - gesetzestreuer Rabbiner bald alle Männer um sich geschaht haben möge, die diesen Ehrennamen in Wahrheit verdienen. Nach diesen mit großem Beifall aufgenommenen Worten trat noch Herr Benjamin Hirsch hervor und drückte tiefbewegt seine Freude darüber aus, daß dem Halberstädter Rabbiner von so vielen Seiten gehuldigt werde. Abends um 3/49 Uhr begann das große Festbankett im Hotel Prinz Eugen, bei dem sich mehr als zweihundert Personen betheiligten und das von herrlichen Reden, Gesängen und Dichtungen begleitet, einen prächtigen Verlauf nahm und bis 3 Uhr Nachts die Festtheilnehmer in gehobener Stimmung zusammenhielt. Sonntag Nachmittag fand noch die Feier der israelitischen Schule und der Halberstädter jüd. Vereine statt, für die Herr Dr. P. K o h n—Ansbach zum Festredner bestimmt war. Diesem Schlußfeste konnten wir zu unserem Bedauern nicht mehr beiwohnen. Was wir aber in Halberstadt während der Festeszeit gesehen und erlebt haben, es genügt vollauf, um uns das Jubiläum des Herrn Dr. S. Auerbach unvergeßlich zu machen. Mögen sich die zahlreichen, aufrichtigen Wünsche, die dem geliebten Manne ausgesprochen wurden, in reichgesegnetem Maße erfüllen, möge die Feier selbst beitragen .mox min ‘nnb Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland. Berlin. Die Verwaltung der Israelitischen Heimathshäuser-Berlin, Hormannstraße 3, wird demnächst ihren Wirkungskreis durch Einrichtung einer Haushaltungs- und Kochschule erweitern. Zweck dieser Schule ist, in einem drei- resp. sechsmonatlichen Kursus jüdische Mädchen durch pädagogisch gebildete Lehrerinnen für den Beruf als Köchin oder Stütze der Hausfrau auszubilden oder ihnen die für den einstigen eigenen Hausstand nothwendigen Kenntnisse beizubringen. Verbunden hiermit sind Kurse für Schneiderei, Waschen, Plätten rc. Die Räume der Schüler befinden sich Wein m e i st e rst r. 1a, Ecke Rosenthalerstraße. Eröffnung Anfang April d. I. Anmeldungen sind zu richten an Frau Johanna Abraham, Schagerstr. 34. Auswärtige finden Aufnahme im Mädchenheim, Gormannstraße Nr. 3. Berlin. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hatte im Jahre 1897 eine Einnahme von