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Der Israelit · 1898-03-07 · Heft 19 (7.3.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 19 (7.3.1898)
Date
1898-03-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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353 hin, daß Esther nun zum Beweise ihrer Behauptung die ihr von ihrem Pflegevater übersandte Abschrift übergab, die dem Könige im Wortlaut bisher^noch nicht Vorgelegen hatte,*) sonst wäre sie hier gar nicht am Platze gewesen. Nur so erklärt sich der ungekünstelte Zorn des Königs und die begleitenden Umstände und Folgen für Haman. Nach diesen Ausführungen könnte vielleicht noch der Einwand erhoben werden, daß eine Analogie in der im Vorstehenden dargelegten Weise wenigstens gewagt sei, weil ja jedenfalls die Verhandlungen zwischen König und Kanzler in persischer Sprache gepflogen wurden, die Megillo aber hebräisch geschrieben ist. Allein auch diese Bedenken müssen schwinden, wenn man sich vergegenwärtigt, daß dem Mordochai nach der Tradition vielumfassende Sprachkenntnisse zugeschrieben werden, und daß dieser sich selber durch Abfassung des Buches Esther das Zeugniß eines sprachgewandten Mannes ausgestellt hat. Einem solchen Schriftsteller konnte es unmöglich schwer fallen, einen zweideutigen hebr. Ausdruck zu finden, der die Ueberrumpelung des Königs erkennen läßt, ohne die Gefühle desselben zu verletzen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. ** Königsberg, 17. Febr. Dem 37. Jahresbericht des israelitischen Waisenhauses für Stadt und Provinz pro 1 8j1 entnehmen nur, baß die Anstalt fortgesetzt an einer immer erweiterten Ausgestaltung ihrer Ziele gearbeitet hat, besonders nachdem sie mit der wechselnden materiellen Basis eine allmählich ausreichende Nutzung ihrer Hilfsmittel gewonnen. Um aber den wachsenden Ausgaben der Zukunft gerecht werden zu können, vertraut der Vorstand auf die Liebe der alten bewährten Freunde und Gönner, erhofft aber auch aus neue Helfer und Stützen und richtet semen Blick dabei vornehmlich auf die große Zahl der wohlthäligen Männer in der Provinz, zumal das Waisenhaus fast ausschließlich den auswärtigen Armen und Verlassenen in der Provinz zu gute kommt. Nach der Anstaltschronik zählt die Anstalt gegenwärtig 33 Zöglinge, und zwar 24 schulpflichtige Knaben und drei Mädchen, fünf Handwerkslehrlinge und ein in der Ausbildung begriffenes Mädchen; acht Zöglinge verließen im letzten Jahre die Anstalt, fünf traten hinzu. Der Vorstand besteht aus den Herren Dr. A. Friedländer, A. Magnus, *) Begründung dieser Behanptung ergiebt sich aus Kap. i, V. 11. Stadtrath I. Eichelbaum—Insterburg, A. Aron, M. Warbutzki—Tilsit, I. Lazar, S. Mathias und Prof. Dr. L. Saalschutz, sowie den Ehrendamen Frauen R. Josephsobn, Magnus, F. Behrend und I. Levy. Leiter und Oekonom der Anstalt ist Herr Inspektor A. Peritz. Wohlthaten und Geschenke aller Art sind der Anstalt wieder in großer Zahl zugefloffen. An baaren Zuwendungen erhielt sie als Legate rc. 6350 M. und als Spenden bei besonderer? Gelegenheiten rund 1700 M. Die Anstalt verfügt über eine respektable Anzahl von Stiftungen und besitzt incl. des Anstaltsgrun Stücks ein Vermögen von rund 239,630 M. Nach dem Rechnungsauszug pro 1897 betrugen die Einnahmen 34,845,09 M, die Ausgaben 39,006,95 M. Die diesjährige Generalversammlung fand am 27 Februar im Anstaltsgebäude statt. Karlsruhe, 4. März. (Zweite Kammer.) Fortsetzung der Berathung des Justizbudgets. Abg. Pfisterer (Antis.) glaubt das Wort des Kaisers, daß nur ein guter Christ, ein guter Soldat sein könne, auch auf den Nichterstand ausdehnen zu sollen und wünscht keine jüdischen Richter. Präsident Gönner weist diese Ausführungen als durchaus ungehörig zurück und als Pfisterer in geradezu ordinärer Weise mit einem die Israeliten beleidigenden Citate schließt, wird er zur Ordnung gerufen. Abg. Fieser (natl.) möchte laut Protest erheben gegen die schmachvolle Judenhetze des Abg. Pfisterer, wenn man diesen auch sonst in seinen Redeübuugen nicht ernst nehme. Besonders müsse er Verwahrung einlegen gegen die Unterstellung, als ob die jüdischen Richter ihre Glaubensgenossen bei Vergehen gegen die Gesetze besonders berücksichtigen. Das sei eine große Unwahrheit, da sich die jüdischen Richter „voll und ganz" bewährt haben. Staatsminister Nokk führt aus, daß er in Bezug auf die Aeußerung Pfisterers sich den Ausführungen aus dem Hause anschließe. Abg. Mandel (Antis.) erklärt, daß seine Partei die Juden nicht vertreiben, sondern nur zur Ordnung und zur täglichen Arbeit bringen wolle. Wenn es nach den Juden ginge, müßten die Christen ihren Sonntag auf den Samstag verlegen. Abg. Psisterer (Antis.) wendet sich gegen Fieser, der mit seiner Partei zwar sich rühme, 25 Jahre in diesem Hause zu sitzen, für den Mittelstand aber nichts gethan habe. Wenn er sich gegen die jüdischen Richter wende, so vertrete er nur die Wünsche seiner Wähler. Abg. Geck (Soz.-Dem.) bedauert, daß heute nach 50 Jahren, als der Kampf um bürgerliche Freiheit und die Gleichheit der Bürger ausgetragen wurde, Reden möglich seien, wie sie der Abg. Pfisterer gehalten habe und wie sie neuerdings auch in Oesterreich und Frankreich leider üblich geworden seien. Wenn man Fürstenworte citiren wolle, so erinnere er an das des Kaisers Friedrich.

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