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Der Israelit · 1898-03-07 · Heft 19 (7.3.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 19 (7.3.1898)
Date
1898-03-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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352 Moment in dem Buche nicht so offen zu Tage tritt, so lieat das eben an der Reserve, die sich Mordechai und Esther auferlegen mußten, um der Empfindlichkeit des Königs nicht zu nahe zu treten, und in dem Bemühen der Verfasser die Blöße, die sich der König bei dieser Gelegenheit nun einmal doch gegeben, möglichst zu verdecken. Trotz dieses Vertuschungssystems tritt, wenn man die einschlägigen Redewendungen gegen einander hält, die Ueberlistung des Königs durch Haman deutlich hervor. Sehen wir uns zu diesem Zwecke zunächst die Anklage Hamans mit der anschließenden Bitte im Wortlaute an. Die Juden bilden nach des Kanzlers Schilderung einen Staat im Staate; der König habe keinen besonderen Nutzen von seinem — soll ich mich trivial ausdrücken — Humanitätsdufil. Ein solches Volk müsse unter Ausnahmsgesetze gestellt werden, und das wirksamste Mittel, bei dem der persische Staat den höchsten Nutzen mühelos eiuheimsen könne, sei sro\ Dieses Wort — ich lasse es eine Weile unübersetzt — war ein diplomatischer Schachzug des ersten Ministers, um unter der glatten Form seine wahre Meinung und Absicht zu verbergen. Der Ausdruck aiax^ besagt, wenn er für sich allein steht, noch lange kein Hinschlachten durch Schwert und andere Mordwerkzeuge; diese Bedeutung erhält es erst in Verbindung mit erläuternden Synonymen wie n-aonb 3VT-6 oder aar6. Das Wort a-iax^ muß also im milderen Sinne aufgefaßt werden, etwa wie das pn -ax' in Spr. 29. 3. Es wäre hier demnach an eine Ausbeulung im weitesten Sinne zu denken. Dem Mordochai mochte auch schon gerade dieser Ausdruck aus dem Grunde am geeignetsten erscheinen, weil er in der mündlichen Wiedergabe unentschieden läßt, ob das Wort mit x oder v geschrieben wird. Im letzteren Falle wäre es dann „sie arbeiten zu lassen" zu übersetzen. Der König mußte auch wirklich etwas derartiges aus den Darlegungen seines Ministers verstanden haben; die wetteren Schußsolgerungen, die Haman selbst aus dieser Maßregel zieht und dem König in einem Athemzuge auszählt, mußten diesen in der Annahme bestärken, es handele sich hier um eine Ausbeulung des jüdischen Volkes; denn frptpx -aa ^aa a-s^x mtwn -jSan naa ^x X'ar6 nax^en wv ,_r bv heißt in wörtlicher Uebersetzung: „Und 10 000 Kikar Silber werde ich einwägen können durch die Hände derjenigen, welche die Arbeit leisten, sie zu bringen in die Schatzkammer des Königs;" d. h. ich verspreche dem Könige, daß durch meine Vorschläge die Staatseinkünfte um die angegebene Summe sich erhöhen werden. Nun ist auch die Erwiderung des Königs, die er in einer Anwandlung von Großmuth dazwischen wirst, ganz korrekt: ~jb pna -aan. „Dies Geld (die Ueberschüsse) soll Dir gegeben werden." Wenn man aber wie gewöhnlich annimmt, Haman habe aus eigenen Mitteln zur Schadloshaltung des Staates dem Könige jenen Betrag angeboten, so hätte die Erwiderung darauf anders lauten müssen, etwa w “b -m -p. Diese Abmachung zwischen König und Kanzler wäre dann auch für den weiteren Gang der Ereignisse belanglos und^ohne Einfluß gewesen, und doch hält es Mordochai in' seiner 'Anzeige^ an die Königin (4, 7) für nothwendig, span ntsne in den Vordergrund seiner Mittheilungen treten zu lassen. Es geht daraus hervor, daß der 'König 'aus den Worten seines Ministers entnahm, es handle sich etwa um die Heranziehung'der'Juden zu staatlichen Frohndiensten, niemals aber um einen Massenmord. Ein weiterer Beweis für diese Behauptung bildet Vers 24 d. 9. K's. Dort heißt es: „Denn Haman .. gedachte über die Juden a^axb, aber er warf das Loos anax^i aar6," d. h. in den mündlichen' Verhandlungen mit dem Könige war nur von einem max^ die Rede; eigenmächtig hatte Haman das aanb hinzugesetzt; die Vernichtungsdekrete waren ja auch geschrieben „ganz so wie Haman geboten." Daß aber Mordochai das ganze Lügengewebe und die beabsichtigte Täuschung des Königs durchschaute und ganz richtig vermuthete, Achaschwerosch sei in dem Glauben, nur die Erlaubniß zur Ausbeutung der Juden in der dargelegten Richtung gegeben zu haben, erhellt aus folgenden Erwägungen. Dem Mordochai war, da er alles erfahren (4,1) auch die Kunde von den mündlichen Verhandlungen zwischen König u. Kanzler wahrscheinlich von Freunden, die er bei Hofe hatte, zugetragen worden, und so war er in der Lage, dem Eunuchen wortgetreuen Bericht über die mündlich gepflogenen Vereinbarungen für die Königin zu liefern (4, 7). Eine Vergleichung derselben mit der von Mordochai zugleich eingesandten Abschrift des Vernichtungsbesehles mußte auch die Königin auf den Gedanken bringen, daß der König über die wahren Absichten Hamans hinweggetäuscht worden war. In der Entlarvungsscene nun zeugen ihre Worte an den König von eben so vielem Scharfsinn, wie von Taktgefühl, da wir aus ihnen entnehmen, wie sie es verstanden, in der Seele des Königs zu lesen. Sie sagt es deutlich heraus: iaiaaa anay1? £xi. „Ja, ich weiß, der König glaubt, wir wären zu Knechten und Mägden verkauft worden, damit aus dieser Maßregel Vortheil dem Staate erwachse. Wäre dies der Fall, so hätte ich schweigen müssen, aber nein, der König ist getäuscht worden: wir sind als vogelfrei erklärt, und nicht der Staat, sondern die Mörderhorde zieht den Nutzen. In dem Vernichtungsdekret hat der Feind eigenmächtig die Worte annbi eingefügt" (s.. 7, 4). Aus diese Worte der Königin folgt im Urtexte eine noiriD nvnv; diese deutet sicherlich darauf

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